IG Metall Hamm-Lippstadt teilt mit:

Ab Mittwoch Verhandlungen bei Kettler mit Betriebsräten

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Werl - Die Verhandlungen bei Kettler mit den Betriebsräten über den Abschluss eines Interessensausgleichs werden am Mittwoch beginnen. Das teilt die IG Metall Hamm-Lippstadt mit.

Die Mitglieder der Gewerkschaft und die Kettler-Beschäftigten hätten der Presse entnommen, dass die Gläubiger zu 100 Prozent befriedigt werden sollen, so Torsten Kasubke, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Hamm-Lippstadt. Die Beschäftigten empfänden es als "zutiefst ungerecht, wenn sie nahezu als einzige Gruppe Nachteile durch die Insolvenz in Eigenverwaltung haben sollen".

Deshalb, so Kasubke, hätten die Mitglieder auf einer Mitgliederversammlung die IG Metall beauftragt, mit Sozialtarifverhandlungen zu beginnen, um die Position der betroffenen Arbeitnehmer zu verbessern. Das kann zum Beispiel Vorteile bei Abfindungen der Mitarbeiter bringen, die von Kündigung betroffen sein werden. Statt der nach Insolvenzrecht üblichen Begrenzung auf 2,5 Monatsgehälter unabhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit ermöglicht ein Sozialtarifvertrag höhere Abfindungen.

"Der Abschluss von Tarifverträgen ist grundgesetzlich geschützt", sagt Kasubke. Daher sei aus seiner Sicht eine gesetzliche Begrenzung innerhalb einer Insolvenz bei Abfindungen nicht gegeben. "Tarifverhandlungen in der Insolvenz sind eher atypisch, weil es ja auch in der Regel nichts zu holen gibt", das weiß der Gewerkschafter. Aber bei Kettler stelle sich die Sache "offensichtlich anders dar". Die IG Metall habe die Eigenverwaltung mit Firmenchefin Dr. Karin Kettler an der Spitze daher aufgefordert, parallel zu den anstehenden Interessensausgleichsverhandlungen mit den Betriebsräten auch den Sozialtarifvertrag zu verhandeln - wissend um die geringe Einflussnahme durch Begrenzungen des Insolvenzrechts.

Entwurf sieht Abbau von fast 400 Jobs vor

Die Gewerkschaft geht weiterhin davon aus, dass zur Sanierung des Unternehmens "ein erheblicher Stellenabbau erfolgen soll". Von der zuletzt aus Firmenkreisen bestätigten Reduzierung auf unter 200 Jobs, die wegfallen sollen, weiß die IG Metall noch nichts. "Der durch die Eigenverwaltung überlassene Entwurf vom 4. September sieht auch weiterhin einen Stellenabbau von 397 Arbeitnehmern vor", heißt es in der Pressemitteilung. Das durch den Betriebsrat in Auftrag gegebene Gutachten des Info-Instituts sehe hingegen eine Sanierungsfähigkeit des Unternehmens auch bei einem "weitaus geringeren Stellenabbau". Kasubke nennt die zuletzt aus Firmenkreisen genante Zahl von unter 200 "realistisch".

Ziel der anstehenden Verhandlungen sei es, den Stellenabbau bei Kettler möglichst gering zu halten. "Wir werden um jeden Arbeitsplätz kämpfen", kündigt der Gewerkschafter auf Anfrage an. Kasubke erwartet dabei "schwierige Verhandlungen". Ob die zu Anfang Oktober angestrebte Einigung gelingt, sei noch nicht zu sagen. Am Mittwoch gebe es zunächst nur den Einstieg in die Gespräche, viele weitere Termine werden folgen. Zunächst werde man über einzelne Maßnahmen sprechen, erst später dann auch über Namen von Betroffenen.

Der im Unternehmen eingesetzte Sanierer Thorsten Prigge hatte angekündigt, dass man das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung noch in diesem Jahr abschließen wolle. Kettler wolle "ab 2016 seinen Weg mit der Unterstützung von lokalen Finanzierungspartnern und dem Land NRW weiterführen."

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Quelle: wa.de

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