Nach dem verheerenden Feuer in Düsseldorfer Messe

Großbrand in Flüchtlingsunterkunft ging Streit um Ramadan voraus

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Bagger reißen die ausgebrannte Halle an der Messe Düsseldorf ab. Die Flüchtlingsunterkunft war einsturzgefährdet.

Düsseldorf - Das Feuer in einer Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft hat einen Schaden von rund zehn Millionen Euro angerichtet. Die Ermittler suchen weiter nach der Brandursache. Dem Feuer soll ein Streit um religiöse Regeln vorangegangen sein.

Vor dem Großbrand in einer Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft hat es Zeugen zufolge Streit um die Beachtung des islamischen Fastenmonats Ramadan gegeben. Bei der mittäglichen Essensausgabe sei es zu den Auseinandersetzungen gekommen, hätten die zuständigen Mitarbeiter des Roten Kreuzes berichtet, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft am Mittwoch. 

Dabei sei es um die ordnungsgemäße Beachtung des Ramadan gegangen. Ob ein Zusammenhang zur Brandstiftung bestehe, werde noch geprüft. In der Halle hätten Christen und Muslime unter einem Dach gelebt, sagte eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes. 

Die Stimmung sei schwierig gewesen und habe sich mit Beginn des Ramadans noch verschlechtert. Es sei zu Gewalttätigkeiten gekommen. DRK-Mitarbeiter, Wachleute und Polizisten seien bespuckt und mit Schuhen beworfen worden. 

Die unterschiedlichen Gruppen hätten sich jeweils benachteiligt gefühlt, obwohl mit einer Essensausgabe um 22 Uhr auf die Belange der Muslime im Ramadan Rücksicht genommen worden sei. 

Schaden beläuft sich auf rund 10 Millionen Euro

Bei dem Großbrand in der Flüchtlingsunterkunft ist ein Schaden von rund zehn Millionen Euro entstanden. Der Abriss der 6000 Quadratmeter großen Halle des Düsseldorfer Messe habe bereits begonnen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Feuerwehr habe in der Nacht noch Glutnester gelöscht, sei am Mittwochmorgen aber abgezogen. 

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Die Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung mit 34 Beamten. Bewohner der Unterkunft wurden festgenommen. Nun wird geprüft, wer dem Haftrichter vorgeführt wird. 

Nordafrikaner soll Tat gestanden haben

In den kommenden Tagen soll Düsseldorf wegen des Brandes keine neuen Flüchtlinge mehr zugewiesen bekommen. Laut "Express" hat ein nordafrikanischer Bewohner der Unterkunft die Tat einem Reporter der Zeitung gestanden - aus Unzufriedenheit über die Unterkunft habe er das Feuer gelegt. Die Ermittler wollten sich dazu zunächst nicht äußern. 

Hinweise auf eine Brandstiftung von außen oder gar einen fremdenfeindlichen Hintergrund gebe es nicht. Videoaufnahmen von Bewohnern sollen zeigen, wie das Feuer in der Halle ausbricht.

In der ehemaligen Lagerhalle der Düsseldorfer Messe waren laut Stadt 282 ausschließlich allein reisende Männer untergebracht, vor allem Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Nordafrika. Beim Ausbruch des Brandes waren den Angaben zufolge etwa 130 Menschen im Gebäude. Sie konnten nach derzeitigem Stand gerettet werden. Vermisst werde niemand. 28 Flüchtlinge zogen sich Rauchvergiftungen zu. Auch ein Feuerwehrmann und ein Helfer aus der Unterkunft wurden leicht verletzt.

In Düsseldorf seien derzeit rund 7000 Flüchtlinge untergebracht, sagte Jürgen Riegner vom städtischen Sozialamt. Weil Düsseldorf bis zum Feuer immer noch viele Flüchtlinge zugeteilt bekam, sei die Unterbringungssituation angespannt. Für die aus der Halle geretteten Bewohner stellte das Land in der Nähe eine Landesunterkunft zur Verfügung. - dpa

Quelle: wa.de

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