Blick hinter die Kulissen

JVA Werl: So sieht der Trakt für Sicherungsverwahrte aus

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Die letzten Arbeiten am Neubau der Sicherungsverwahrung an der JVA Werl werden durchgeführt.

Werl - Die ersten Sicherungsverwahrten (SVer) haben bereits einen Teil ihrer Sachen gepackt und in ihre neuen Zimmer gebracht. Nächste Woche sollen die ersten der in Werl Untergebrachten vom Alt- in den Neubau umziehen. Bis zuletzt werden hier neben den JVA-Bediensteten die Handwerker das Sagen haben. Der Endspurt für den Innenausbau des 99-Millionen-Projekts hat begonnen. Kurz bevor die ersten Bewohner einziehen, durfte sich der Anzeiger ein Bild von den Neubauten machen.

Der Weg zum neuen SV-Bereich führt durch die ebenfalls neugebaute Pforte. Der gesamte Austausch zwischen JVA und der Außenwelt – seien es Lieferanten mit einem Lastwagen oder Besucher – soll künftig über dieses Gebäude abgewickelt werden. 

Durch mehrere Sicherheitsschleusen und das Treppenhaus geht es ins Untergeschoss. Hier wartet ein Netz aus langen Gängen, das die fünf Neubauten unterirdisch miteinander verbindet. Spätestens nach der dritten Tür, die sich hinter einem schließt, geht die Orientierung verloren. Dass Besucher, Bedienstete und Insassen durch diese unterirdischen Flure und nicht über das Anstaltsgelände die einzelnen Gebäude betreten, habe zum einen Sicherheitsgründe, hänge aber auch damit zusammen, dass oberirdisch ein reger Lkw- und Autoverkehr herrscht, erläuterte der stellvertretende Anstaltsleiter und Leiter der Sicherungsverwahrung, Andreas Jellentrup.

Der Außenbereich bietet den Sicherungsverwahrten unterschiedliche Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen.

Direkt hinter der Pforte schließen sich zwei zweistöckige Neubauten an: das neue Gesundheitszentrum und das Besucherzentrum. Wie die Pforte erfüllen sie ihre Funktion künftig nicht nur für die Sicherungsverwahrung, sondern für das gesamte Gefängnis. Doch bis beide Bereiche genutzt werden können, wird es noch etwas dauern, sagt Jellentrup. Schließlich sollen zunächst die Wohnbereiche bezogen werden. Das Besucherzentrum soll nach Ostern in Betrieb genommen werden, im Anschluss dann das Gesundheitszentrum.

Bunte Stühle und Gitter vor den Fenstern

Um das Abstandsgebot zwischen Sicherungsverwahrung und Strafhaft zu gewährleisten, wird auch im Besucherzentrum strikt getrennt. Im Untergeschoss können die SVer Gäste in einem Gemeinschaftsraum mit Kaffeeautomat und blauen und orangenen Stühlen empfangen. 

Das Bild zeigt ein Standard-Zimmer in einem der Wohntrakte.

Mit bis zu zehn Stunden pro Monat dürfen SVer deutlich länger Besuch empfangen als Strafgefangene. Die vergitterten Fenster und die JVA-Bediensteten in der Aufsicht rufen jedoch ständig in Erinnerung, dass bei allen Unterschieden zur Strafhaft auch die Sicherungsverwahrung ein Freiheitsentzug bleibt. Es gibt im Besucherbereich auch kleinere Besprechungszimmer. Hier gibt es etwa Tische, in deren Mitte eine Glasplatte angebracht ist, die verhindern soll, dass sich Besucher und SVer etwas zustecken können.

Der Weg zum Unterkunftsbereich führt erneut durch einen langen unterirdischen Gang, vorbei an Räumen mit Haustechnik, in denen zurzeit noch eine Menge Kartons und Werkzeug stehen. Der Kreuzbau teilt sich in vier Flügel: Im A-Flügel sind unter anderem ein Einkaufsraum, ein Sportraum und Büros untergebracht, im C-Flügel gibt es eine Bibliothek, in der zurzeit noch die Regalbretter und Bücher fehlen, Freizeiträume mit Kicker- und Billardtisch und Räume für die Seelsorge.

„Wohngruppe“ mit Gemeinschaftsküche

Die Zimmer der SVer befinden sich im B- und im D-Flügel. Pro Flügel gibt es vier Stockwerke. Im B-Flügel können 15 SVer pro Stockwerk wohnen, im größeren D-Flügel 20. Pro Etage gibt es ein behindertengerecht ausgebautes Zimmer und eine Gemeinschaftsküche samt angeschlossenem Essbereich. Direkt daneben liegt die jeweilige Aufsichtskanzel des JVA-Personals. Alle Räume und Flure sind großzügig geschnitten. Auch das ist ein Unterschied zur Strafhaft. Jellentrup spricht von einem „Wohngruppencharakter“.

In einem Raum für die Haustechnik im Untergeschoss laufen zurzeit noch die letzten Arbeiten.

Die hier Untergebrachten können, wenn sie wollen, auch auf ihren eigenen Zimmern kochen. Denn auf den knapp 20 Quadratmetern findet sich eine kleine Küchenzeile. Genau wie Bett, Schrank und Regale ist diese von der JVA-eigenen Schreinerei angefertigt worden. Die Zimmer seien deutlich größer als die bisherigen SV-Zimmer und mehr als doppelt so groß wie Einzelzellen für Strafgefangene, erläutert Jellentrup. 

Weiterer Unterschied: Die SVer haben nicht nur ein eigenes WC, sondern auch eine eigene Dusche in ihrer drei Quadratmeter großen Nasszelle. Auch ein Telefon gibt es auf den Zimmern. Doch die Kontrolle darüber, wer von hier angerufen beziehungsweise hierhin durchgestellt wird, liege bei den Anstaltsmitarbeitern. Boule, Basketball und Tischtennis Der Kreuzbau ist umgeben von einem Außengelände, das den Bewohnern Sportmöglichkeiten wie Tischtennis, Basketball und Boule bietet. Es ist durch eine Mauer klar getrennt von den Außenbereichen der Strafgefangenen. Für SVer, für die besondere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen sind, könne man einen Teil des Außengeländes abtrennen.

Einblicke in die neue Sicherungsverwahrung der Justizvollzugsanstalt Werl

Dem neuen SV-Bereich zugeordnet ist auch eine neue Werkhalle. Hier können SVer arbeiten, wenn sie darauf bestehen, nicht in einer Werkstatt mit den Strafgefangenen tätig sein zu wollen.

Die fünf Neubauten bieten der JVA vor allem mehr Platz und Flexibilität, sagt Jellentrup. Doch die Vorfreude auf die neuen Möglichkeiten werde zurzeit noch vom hohen Organisationsaufwand für den Umzug überlagert. Auch den SVern sei die Anspannung anzumerken. Schließlich handele es sich um eine große Veränderung für Menschen, die im Anstalts-Alltag keine großen Veränderungen gewöhnt sind.

Die Abläufe im Neubau werden sich erst einmal einspielen müssen, so Jellentrup. Deshalb soll der Umzug der rund 50 Sicherungsverwahrten aus Aachen nach Werl erst erfolgen, wenn sich der Neubau schon bewährt hat und die in der Praxis auftauchenden Probleme gelöst seien.

Quelle: wa.de

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