Kampagne "Riegel vor!": Mehr Streifen, Beratung und Prognose-Software

+
Symbolfoto

Bonn - Die Zahl der Einbrüche steigt. Mehr Polizeistreifen und Beratung der Bewohner soll es geben, verspricht der Innenminister. Und: Es kommt eine Software, die Einbruchsprognosen erstellt. Das freut die Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Im Kampf gegen steigende Einbruchskriminalität hat NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) mehr Polizeipräsenz und Beratung der Bewohner vor Ort angekündigt. Als neuen Baustein der Kampagne "Riegel vor!" stellte Jäger am Montag in Bonn ein Pilotprojekt vor, das auch in Dortmund, Gütersloh und Mönchengladbach startet.

In Wohngebieten, die besonders stark betroffen sind, werden Präventionsteams bestehend aus uniformierten Einbruchschutz-Beratern und Bezirksdienstbeamten eingesetzt, die Einbruchsopfer und Nachbarschaft befragen und gezielt beraten. Außerdem sollen zusätzliche Streifen eingesetzt werden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich skeptisch. Er bezweifle, dass man die stark steigenden Einbruchszahlen damit senken könne, sagte der GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert der Deutschen Presse-Agentur.

Und: "Wir haben Notbesetzung auf den Streifenwagen. Wir müssen die Flüchtlingsunterkünfte schützen und dort stärker präsent sein", betonte Plickert. "Es werden seit Jahren zusätzliche Anforderungen an die Polizei gestellt." Man brauche mehr Personal.

Einbrüche voraussehen und vor den Tätern da sein

Sinnvoll könne eine neue Software sein, die mit Hilfe von Wahrscheinlichkeitsrechnung Einbruchsprognosen erstellt und ein sogenanntes "Predictive Policing" ermöglicht. Diese Software solle im Herbst in Köln und Duisburg getestet werden, bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums einen Bericht der "Rheinischen Post".

Damit könnten mögliche Zeiten und Einbruchsorte eingegrenzt werden. Plickert sagte, die GdP begrüße diese Maßnahme. Täter kehrten häufig in Gegenden zurück, wo sie vorher erfolgreich Beute gemacht haben, und gingen zudem nach bestimmten Handlungsmustern vor. Aus diesen Daten lasse sich mit der Software eine Einbruchsprognose erstellen - mit dem Ziel, dass die Polizei vor den Tätern vor Ort ist.

Im ersten Halbjahr 2015 sei die Einbruchskriminalität besonders in den Großstädten enorm gestiegen, sagte Plickert. Die Aufklärungsrate liege im Durchschnitt bei lediglich sieben bis zwölf Prozent. Die GdP sei über die Lage sehr besorgt. Die Zahl der Wohnungseinbrüche klettert schon seit einigen Jahren. Im ersten Halbjahr 2015 gab es fast 33 600 Einbrüche - in den ersten sechs Monaten 2010 war es noch ein Drittel weniger. Im Gesamtjahr 2014 war die Zahl der Einbrüche allerdings rückläufig. - lnw

Quelle: wa.de

Kommentare