Identität der Flüchtlinge sollte festgestellt werden

Nach Razzia in Ahlen 74 Strafverfahren eingeleitet

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Nach Übergriffen in den Notunterkünften in Ahlen hat die Polizei am Dienstag eine Großrazzia durchgeführt.

[Update] Ahlen - Nach der Großrazzia der Polizei in zwei Notunterkünften in Ahlen haben die Ermittler 74 Strafverfahren eingeleitet. Ziel des Einsatzes war, die Identität von den in der vergangenen Woche zugewiesenen Personen festzustellen, berichteten die Beamten.

In der vergangenen Woche waren 230 Männer aus Nordafrika, vorwiegend Marokko, in die Notunterkünfte an der Warendorfer Straße und an der Hammer Straße in Ahlen gebracht worden. Wegen mehrerer Straftaten sei die Polizei zuvor in den Unterkünften im Einsatz gewesen. Bei dem Einsatz hatte die Polizei fast 150 Personen überprüft. Rund die Hälfte von ihnen hatte zwei oder mehrere Ausweise bei sich und damit möglicherweise wiederholt Taschengeld kassiert.

Rückblick:

Mit zwei Hundertschaften aus Münster und Dortmund hatte die Polizei Warendorf am frühen Dienstagmorgen zeitgleich die beiden Notunterkünfte in Ahlen gestürmt. Im Visier: Nordafrikaner, die in der vergangenen Woche fortwährend für Polizeieinsätze in Ahlen gesorgt hatten. Sie wurden gefesselt, um ihre Personalien zu überprüfen und so aufenthaltsrechtlicher Verstöße festzustellen.

Razzia in Ahlener Notunterkünften

Die wichtigsten Infos im Überblick:

- Großrazzia in Notunterkünften in Ahlen am Dienstagmorgen

- 400 Polizisten waren im Einsatz

- Ziel: Feststellung Personalien und aufenthaltsrechtlicher Verstöße

- Mindestens 75 Männer mit zwei oder mehreren Identiäten

- Männer sollen "Taschengeld" mehrfach bezogen haben

- Zuvor: zahlreiche Polizeieinsätze nach Ankunft von 230 Nordafrikanern

Mehr als die Hälfte der angetroffenen Männer aus Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunesien) hatte mehrere Identitäten, das sagte Landrat Dr. Olaf Gericke in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz nach Ende des Einsatzes. Dabei gab es weitere Überraschungen: Die Behörden waren davon ausgegangen, dass sie alle rund 230, den Notunterkünften zugewiesenen, Nordafrikaner antreffen. Tatsächlich aber befanden sich nur 150 junge Männer aus den Maghreb-Staaten in den Einrichtungen. Eine Überprüfung ergab, dass davon mindestens 75 zwei oder mehr Identitäten hatten.

Unterschiedliche Namen in Bümas

Landrat Olaf Gericke.

In den mitgeführten Bümas, den Bescheinigungen über die Meldung als Asylsuchender, fanden sich unterschiedliche Namen, aber auch verschiedene Geburtsorte. Landrat Gericke machte deutlich, dass es schwierig sei festzustellen, wer die Personen wirklich sind, weil bei der Registrierung bislang keine Fingerabdrücke genommen würden. Wer mehrfach registriert sei, könne auch mehrfach das ausgegebene Taschengeld beziehen. 90 Personen, die in der vergangenen Woche Ahlen zugewiesen wurden, wurden nicht mehr angetroffen. Wo sie sich befinden, wisse niemand. Auch vor dem Hintergrund des Asylbewerbers aus Recklinghausen, der in Paris bei einem Anschlagsversuch erschossen wurde, sei das "besorgniserregend". Eigentlich könne man als Behörde hier nichts tun, sagt Gericke. "Wir sind komplett hilflos". Die Bildzeitung zitiert Gericke mit den Worten: „Das System der Registrierung ist extrem störungsanfällig. Das rächt sich jetzt.“

In einem Pressegespräch informiert die Polizei Warendorf über die Razzia.

Die Pressekonferenz wurde von zahlreichen Medien begleitet. Die Vorfälle in Ahlen, so scheint es, schlagen nun auch bundesweit Wellen. Die Bezirksregierung Arnsberg, die der Kommune in Westfalen auf einen Schlag 230 Nordafrikaner zugewiesen hatte, kündigte gegenüber dem WA Konsequenzen an. Die Registrierungsstelle in Herford, aus der die Nordafrikaner kamen, werde nun für die Erfassung von Fingerabdrücken ausgestattet.

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Quelle: wa.de

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