Schlag mit Schaufel

Möhneseer Landwirt wegen versuchten Mordes angeklagt

Möhnesee/Werl - Es waren wortwörtliche „Schlag“-zeilen, die ein Landwirt aus Möhnesee im April 2015 lieferte: Er soll mit einer Schaufel einen Motorradfahrer aus Werl von der Maschine geschlagen haben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Arnsberg Anklage erhoben. Der Vorwurf: „versuchter Mord.“

Das teilte Staatsanwalt Marko Karlin am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung mit. In der Anklage tauche der Begriff der „Heimtücke“ beim Versuch, einen Menschen zu töten, auf, sagt Dr. Johannes Kamp, Richter am Landgericht. Das gilt als Mordmerkmal.

Von zwei Handlungen ist die Rede. Eine davon soll mit einem „Werkzeug“ erfolgt sein – offenbar einer Schaufel. Die Akten sind mittlerweile dem Landgericht Arnsberg zugegangen; das wiederum hat den Beschuldigten zur Stellungnahme aufgefordert, sagt Dr. Kamp. „Erst danach werden wir entscheiden, ob das Verfahren eröffnet wird“, sagt der Presserichter.

Demnach gebe es natürlich auch noch keinen Prozesstermin. Da der Landwirt nicht in der Untersuchungshaft sitzt, drängte die Zeit nicht.

Gutachten wurden erstellt

Die wiederum habe man gebraucht, so Staatsanwalt Karlin – vor allem für zwei Gutachten, die Klarheit in den Vorfall bringen sollten. So wurde ein technisches Rekonstruktionsgutachten eingeholt. Auch ein kombiniertes biomechanisches Gutachten musste erstellt werden. 

Wichtig war den Ermittlern vor allem die Frage, ob der Schlag mit der Schaufel lebensgefährlichen Charakter hat oder nicht. Nach der Expertise des Instituts für Rechtsmedizin in München geht die Staatsanwaltschaft genau davon aus: Der Schlag hätte den getroffenen und bei dem Vorfall schwer verletzten Werler das Leben kosten können. Ohnehin wird er bleibende Schäden davon tragen, er hat ein Fingerglied verloren.

Der damals 27-jährige Landwirt hatte nach jenem Vorfall von einem Unfall gesprochen; die Motorradfahrer seien gegen die Schaufel gefahren. Er hatte nach kurzer Zeit die zunächst angeordnete Untersuchungshaft verlassen können.

Im Zuge der Ermittlungen hatte es auch einen Ortstermin mit allen Beteiligten beziehungsweise deren Rechtsvertretern sowie Sachverständigen gegeben.

Das soll passiert sein

Am 21. April 2015 waren zwei Werler mit ihren Geländemotorrädern in Theiningsen unterwegs. Sie fuhren über den Wierlauker Weg, nutzten mehrere Feldwege und auch eine Pflugfurche am Rande eines Ackers, so hieß es damals.

Dann kam es zu dem Vorfall: Die Motorradfahrer gaben an, dass sie einen Traktor mit Anhänger passiert hätten; völlig unvermittelt habe der dort arbeitende Landwirt mit einer Schaufel vorsätzlich auf sie eingeschlagen.

Der 42-jährige Werler wurde von der Schaufel am Helm getroffen, stürzte und verletzte sich schwer. Die Schaufel zerbrach. Der zweite Biker, ein 21-jähriger Mann aus Werl, stürzte demnach bei einem Ausweichmanöver, sei aber nicht verletzt worden. Dann, so gaben die Motorradfahrer an, soll der Landwirt mit einem Stock auf sie zugelaufen sein; daher seien sie mit den Fahrzeugen in Richtung Oberense geflüchtet.

Quelle: wa.de

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