SEK überwältigt gesuchten Straftäter

Großeinsatz der Polizei in Soest: Ein ganzes Dorf komplett abgeriegelt

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[Update - 12 Uhr] Soest - Aufregung am Dienstagabend in Soest-Bergede: Ein Mann hatte sich in einem Haus verschanzt, um seiner Festnahme zu entgehen. Die Polizei riegelte das 240-Seelen-Dorf vollständig ab, das SEK stürmte seine Wohnung.

Einen solchen massiven Polizeieinsatz hat das kleine 240-Einwohner-Dorf Bergede noch nicht erlebt. Sechs Stunden lang war der Ortsteil im Soester Südosten komplett abgeriegelt und in Polizeihand. In der Nacht zum Mittwoch – kurz vor Mitternacht – stürmte schließlich ein Spezialeinsatzkommando die Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, in der sich ein per Haftbefehl gesuchter, 55-jähriger Räuber aufhielt.

Aus dem Dorf selber hatte die Soester Polizei einen Tipp auf den 55-Jährigen bekommen. Der hätte eigentlich im Gefängnis und nicht in Bergede sitzen sollen, doch zwei Gründe sprachen dagegen: Zum einen kehrte der Ruhrgebietler nach einem Hafturlaub nicht mehr in die Zelle zurück, die noch für 518 Tage auf seinen Namen gebucht war. Zum anderen hatte er übers Internet ausgerechnet im beschaulichen Bergede eine Frau kennengelernt. Der Bekannten blieb allerdings am Dienstagabend die gesamte Aufregung erspart, weil sie unterwegs war.

Gerüchteküche brodelte

Im Dorf indes brodelte die Gerüchteküche. Über Telefon, soziale Netzwerke oder Kontakte auf der Straße verbreitete sich am Dienstagabend in Windeseile die Nachricht vom Großeinsatz der Polizei. Weil keiner etwas Näheres wusste und die Polizei selber sich bis in die Nacht bedeckt hielt, schossen um so mehr die Gerüchte ins Kraut.

„Ich habe schon ein wenig Angst; immerhin wohne ich hier und habe drei kleine Kinder. Ich finde es schrecklich, dass keiner weiß, was da los ist und dass man uns als Anwohner nichts sagt“, postete eine Leserin über die Facebook-Seite des Soester-Anzeigers. Andere wollten gar „Schüsse und Explosionen“ gehört haben. Mancher machte sich über den massiven Einsatz der Polizei gar lustig. Ein Leser etwa unkte: „Eine feministische Salafisten-Veganer-Gruppe hat soeben eine AfD-Demo mit der Hilfe von radikalen Erdogan-Anhängern und ttip-Gegnern gesprengt.“

Warum eine Nachrichtensperre verhängt wurde

Zu Beginn des Einsatzes hatte die Behörde eine Nachrichtensperre verhängt. Erst gegen 22.45 Uhr waren erste Informationen zu bekommen. Nach Auskunft der Polizei gab es zwei Gründe, das Dorf komplett abzuriegeln und mit den Nachrichten erst einmal hinter dem Berg zu halten. „Wir wollten keine Schaulustigen nach Bergede locken, die womöglich den Einsatz gefährdet hätten“, sagt Polizeisprecher Frank Meiske. Und weil die Delecker Brücke in Möhnesee gesperrt ist, wird der Verkehr aus Richtung Arnsberg über Stockum und eben die Kreisstraße quer durch Bergede nach Soest umgeleitet. All die Autofahrer wären kaum durchgekommen, zumal die Polizei mit dem SEK, unzähligen Streifenwagen sowie Rettungs- und Notarztwagen aufgefahren waren.

Der Zugriff

Derweil bereitete sich das Spezialeinsatzkommando auf den Zugriff vor. Gegen 23.30 Uhr stürmten die bewaffneten und mit Schutzausrüstung präparierten Beamten die Wohnung. „Geklingelt haben die nicht“, sagt Meiske. Schießlich habe man Informationen gehabt, der Gesuchte sei bewaffnet. „Da weiß man nie, was einen hinter der Tür erwartet.“

Zum Glück aber reagierte der 55-jährige Straftäter gelassen und ließ sich widerstandslos festnehmen. In der Wohnung fanden die Polizisten noch einen Schreckschussrevolver und stellten ihn sicher. Eine Gefahr für die Anwohner habe laut Polizei jedoch nicht bestanden.

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Quelle: wa.de

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