Prozess gegen Enkel startet mit Tränen und Widersprüchen

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Der Angeklagte (links) und sein Verteidiger Volker Cramer im Gerichtssaal.

[Update] Dortmund/Hamm/Soest - Mit Tränen und langwierigen, teilweise widersprüchlichen Ausführungen hat vor dem Dortmunder Schwurgericht der Mordprozess gegen einen 25-Jährigen begonnen. Er soll am 8. Februar seinen Großvater, den früheren Soester Schulleiter Hans Hellendahl, in dessen Haus in Hamm mit einem Brecheisen erschlagen haben.

Der Tatort in Hamm-Ostwennemar.

Mit gesenktem Kopf verfolgte der gedrungene, eher klein gewachsene Mann das Verlesen der Anklageschrift durch Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel, der für die Tat gleich zwei Mordmerkmale heraus arbeitete: Der Enkel habe seinem arg- und wehrlosen Opfer rücklings und damit heimtückisch den ersten Schlag mit dem Brecheisen versetzt sowie mit dieser Tat heimliche Geldabhebungen vom Konto des vermögenden ehemaligen Schulleiters des Soester Börde-Berufskollegs vertuschen wollen.

Massivste Vorwürfe, die jeder für sich dem Soester bei Überführung eine lebenslange Haftstrafe einbringen würden.

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Mit weinerlicher Stimme und um Fassung ringend stellte er zu Prozessbeginn seine abgeschwächte Version der Bluttat dar. "Er sprach vorher zu mir in ganz bedrohlicher Weise, hat mich übel beschimpft. Ich weiß dann nur noch, dass ich ihn geschlagen habe und dann irgendwann im Auto saß und mit meinen Eltern telefonierte."

Nebenkläger Dennis Kocker

Die Anklage spricht davon, dass der 84-Jährige in dem Haus an der Feuerdornstraße in Hamm-Ostwennemar nach massivsten Kopfverletzungen durch 14 Schläge mit der Metallstange verblutet. Sein mutmaßlicher Mörder soll den Körper seines Großvaters nach den Schlägen vom Wohnzimmer ins Bad gezogen und hier vergeblich versucht haben, Spuren zu verwischen. Von angeblich heimlichen Geldabhebungen wollte der gescheiterte Psychologie-Student nichts wissen. Sich immer wieder den Tränen aus den Augen reibend beteuerte er: "Ich habe geholfen, die finanziellen Dinge meines Großvaters zu regeln. Ich durfte an die Konten, er hat alle Kontoauszüge stets kontrolliert".

Zwischen dem in Hamm lebenden Großvater und seiner Familie in Soest hat es nach den Schilderungen des Angeklagten immer wieder Auseinandersetzungen um Geld gegeben. Angeblich ging es vor allem um Ausgaben für die chronisch erkrankte getrennt lebende Ehefrau des Großvaters.

Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel

Aber der pensionierte Lehrer soll seinem Enkelsohn auch wohl immer wieder Vorhaltungen über sein abgebrochenes Studium und mangelnde Lebensplanung gemacht haben: "Nach außen hin hat er immer schützend die Hand über mich gehalten, hat mir auch geholfen, wo er konnte. Aber wenn er mit mir alleine war hat er mich beschimpft und mir Vorhaltungen gemacht".

Der Prozess wird Ende kommender Woche fortgesetzt.

Quelle: wa.de

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