Haft nach Selbstbefreiung aus der Psychiatrie

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Kleve - Der Fall machte Schlagzeilen: Eine junge Frau befreit ihren Geliebten nach einem Arztbesuch. Er ist ein verurteilter Straftäter. Der Traum von Freiheit ist jetzt für Jahre vorbei - für beide.

Ein verurteilter Straftäter und seine frühere Geliebte, mit deren Hilfe er der Psychiatrie entkommen war, sind zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt worden. Seine 22-jährige Freundin habe im Mai den 28 Jahre alten Psychiatrie-Patienten nach einem Arztbesuch mit vorgehaltener Schusswaffe befreit, urteilten die Richter am Landgericht Kleve am Freitag. 

Dem Urteil zufolge hatten die beiden bei ihrer Flucht einen 75-jährigen Autofahrer mit dem Revolver bedroht, ihn aus dessen Auto gezerrt und waren weggefahren. Die Angeklagten waren geständig. Das Gericht verurteilte den Mann zu einer Haftstrafe von sechs Jahren wegen besonders schweren Raubs und Verstoßes gegen das Waffengesetz. 

Dass Selbstbefreiung nach deutschem Recht nicht strafbar ist, darauf hatte schon zuvor die Staatsanwaltschaft hingewiesen. Strafverschärfend wirkten aber die Vorstrafen des Angeklagten. Der Anwalt des Mannes kündigte Revision an, er hatte den Überfall auf den Autofahrer nicht als Raub gewertet. 

Die Komplizin wurde unter anderem wegen Gefangenenbefreiung, Verstoßes gegen das Waffengesetz und besonders schweren Raubs zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Angerechnet wurde bei dem beantragten Strafmaß eine frühere Bewährungsstrafe. Die Richter blieben mit den Strafen deutlich unter den Forderungen der Anklage. - dpa

Quelle: wa.de

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