Steuerberater soll im Tönnies-Streit aussagen

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Der Streit in der Tönnies-Familie geht weiter.

Bielefeld - Seit Jahren streiten sich die Familien Tönnies vor Gericht um die Macht bei Deutschlands größtem Fleischkonzern. Vor dem Landgericht Bielefeld muss jetzt der langjährige Steuerberater des Unternehmens aussagen. Hinter den Kulissen arbeiten die Familien an einer Lösung.

Er war der Vorsitzende und Schatzmeister des Fußball-Bundesligisten Schalke 04. Und er war der Steuerberater bei Deutschlands größtem Fleischkonzern Tönnies. Aber Josef Schnusenberg war auch der Nachlassverwalter des 1994 gestorbenen Firmengründers Bernd Tönnies. Am 19. Oktober muss er vor dem Landgericht Bielefeld als Zeuge aussagen. Seit rund einem Jahr streiten sich dort zwei Familienzweige des Gesellschafterkreises um die Macht im Unternehmen mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück - ungeachtet der Einigungsgespräche die im Hintergrund laufen.

Aktuell gibt es eine Patt-Situation: Firmenchef Clemens Tönnies hält 50 Prozent der Anteile an dem Milliarden-Unternehmen, das 2014 rund 8000 Mitarbeiter beschäftigte und  5,6 Milliarden Euro Jahresumsatz verzeichnete, sein Neffe Robert ebenfalls. Der will aber einen 10-Prozent-Anteil zurück, den Clemens vor Jahren von ihm und seinem Bruder überlassen bekommen hat. Der Grund für die Rückforderung: grober Undank. Außerdem fühlt er sich von seinem Onkel schlecht behandelt. Grundlage für die Schenkung war ein umstrittenes Versprechen auf dem Sterbebett des Firmengründers Bernd Tönnies im Jahr 1994. Seine Söhne bezweifeln dieses Versprechen, wonach ihr Onkel Clemens ihnen bei den Firmenanteilen gleichgestellt werden sollte.

Schnusenberg soll Licht ins Dunkel bringen

Würde das Gericht Robert Recht geben, würde das Machtverhältnis beim Fleischriesen zu seinen Gunsten kippen. Nachlassverwalter Schnusenberg soll jetzt mit seiner Aussage Licht ins Dunkel bringen. Er hatte nach dem Tod von Bernd Tönnies das Erbe seiner Söhne betreut. Neben mehr als einem Dutzend Rechtsstreitereien vor den Gerichten versuchen sich die Anwälte der Familien seit Frühjahr allerdings auch zu einigen. Zuerst wurde im Geheimen verhandelt, dann kamen im Mai erste Einzelheiten an die Öffentlichkeit. Demnach sollen Clemens und Neffe Robert künftig als gleichberechtigte Gesellschafter eine neue Familien-Holding führen. Aus Familienkreisen ist durchgesickert, dass eine Einigung bei den Gesprächen kurz bevorsteht.

Umstritten sind nur noch Kleinigkeiten, wie die Größe eines Beirates, der ,vergleichbar mit einem Aufsichtsrat bei Aktiengesellschaften, die Führung kontrollieren soll. Der ehemalige Steuerberater Josef Schnusenberg spielt in diesem neuen Konstrukt längst keine Rolle mehr. Als Stolperstein bei den Einigungsgesprächen, die vor dem Landgericht Bielefeld als Schatten über dem nächsten Prozesstag hängen, gilt ein anderer: Josef Tillmann. Der langjährige Tönnies-Geschäftsführer ist soetwas wie die rechte Hand von Clemens. Noch im August hatte Gesellschafter Robert Tönnies vor Gericht seine Abberufung gefordert. Nach seiner Meinung hatte er als Zeuge vor Gericht gelogen, als er über ein Telefonat mit seinem Vater kurz vor dessen Tod berichtet hatte. Mit der Klage aber hatte er keinen Erfolg. Tillmann blieb. Und Clemens´Wort, an Tillmann unter allen Umständen festhalten zu wollen, könnte jetzt der entscheidende Streitpunkt bei einer außergerichtlichen Einigung der Familien sein. Die westfälischen Dickköpfe Clemens, Aufsichtsrat bei Schalke 04, und Neffe Robert müssten eine Sprachreglung finden, um in der Tillmann-Frage nicht das Gesicht zu verlieren.

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Quelle: wa.de

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