Krefelder Klinik überbringt falscher Familie Todesnachricht

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Symbolbild

[Update 14.35 Uhr] Krefeld - Ein Krefelder Klinikum hat einer Familie fälschlicherweise eine Todesnachricht überbracht. 

Die Tochter ist geschockt, die Enkelin erschüttert, für den Ehemann ist es, als würde ihm der Boden unter den Füßen weggerissen: Die 78 Jahre alte Mutter, Oma und Ehefrau soll tot sein. Mitten in der Nacht überbringt eine Stationsärztin des Krefelder Helios Klinikums den Angehörigen die schreckliche Nachricht. Die 48-Jährige trauert mit ihrer Tochter, bevor sie ihren Vater informiert. Gemeinsam fahren sie in die Klinik. "Und da ist meine Großmutter, die Minuten später auf dem Flur tanzt, weil sie froh ist, dass sie noch lebt", sagt die 22-jährige Enkelin später der "Westdeutschen Zeitung", die am Dienstag über den Fall berichtet. 

Keine Frage: Dass die totgesagte Großmutter lebt, ist für die Familie ein großes Glück. Die falsche Todesnachricht aber ist erschütternd und verärgernd zugleich. "Wir sind tief betroffen über diese tragische Verwechslung und bedauern zutiefst, dass wir der Familie diese Situation so zugemutet haben", teilt eine Unternehmenssprecherin am Dienstag mit. "Die beteiligten Kolleginnen sind tief bestürzt." 

Wann genau der Vorfall passierte, sagt das Klinikum nicht - aber es müssen sich unwirkliche Szenen abgespielt haben in jener Nacht: Nachdem Tochter und Enkelin zwei Stunden lang weinen, informieren sie den Ehemann der vermeintlich Verstorbenen, wie die "WZ" berichtet. Der will sofort ins Krankenhaus, wo ihnen die Nachtschwester entgegen kommt - selbst den Tränen nahe. Sie habe den Angehörigen gesagt, dass es eine Verwechslung gegeben habe. Nicht die 78-Jährige, sondern eine andere Patientin sei gestorben. 

Doch wie konnte es zu der Fehlinformation kommen? Nach Darstellung der Klinik starb eine Patientin im Nachbarzimmer der 78-Jährigen, die einen ähnlich klingenden Nachnamen hatte. Und als die zuständige Ärztin die Angehörigen verständigen sollte, sei ihr versehentlich ein Blatt aus der Akte der 78-Jährigen bereitgelegt worden. Die Ärztin habe nur den Namen der tatsächlich verstorbenen Patientin gekannt, diesen dann am Telefon genannt, um sich zu vergewissern, dass sie mit einem Angehörigen spreche. Die Frage sei bejaht worden - und die Ärztin überbrachte die Todesnachricht.

 "In einer so emotionalen Situation und bei einem nächtlichen Anruf aus dem Krankenhaus ist es jedoch nachvollziehbar, dass dies von dem Angehörigen so nicht wahrgenommen wurde, zumal beide Nachnamen wie erwähnt sehr ähnlich klingen", sagt  die Sprecherin des Klinikums. Dieser Darstellung widerspricht die Familie. "In dem Moment war ich hellwach und ich bin mir sicher, dass die Ärztin Vor- und Nachnamen meiner Mutter genannt hat", zitiert die "WZ" die Tochter. Der Klinik ist kein vergleichbarer Fall bekannt. Auch die Krankenhausgesellschaft NRW weiß nichts von ähnlichen Vorfällen. Allerdings: "Wir erheben auch keine Patientenverwechslungen. Die Krankenhäuser melden uns sowas auch nicht", sagt Sprecherin Sandra Fösken. Was in Krefeld passiert sei, sei "tragisch und sehr bedauernswert" - aber sicher ein Einzelfall. - lnw

Quelle: wa.de

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