Legionellen-Ausbruch: Minister fordert Meldepflicht für Kühlanlagen

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Die Aufnahme des Universitätsklinikums der TU Dresden zeigt eine Kolonie des Bakteriums Legionella pneumophila, das die so genannte Legionärskrankheit auslösen kann, auf einem Nährboden aus Aktivkohle.

Düsseldorf/Warstein - Die Quelle des verheerenden Legionellen-Ausbruchs in Warstein vor zwei Jahren bleibt unbekannt. Das ist das Ergebnis mehrerer Gutachten, deren Inhalte Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) in Düsseldorf vorgestellt hat. Es seien aber Konsequenzen gezogen worden, die eine Wiederholung eines solch gravierenden Falles verhindern sollen.

Beim größten Legionellen-Ausbruch in Deutschland starben zwei Menschen, 159 erkrankten schwer. „Solch ein Vorfall, wie wir ihn erleben und erleiden mussten, darf sich nicht wiederholen“, verwies Remmel auf eine erfolgreiche Bundesratsinitiative, die jetzt umgesetzt werden müsse. Für Kühlanlagen, die die Krankheitserreger verbreiten, müsse es eine Meldepflicht und ein Kataster geben, zugleich sollten die Geräte regelmäßig gewartet werden, so der Minister. „Wir können die Gefahr minimieren, werden sie aber nicht ausschließen können“, erläuterte er, dass die natürlich im Wasser vorkommenden Bakterien nur an ihrer Verbreitung gehindert werden können. Die Kreisverwaltung sei bei der Bekämpfung „hoch professionell vorgegangen“, lobte Remmel die Zusammenarbeit der Behörden und Experten, die mit einer nicht vorhersehbaren Lage konfrontiert worden seien.

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Erkrankungswelle begann vor einem Jahr

Zwar halten die Gutachter die von der Landrätin des Kreises Soest, Eva Irrgang, verhängte „Reisewarnung“, mit der auf die Gefahren hingewiesen wurde, für überzogen, aber die Behördenchefin verwahrte sich gegen die Kritik: „Wenn wir nur ein Menschenleben gerettet haben, haben wir alles richtig gemacht.“ Trotz der offensiven Öffentlichkeitsarbeit hätten sich die Bürger nicht genügend informiert gefühlt, ging Irrgang auf die Experten-Anmerkungen ein. Rufe nach regelmäßigen Pressekonferenzen, einem Bürgerbüro vor Ort und mehr persönlicher Anwesenheit seien Hinweise, die sie „sehr ernst nehme“, übte sie sich in Selbstkritik.

Mediziner, die mit Lungenerkrankungen konfrontiert werden, müssten in der Diagnostik früher auch an Legionellen denken, verlangt Prof. Martin Exner eine Verhaltensänderung. Als Mitglied der Expertenkommission und Verfasser eines Berichtes fordert er Veränderungen der Leitlinien für Ärzte, damit die Erreger schneller ausfindig gemacht werden können. Bei jeder Lungenentzündung müsse die Möglichkeit der Legionellen-Erkrankung geprüft werden. Bei Vorfällen in Jülich vor einem Jahr seien die Warsteiner Erfahrungen bereits umgesetzt worden.

„Es wird immer wieder die Schuldfrage gestellt, aber wir können sie nicht beantworten“, berichtete die Landrätin, dass einige Warsteiner noch immer unter den Folgen der Erkrankung leiden. Offene Brauereiabwässer seien für die Legionellen-Verbreitung besonders geeignet, so Remmel. Das Unternehmen habe zwischenzeitlich zwei Millionen Euro für Verbesserungen investiert, berichtete Irrgang. Neben der Brauerei hatte die Stadt Warstein umfangreiche Anstrengungen unternommen, um die Gefahr einzudämmen.

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Quelle: wa.de

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