Nach Angriff auf Wanderin: Wisent-Projekt auf Kippe

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Nach Angriff auf Wanderin steht Wisent-Projekt auf der Kippe

Siegen - Das europaweit beachtete Projekt einer freilebenden Wisentherde im Rothaargebirge steht möglicherweise kurz vor dem Aus. Nachdem eine Wisent-Kuh eine Wanderin angriff, ist eine Diskussion um die Gefährdung von Menschen durch die Ur-Rinder entbrannt.

Der Landrat des Hochsauerlandkreises, Karl Schneider (CDU), hatte Konsequenzen gefordert: Der Trägerverein des Projektes im benachbarten Kreis Siegen-Wittgenstein müsse sicherstellen, dass Wanderer geschützt sind, sagte er in einer Sitzung der für das Projekt zuständigen Koordinierungsgruppe. 

"Als ultima ratio könnte das auch heißen, dass ein Zaun gebaut wird." Doch ein Zaun würde der Auswilderung der Wisente widersprechen, meint Landrat von Siegen-Wittgenstein, Andreas Müller (SPD). Wenn sich die Bedenken nicht beiseite räumen ließen, sei das Projekt gescheitert, sagte er.

Frist von vier Wochen

Er gab allen Beteiligten noch eine Frist von vier Wochen, in denen der Trägerverein nach einer "geeigneten Lösung" suchen solle. "Wenn dann nur eine Zaunlösung bleibt, ist das Projekt am Ende", machte der Sprecher des Vereins, Michael Emmrich, am Dienstag klar. "Dann wäre das das x-te Gehege in Deutschland und kein Artenschutz-Projekt mehr." Er sagte, dass es die vom Hochsauerlandkreis geforderte hundertprozentige Sicherheit nie geben könne. "Das gilt auch für viele andere Lebensbereiche." 

Das Umweltministerium in Düsseldorf reagierte zurückhaltend auf die Querelen. Man habe das Projekt in den vergangenen zehn Jahren gefördert und biete an, auf Basis fachlicher und juristischer Einschätzungen mit den lokalen Verantwortlichen aktuelle Situationen zu analysieren und weitere Entwicklungsschritte zu beraten. Auch die Bezirksregierung in Arnsberg will die Vier-Wochen-Frist abwarten. Erst dann werde man die Situation einschätzen und bewerten.

Frau erlitt leichte Verletzungen

Vor knapp drei Wochen hatte eine Wisent-Kuh, die kurz zuvor ein Kalb geboren hatte, eine Wanderin angegriffen. Die Frau erlitt leichte Verletzungen. Vermutlich hatte das Tier seinen gerade geborenen Nachwuchs schützen wollen. Neben der aktuellen Debatte um die Sicherheit von Wanderern bedroht auch die Diskussion um Schälschäden durch die Wisente in Privatwäldern das Projekt. 

Im September entscheidet das Oberlandesgericht in Hamm über die Klage mehrerer Waldbauern, die vor dem Landgericht ein Waldbetretungsverbot für die Tiere erstritten hatten. - dpa

Quelle: wa.de

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