Mord nach Facebook-Kontakt - Eltern sollen ins Gefängnis

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Aachen - Der junge Mann hatte dem Mädchen per Facebook nur Hallo gesagt. Die Eltern machten sich einen falschen Reim daraus und wollten Rache. Dafür sollen sie jetzt sehr lange ins Gefängnis.

Im Aachener Prozess um den Mord an einem Mann wegen seines Facebook-Kontakts zu einer Zwölfjährigen hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haftstrafen für die Eltern des Mädchens gefordert. Für den 39-jährigen Vater verlangte die Anklage außerdem die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, was einer frühzeitigen Entlassungen entgegenstünde.

Die Eltern hätten in dem 29-jährigen Mann einen Pädophilen vermutet, dem ihre Tochter auf Facebook Nacktfotos geschickt habe, stellte Staatsanwalt Boris Petersdorf am Donnerstag vor dem Landgericht Aachen fest. "Die Angeklagten wollten Rache nehmen und einen Pädophilen bestrafen", sagte er.

Tatsächlich habe das Opfer nur zwei Nachrichten geschickt: "Wie geht es Dir?" schrieb er demnach dem Mädchen an einem Sommermorgen 2015. Und am späten Abend: "Guten Abend". Die Eltern und ein Freund hätten den Mann mit Hilfe einer Bekannten über Facebook in einen Hinterhalt gelockt. Der Vater habe ihn dann in einem Akt der Selbstjustiz erstochen.

Der Vater hatte ausgesagt, sie hätten dem 29-Jährigen eine "Abreibung" verpassen wollen. Er habe dann im Alkoholrausch voller Wut zugestochen. Der Verteidiger sah Hinweise auf Totschlag im Affekt und hatte vergeblich ein weiteres Gutachten gefordert.

Die Mutter und ein Helfer des Paares seien auch am Tatort gewesen und als Mittäter wegen Mordes zu bestrafen, sagte Petersdorf. Der Tatbeitrag des Helfers sei aber "untergeordnet" und er habe im Verfahren zur Aufklärung beigetragen. Für ihn forderte die Anklage nur 13 Jahre Haft. Für den "Lockvogel" und einen weiteren Bekannten, der während der Tat auf die Kinder des Paares aufpasste, solle es Bewährungsstrafen geben. - dpa

Quelle: wa.de

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