Vermeintliche Diebstahlanzeige war ein Asylantrag

Kurioses Versehen: Tourist landet im Flüchtlingsheim in Dülmen

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Dülmen - Eigentlich wollte er Frankreich und Italien bereisen: Doch statt „Savoir vivre“ in Südeuropa erlebte ein Tourist aus China ein mehrtägiges Malheur im Münsterland. Weil er statt einer Diebstahlanzeige einen Asylantrag unterschrieb, saß er zwölf Tage in einem Flüchtlingsheim in Dülmen fest.

„So etwas erleben wir nicht so oft“, sagt Christoph Schlütermann, Vorstand beim Kreisverband Coesfeld des Deutschen Roten Kreuzes, das das Heim in Dülmen betreibt. 

Schlütermann war zufällig vor Ort, als der Chinese Anfang Juli in der Asyl-Einrichtung ankam. Der junge Mann – „gut gekleidet, mit teurem Handy und coolem Look“ – habe betrübt gewirkt und versucht, sich bemerkbar zu machen. Das Problem: Er sprach weder Deutsch noch Englisch und auch sonst keine europäische Sprache. 

Erste Verständigung per Handy-App

Erst als Schlütermann eine China-Karte zur Hand nahm und sich zeigen ließ, aus welcher Region der etwa 30-Jährige stammt, stellte sich heraus: Er spricht Mandarin. Per Übersetzungs-App auf dem Smartphone stellte der DRK-Betreuer dem verzweifelten Chinesen Fragen und bekam Antworten wie „Ich möchte im Ausland spazieren gehen“. 

Ihm sei schnell klar gewesen: „Er ist kein Flüchtling, er ist Tourist“, berichtet Schlütermann. Ein Mitarbeiter des örtlichen China-Restaurants half bei der Übersetzung. 

Geldbörse am Stuttgarter Airport geklaut

Nach und nach wurde deutlich, welche kuriose Reise durch den deutschen Behördendschungel der junge Tourist hinter sich hatte. Demnach war ihm nach der Ankunft am Flughafen Stuttgart die Geldbörse mit einem vierstelligen Betrag geklaut worden, weshalb er sich an die Flughafenbehörden gewandt hatte. 

Den Polizei- oder Zollbeamten erschien der Mann, den sie nicht verstehen konnten, hilfebedürftig; sie ließen ihn nach Heidelberg in ein Aufnahmezentrum für Flüchtlinge bringen. „Hier war vielleicht die Routine am Flughafen das Problem“, glaubt Schlütermann. 

Pass eingezogen und nach Dortmund geschickt

In Heidelberg unterschrieb der Chinese dann, im Glauben, es handele sich um eine Diebstahlanzeige, einen Asylantrag. Die Folge: Sein Pass wurde eingezogen, der junge Mann wurde nach Dortmund geschickt. „Er war auf einmal in unserem System drin und wurde dann behandelt wie jeder andere Asylbewerber auch“, bestätigt ein Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg den Vorgang. 

Der Chinese wurde geröntgt, untersucht, bekam die Ankunftsdokumente und wurde nach Dülmen gefahren – ohne sich zur Wehr zu setzen. „Doch er verhielt sich nicht wie die anderen“, sagt Schlütermann. Die meisten Neuankömmlinge seien froh, in Sicherheit zu sein, Unterkunft zu haben, durchatmen zu können. Der Chinese wollte vor allem eines: seinen Pass zurück. 

Pass zwischen Heidelberg und Westfalen verschollen

Dies allerdings war nicht so einfach, denn das Dokument war irgendwo zwischen Heidelberg und Dortmund verschollen. Weil auch das Visum bei der Einreise falsch abgelegt wurde, ließ sich die Identität des Mannes zunächst nicht nachweisen. 

Schlütermann und ein DRK-Kollege telefonierten tagelang mit Behörden und Konsulaten. Am Ende konnte der unglückliche Tourist seinen Asylantrag formell zurückziehen und seine Reise mit Ersatzdokumenten fortsetzen. „Sein Original-Pass ist wieder aufgetaucht“, sagt Schlütermann. Dass der Chinese diesen abholen wird, glaubt er allerdings nicht.

Quelle: wa.de

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