Rheinberger Narren enttäuscht über Karnevalsabsage

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Der geplante Karnevalsumzug in Stadtteil Orsoy sorgt bei den Rheinberger Narren für enttäuschte Gesichter.

[Update 13.50 Uhr] Rheinberg - Die Rheinberger Narren sind enttäuscht: Ihr Karnevalsumzug im Stadtteil Orsoy fällt aus, weil ein Sicherheitskonzept fehlte. Das war aus Sicht der Stadt nötig geworden - nicht nur, aber auch weil der Umzug an einer Flüchtlingsunterkunft vorbeiführen sollte.

Am Donnerstag hatte ein Karnevalsverein in Rheinberg am Niederrhein den Rosenmontagsumzug abgesagt. Die Stadt hatte ein Sicherheitskonzept verlangt, das der kleine Traditionsverein im Ortsteil Orsoy so schnell umsetzen kann. Dabei spiele auch die Nähe des Zugs zu einer Flüchtlingsunterkunft eine Rolle, die ein "Gefahrenpunkt" sein könne, räumte ein Vertreter der Stadt ein. Der Umzug sei aber nicht nur wegen der Nähe zur Unterkunft abgesagt worden. Bei manchen Rheinberger Bürgern stieß der Schritt auf Unverständnis. Nach den Übergriffen vermutlich arabischer und nordafrikanischer Männer in der Kölner Silvesternacht habe man Angst, sagte Liane Weyers. "Aber wir sind in Deutschland und das ist unsere Tradition. Was geben wir demnächst auf? Weihnachten?"

Lächerlich, heißt es bei anderen Narren. Denn für die Karnevalisten in Nordrhein-Westfalen sind sind Zugabsagen an Rosenmontag wie im niederrheinischen Rheinberg kein Thema. Zwar sei das umstrittene Aus des Zugs in Rheinberg wegen Sorgen um ein Flüchtlingsheim durchaus ein Gesprächsthema, ähnliche Sicherheitsbedenken gebe es aber nicht, heißt es unter anderem beim Bürgerausschuss Münsterscher Karneval und beim Festkomitee Essener Karneval. In beiden Städten will die Polizei nach Angaben der Veranstalter allerdings verstärkt präsent sein. "Wir werden unsere Beamten an bestimmten Brennpunkten gut verteilen", sagte eine Sprecherin der Polizei in Münster. 

Nach den Übergriffen mutmaßlich nordafrikanischer und arabischer Männer auf Frauen in der Kölner Silvesternacht war in Rheinberg der Rosenmontagszug wegen eines fehlenden Sicherheitskonzepts abgesagt worden. Ähnlich wie in Rheinberg führt auch in Solingen der Rosenmontagszug an einem Flüchtlingsheim vorbei. Anlass zur Sorge hat Joachim Junker, der Vorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval, deswegen aber nicht. "Wir haben keine Bedenken. Unsere Sicherheitsstandards sind seit Jahren sehr hoch. Und wir feiern schon immer mit ausländischen Mitbürgern in Solingen." Die Polizei sieht ebenfalls keine höhere Sicherheitslage. Man plane mit der gleichen Zahl an Polizisten wie im Vorjahr, sagte die Sprecherin Anja Meis. 

Auch der Zugleiter im sauerländischen Attendorn, Karnevalshochbuch mit 20 000 Besuchern beim Veilchendienstagsumzug, macht sich keine Gedanken wegen der Silvester-Vorfälle in Köln. "Wenn ich heute aus dem Fenster schaue, denke ich eher ans Wetter als an Flüchtlinge als mögliche Problem-Faktoren", sagt Zugleiter Christopher Huperz. Die Karnevalsgesellschaft "Kattfiller" habe bereits seit dem Loveparade-Unglück ein Sicherheitskonzept mit 120 Seiten. "Wir sind für alles gewappnet, wir arbeiten Hand in Hand mit dem Ordnungsamt und der Freiwilligen Feuerwehr." Gelassen sieht man die Session auch im sauerländischen Menden. "Wir werden unseren Zug definitiv nicht absagen", sagt der Präsident der MKG Kornblumenblau, Gordon Blankenhagen. Im vergangenen Jahr hatten die Mendener Karnevalisten mit einem "Charly Hebdo"-Motivwagen für Aufsehen gesorgt. Einzige Änderung nach den Silvester-Übergriffen sei ein aufgestockter Sicherheitsdienst beim Zeltkarneval. - lnw

Quelle: wa.de

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