Verrockter Hochglanzzirkus: Cirque du Soleils "Amaluna" in NRW

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Traumzirkus mit "Amaluna": Die Artistenschar stellt sich dem Applaus der Zuschauer.

Düsseldorf - Mit "Amaluna" bringt der kanadische Cirque du Soleil Mitte November nach zwei Jahren Pause wieder eine seiner großen Zelt-Shows nach Düsseldorf. Die NRW-Hauptstadt ist nach Frankfurt die zweite deutsche Station. Wir verraten, ob sich der Besuch lohnt.

Wer im Zirkus Tiere, Sägemehl und Ufftata erwartet und die klassische Atmosphäre liebt, der wird auch heute noch an fast jeder Straßenecke fündig. Wer auf eben jene Elemente aber gut verzichten kann und stattdessen "das gewisse Mehr“ erwartet, wird an ausgewählten Standorten vom Cirque du Soleil verwöhnt. Das vor mehr als 30 Jahren von einem Straßenkünstler erdachte kanadische Unternehmen ist seit vielen Jahren weltweit mit großer Kunst und viel Bombast unterwegs. Im November macht das jüngste Programm „Amaluna“ in Düsseldorf Station. Ein knallbuntes und besonders leckeres Superbonbon.

Eines der Highlights: die Chinesische Stange.

Hochglanzzirkus... Varieté im XXL-Format... Trifft es irgendwie beides ganz gut: Was die Zuschauer vom 17. November bis 28. Dezember am Standort Grafental/Metro-Straße unter der Kuppel des weißen Grand Chapiteau erwartet, lässt einmal mehr erahnen, welch (auch technischer) Traumzirkus an den festen Cirque-Standorten wie Las Vegas angeboten wird. Und doch kommt kaum ein Hallenprogramm atmosphärisch an die Zelt-Aufführungen heran. Diese Erfahrung durften Mitte 2016 bereits die Zuschauer in Frankfurt machen. Dort wie an anderen Stationen in Europa sorgten die zumeist begeisterten Zuschauer seit dem vergangenen Jahr dafür, dass „Amaluna“ frühere Besucherrekorde des Cirque du Soleil knackte und das Zelt trotz seiner 2500 Plätze oft genug rappelvoll war.

Ohne nun allzu viele Details vorwegzunehmen und so die Spannung zu senken: „Amaluna“ ist auf der einen Seite „typisch“ Cirque du Soleil, auf der anderen aber doch auch etwas anders. Aber vor allem kann die Show das stets erwartete hohe Cirque-Niveau - für das wie üblich kräftig zur Kasse gebeten wird - endlich einmal wieder durchgängig halten.

Cirque du Soleil mit dem Programm "Amaluna" in Deutschland

Der inhaltliche rote Faden ist eine an klassischen Vorgaben orientierte Liebesgeschichte und hier eher kitschig als romantisch. Das macht aber nichts. Denn die Geschichten sind beim Cirque in der Regel ohnehin recht aufgesetzt, um den eigentlichen Stärken ein Gerüst zu geben.

Optischer Mittelpunkt ist ein mit 35 Grad warmem Wasser gefülltes Bassin in Form eines riesigen Martini-Glases. Dieses dient immer wieder entweder als reizvoll genutztes Show-Einheit oder als reizvolle Mini-Bühne für die Artisten. Und eben diese sind bei „Analuma“ beeindruckt stark. Kein Lückenfüller offenbart sich – ganz im Gegenteil. Zudem wissen Gesamtbild und Abfolge zu begeistern. Faszinierend fließende Übergänge halten die schnelle, farb- und stimmungsstarke Präsentation auf der beständig breit belebten Kulissen-Konstruktion überaus kurzweilig zusammen. Eine drehbare Bühne sorgt dafür, dass auch auf den Randplätzen oft gute Sicht herrscht.

Übrigens:

Kein Besucher muss Sorge haben, für eine Mitmachnummer in die Manege gebeten zu werden. Was bei anderen Cirque-Shows üblich ist, bleibt bei "Amaluna" außen vor. Was nicht bedeutet, dass die Besucher gänzlich ungeschoren davon kommen...

Auffällig sind folgende weitere Aspekte: Zum einen ist die Musik diesmal deutlich rockiger und mitreißender und dafür weniger sphärisch als üblich. Zum anderen wird sie erstmals von einer komplett weiblichen Band vorgetragen. Wie übrigens auch das gesamte Artisten-Ensemble diesmal deutlich weiblicher ist als bisher. Gleichwohl lassen die toll geschminkten Gesichter, die Phantasie-Kostüme und die optischen Arrangements sowie unablässig vorgetragene Freude und Emotionen immer lächeln und staunen.

In Europa der Clown: Aaron Dewitz.

Seit 2012 ist „Amaluna“ unterwegs. Die meisten Artisten haben seit der Premiere in Montreal inzwischen gewechselt, während die Nummern selbst weitgehend gleich blieben. Dieses Vorgehen ist normal beim Cirque du Soleil und soll die Spannung hoch halten. In Europa sind die Humor-Einlagen beispielsweise mit dem in Warendorf geborenen Aaron Dewitz besetzt (einem der ganz wenigen Deutschen beim Cirque übrigens). Daher werden den Zuschauern in der Regel auch keine Künstler-Namen genannt, sondern nur jene der Figuren. Frei nach dem guten alten Fußballer-Motto: Die Mannschaft ist der Star.

Faktenblatt Cirque du Soleil:

Die Geschichte: Der Cirque du Soleil begann als eine Gruppe von 20 kanadischen Straßenkünstlern und entwickelte sich unter der Regie seines Gründers Guy Laliberté zu einem großen Unternehmen, das artistische Unterhaltung auf höchstem Niveau produziert. Der Cirque beschäftigt an die 4000 Mitarbeiter, darunter 1300 Künstler und Artisten aus mehr als 50 Ländern. Allein am internationalen Hauptsitz in Montreal arbeiten fast 1500 Menschen. Die Produktionen haben bereits über 155 Millionen Zuschauer in rund 300 Städten in mehr als 40 Ländern auf sechs Kontinenten fasziniert. Interessant noch: Seit 1992 hat der Cirque du Soleil keine Förderungen von öffentlicher oder privater Seite erhalten.

Die Programme: Aktuell präsentiert der Cirque du Soleil weltweit insgesamt 19 verschiedene Shows: fünf im mobilen Zelt, vier in Arenen sowie zehn an festen Standorten wie Las Vegas.

Im Zelt auf Tournee: Das mobile Cirque-du-Soleil-Dorf besteht aus dem Grand Chapiteau, einem großen Eingangszelt, dem Artisten-Zelt, der Tageskasse, einer Küche, Schule, Büros, Lager und vieles mehr. Unabhängig vom Strom, ist die Anlage nur auf die lokale Wasserversorgung und auf Telekommunikationsreinrichtungen zur Unterstützung der gesamten Infrastruktur angewiesen. Für die Touren in Europa gibt nur eine dieser aufwändigen Zelt-Anlagen.

Für den Aufbau der gesamten Zelt-Anlage werden acht Tage benötigt, der Abbau dauert drei Tage. 65 Lastwagen transportieren nahezu 2000 Tonnen Equipment von Stadt zu Stadt. Während der Spielzeit dienen einige der Trucks als Lagerfläche und Werkstätten. Das Grand Chapiteau ist über 19 Meter hoch und hat einen Durchmesser von fast 51 Metern. Für den Aufbau werden rund 85 Personen benötigt.

Faktenblatt "Amaluna":

Die Geschichte: Amaluna feierte im April 2012 in Montreal Premiere. Auf der folgenden Tournee durch Kanada und die USA wurde das Programm vor mehreren Millionen Besuchern gespielt. 2015 kam die Zelt-Show erstmals nach Europa; Düsseldorf ist nach Frankfurt die zweite deutsche Station.

Der Name: Amaluna ist eine Fusion aus „ama“, das sich in vielen Sprachen auf „Mutter“ bezieht, und „luna“, was „Mond“ bedeutet, ebenso ein Zeichen für die Weiblichkeit. Damit wird Bezug genommen auf die Mutter/Tochter-Beziehung sowie die Göttin als Beschützerin des Planeten. Amaluna bezeichnet gleichzeitig jene mysteriöse Insel, auf der sich die Geschichte abspielt.

Die Regie: Die mit dem prestigereichen Tony Award ausgezeichnete Showregisseurin Diane Paulus ließ sich dabei von einer Reihe klassischer Motive sowie griechischen und nordischen Mythen inspirieren. Einflüsse von Mozarts "Die Zauberflöte" und Shakepeares "Der Sturm" wurden verarbeitet.

Die Akteure: Zum ersten Mal in der Geschichte des Cirque du Soleil agieren in der Mehrzahl weibliche Akteure, die Band sogar ausschließlich aus Musikerinnen. „Amaluna ist auch ein Tribut an die Stimme der Frauen“, sagt Kreativdirektor Fernand Rainville. Das internationale Darsteller-Ensemble zählt 46 Artisten. Weitere 64 Mitarbeiter reisen mit der Show.

Die Musik: Das Komponisten-Duo Bob & Bill wollte einen authentischen Sound für Amaluna schaffen und mit Unerwartetem überraschen. Die Gitarren sind ungewöhnlich präsent und der Sound insgesamt zeitgenössisch. Bass, Schlagzeug, Cello, Gesang, Keyboards und Perkussion unterstützen die Gitarren mit schnörkelloser Musik. „Wir wollten die ursprüngliche Kraft freisetzen, die Künstler und Musiker live erzeugen“, so Bob und & Bill. Band und Akrobaten agieren zeitweise gemeinsam auf der Bühne.

Das Bühnenbild: Regisseurin Diane Paulus ist bekannt für Produktionen, die über die Grenzen einer konventionellen Theater-Inszenierung hinausgehen und die Zuschauer in das Geschehen einbinden. Das Bühnenbild von Scott Pask soll eine mysteriöse, grüne, verzauberte Insel darstellen. Besonders auffällig ist ein kunstvoll geformter Wald aus bambusartigen Ästen, der den äußeren Rahmen für die Handlung liefert.

Die Wasserschale: Das Gefäß ist 1,65 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 2,21 Meter und knapp 2500, wenn es mit Wasser gefüllt ist.

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Quelle: wa.de

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