Organisierte Kriminalität: Mehr Verfahren und Verdächtige

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Organisierte Kriminalität: Mehr Verfahren und Verdächtige

Düsseldorf - Die Zahl der Ermittlungsverfahren gegen die Organisierte Kriminalität ist in Nordrhein-Westfalen auf den höchsten Stand seit mindestens zehn Jahren gestiegen.

In 77 Verfahren bemühten sich Ermittler im vergangenen Jahr, mafiaartige kriminelle Strukturen zu zerschlagen. Das waren vier Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Verdächtigen stieg sogar um sieben Prozent von 1710 auf 1830. 

Das geht aus dem neuen "Lagebild Organisierte Kriminalität" des Landeskriminalamts (LKA) NRW hervor. 

Im Ruhrgebiet kamen die Ermittler einer "Büdchen-Mafia" auf die Schliche: Kioske, Trinkhallen und Getränkemärkte sollen schwarz und gegen Bargeld beliefert worden sein, um den Fiskus zu prellen. 

Zur Verschleierung wurde reger internationaler Warenverkehr vorgetäuscht, mit dem auch noch Umsatzsteuerbetrug durch ein sogenanntes "Umsatzsteuer-Karussell" betrieben worden sei. Ebenfalls im Ruhrgebiet gingen die Ermittler einem groß angelegten Rentenbetrug nach, in den auch Ärzte und Rechtsanwälte verstrickt sein sollen. 

Kranken- und Rentenversicherungen, Versorgungsämter und die Agentur für Arbeit sollen durch falsche Diagnosen und Gutachten seit über 15 Jahren geschädigt worden sein. 

Ziel sei es gewesen, Dritten durch Vortäuschen einer psychischen Erkrankung gegen Provision zu einer Erwerbsminderungsrente zu verhelfen. Die Schadenssumme wird auf zehn Millionen Euro geschätzt. In den meisten Verfahren (54,4 Prozent) gegen die Organisierte Kriminalität geht es aber um Drogenhandel und -schmuggel in großem Stil, gefolgt von Eigentums-, Wirtschafts- und Gewaltkriminalität. 

Der Anteil der deutschen Tatverdächtigen im Spektrum der Organisierten Kriminalität lag nahezu unverändert bei 41 Prozent. Die ermittelte Schadenshöhe summierte sich auf fast 75 Millionen Euro - gegenüber dem Vorjahr mit 161 Millionen Euro war das ein Rückgang um über die Hälfte. 

Im Rockermilieu seien vor allem das "Schaulaufen" des neugegründeten Charters "Mönchengladbach-City" der "Hells Angels" auffällig gewesen. Die Rocker hätten aber auch Gewaltdelikte unter Verwendung von Kriegswaffen wie Panzerfaust und Handgranaten begangen. Die rivalisierenden "Bandidos" hätten versucht, die Ausbreitung der "Hells Angels" zu verhindern. Der Polizei sei es gelungen, die Lage zu beruhigen. 

Die "Black Jackets" und die "United Tribuns" seien aus NRW praktisch verschwunden, während der türkisch-dominierte Club "Osmanen Germania" in NRW zum Jahresende 2015 bereits auf 100 Mitglieder kam. In einem Verfahren hätten die Täter sogar versucht, Einfluss auf die Politik zu nehmen, in drei Verfahren Einfluss auf die Medien. 

Acht Mal hatten sie die öffentliche Verwaltung im Visier, zwei Mal die Justiz. Details dazu liefert der Bericht aber nicht. - dpa

Quelle: wa.de

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