Mehr als eine Tretmine: Hundedreck auf Feldern ärgert Landwirte

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Hundehaufen sollten Halter immer entsorgen.

Münster - Der Hundehaufen auf dem Bürgersteig ist ein Ärgernis, aber auch auf Feld und Acker richtet er Schaden an: Landwirte sorgen sich um die Hygiene ihrer Lebensmittel und die Gesundheit ihres Viehs. Denn ihre Flächen verkommen zunehmend zum Hundeklo, klagen sie.

Wenn Landwirt Engelbert Annegarn Spaziergänger mit Hunden anspricht, dass sein Feld kein Hundeklo sei, erntet er oft Achselzucken. ""Ist doch guter Dünger" oder "Ist doch mitten in der Natur" kriege ich dann zu hören." 

Doch dort, wo man wie Annegarn Zaun an Zaun mit der Stadt wohnt, ist die Masse der Hundehaufen auf Heuwiesen und Äckern längst zum Problem geworden. "Wir sind umzingelt von Hundehaltern", sagt er. Rund um die kleinen Bauernschaften am Stadtrand von Münster stehen Reihen- und Mehrfamilienbauten - darin wohnen zahlreiche Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner gerne zum Gassigehen ins Grüne ausführen. 

Doch Hundekot - erst recht so kurz vor der Ernte - ist ein hygienisches Problem, warnen Westfälisch-Lippischer und Rheinischer Landwirtschaftsverband unisono. Er gehöre nicht auf Lebensmittel, und auch verunreinigtes Heu würden die Tiere gelegentlich verweigern, sagt Susanne Schulze Bockeloh, die Vorsitzende des Kreisverbands Münster. 

Manche Landwirte fürchten sogar, dass er für Totgeburten ihrer Rinder verantwortlich sein könnte. Mit Schildern und mehr Aufklärung, wollen sie jetzt ihre Felder endlich wieder frei vom Hundedreck bekommen. 

Verständlich, findet Franz Conraths. Er ist Parasitologe beim Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesinstitut für Tiergesundheit in Braunschweig. Der Kot könne, wenn auch selten, Bakterien wie Salmonellen oder Darmkeime und auch Parasiten enthalten.

Ein Erreger bereitet den Landwirten besondere Sorge: Neospora Caninum wird durch den Hund übertragen und kann bei Rindern Totgeburten verursachen. 

Laura Jacobs vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband berichtet von Bauern aus dem dicht besiedelten Kreis Recklinghausen, die bis zu zehn Kälber aufgrund des Erregers verloren hätten. Welche Rolle der Hundedreck dabei spielt, ist jedoch unklar: Nach Untersuchungen des Friedrich-Löffler-Instituts ist das Risiko, dass ausgerechnet Hunde in Privatbesitz die Krankheit übertragen, sehr gering ist. 

"Wenn überhaupt ist es eher der Hofhund, der sich ansteckt und die Krankheit weitergibt", sagt Conraths. Die Gefahr, dass er auf einem Rinderhof infiziertes Fleisch fresse, sei größer. Diese Nähe fehlt dem Stadthund. Doch das Grundproblem bleibt: "Was frisch aus dem lebenden Organismus kommt, ist etwas anderes als Gülle". Die wird erst gelagert, so dass viele Erreger und Bakterien ihre Ansteckungsfähigkeit verlieren, bevor sie auf die Felder gebracht werden. 

Entsprechend pochen die Landwirte auf mehr Sensibilität von Hundebesitzern: "Wenn ein Hund über ein Salatfeld läuft und da hinmacht, sind 100 Salatköpfe nicht mehr zu verkaufen, berichten unsere Gemüsebauen", sagt Andrea Bahrenberg, Sprecherin des Rheinischen Landwirtschaftsverbands. "Es wird einfach nicht besser, obwohl wir jedes Jahr wieder um Verständnis werben", sagt sie. Auch die Landwirte an Münsters Stadtrand glauben, dass es schlimmer wird: "Auf manchen unserer Flächen liegt alle paar Meter einer", klagt Biolandwirtin Daniela lütke Jüdefeld. 

Sie ist verunsichert: "Ich weiß doch gar nicht, welche Schadstoffe über den Hundekot auf unsere Felder kommen. Dass die Leute den Lebensmitteln so wenig Wertschätzung entgegenbringen, kann ich nicht verstehen". Auch wenn die nicht angeleinten Hunde über die Felder toben, brütende Vögel aufschreckten oder frische Saat zertrampelten, sei das schwierig. Der Vorschlag der Landwirte: Hunde an die Leine nehmen und den Dreck mit Plastiktüten aufsammeln. "Dann aber bitte auch mitnehmen und nicht einfach auf den nächsten Acker werfen. Das habe ich alles schon gesehen", sagt lütke Jüdefeld kopfschüttelnd.

Quelle: wa.de

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