Pilotprojekt Ringelschwanz: Es geht auch ohne Kürzen

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Münster - Landwirte kürzen die Ringelschwänze bei Ferkeln. Damit beugen sie Beißattacken im Stall vor. Ob es auch anders geht, soll ein Pilotprojekt mit 15 Landwirten in NRW klären. Die ersten Erkenntnisse liegen vor.

Bei einem Verzicht auf das routinemäßige Kürzen von Schwänzen bei Ferkeln müssen Schweinezüchter mehr Zeit, Betreuung und Geld investieren. Das ist das vorläufige Ergebnis eines Pilotprojekt mit 15 Betrieben in Nordrhein-Westfalen, das vom Landwirtschaftsministerium mit 400.000 Euro unterstützt wird. Landwirt Heinz-Georg Hartmann stellte am Freitag in Münster erste Erkenntnisse mit 50 Tieren vor.

Sein Fazit: Es sind stetige Kontrollen der Ferkel auf Verletzungen erforderlich. Dadurch baue der Landwirt auch eine engere Verbindung zu den Tieren auf. Bei einem mittelgroßen Betrieb wie seinem mit rund 2000 Tieren ist für die Umsetzung allerdings ein zusätzlicher Mitarbeiter nötig.

In der Schweinezucht ist es üblich, den Jungtieren den Schwanz zu kürzen, weil diese sich gegenseitig die Schwänze im Stall abbeißen können. Das kann dann zu Entzündungen bis ins Rückenmark führen. Aus Gründen des Tierschutzes hatten sich Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) und die Präsidenten der Landwirtschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe im Februar 2014 auf eine Erklärung zum Verzicht des Kürzens geeinigt.

Verändertes Verhalten der Schweine

Das Projekt soll bis Mitte 2016 die Umsetzung wissenschaftlich begleiten. "Es ist beeindruckend, das veränderte Verhalten dieser Schweine zu beobachten. Sie sind besonders zugänglich, brauchen aber auch viel mehr Aufmerksamkeit. Veränderungen der Futterzusammensetzung oder auch der Wetterbedingungen können umgehend Auswirkungen auf diese Tiere haben, mitunter fangen sie dann an, einander an den Schwänzen zu beißen", sagte der Landwirt aus Münster-Amelsbüren.

Kleinste Veränderungen im Stall könnten plötzlich Beißattacken auslösen, schilderte Hartmann. "Das Wühlverhalten können wir den Schweinen nicht abgewöhnen. Es ist aber möglich, dass die Tiere eine Reflexkette abarbeiten. Wenn es durchgehend genügend Futter, Ablenkung und Spielzeug gibt, verhindert das das Beißen", sagt Inge Böhne, die als Tierärztin das Projekt begleitet. Die sieben teilnehmenden Betriebe im Rheinland und acht in Westfalen sind unterschiedlich groß. Darunter ist auch ein Ökohof. - dpa

Quelle: wa.de

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