Richter versäumen Frist - Doppelmord-Prozess beginnt von vorn

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Köln - Ein Mann wird wegen zweifachen Mordes verurteilt. Er soll zwei Frauen mit einem Beil getötet haben. Dann verpasst das Gericht eine Frist. Der Prozess muss nun komplett neu aufgerollt werden.

Er wurde bereits wegen zweifachen Mordes verurteilt - doch dann bummelten die Richter mit dem schriftlichen Urteil. 

Deshalb muss das Verfahren gegen einen 54-jährigen Mann vor dem Kölner Landgericht von diesem Donnerstag an komplett neu aufgerollt werden. 

Im ersten Prozess waren die Richter überzeugt, dass der Angeklagte zwei Frauen in Bergisch Gladbach mit einem Beil getötet hat. Doch das schriftliche Urteil ging erst 13 Tage zu spät bei der Geschäftsstelle ein. Der Angeklagte ging in Revision und bekam Recht: Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und verwies den Fall zur erneuten Verhandlung zurück ans Landgericht. 

Dabei war das erste Urteil eindeutig ausgefallen. Das Gericht sah es damals als erwiesen an, dass der Mann im Juni 2014 im Streit über seine Schulden eine Bekannte mit einem Beil erschlagen hatte. Als die 84 Jahre alte Mutter des Opfers dazukam, soll er auch ihr mit dem Beil den Schädel zertrümmert haben. 

Der damalige Richter sprach bei den Taten von einer "Gewaltexplosion". Der Angeklagte soll zuerst mit den späteren Opfern in der Küche Kaffee getrunken haben. Dann soll die Situation derart eskaliert sein, dass der Mann zum Beil griff. Für die darauffolgenden Bluttaten könne der Täter nur "lebenslang" bekommen, befand der Richter. 

In der Neuauflage muss eine andere Kammer den Prozess nun noch einmal völlig neu aufrollen. Sie hat für den Prozess 38 Verhandlungstage bis Ende Januar 2017 angesetzt. Schon der erste Prozess hatte 30 Hauptverhandlungstage. 

Wie genau es dazu kommen konnte, dass die immerhin elf Wochen lange Frist ignoriert wurde, konnte der Sprecher des Landesgerichts nicht erklären. "Dass Fristen versäumt werden, das passiert gelegentlich. Am Landgericht Köln ist das aber wirklich eine Seltenheit", sagte der Sprecher. Das Gericht bedauere das Versäumnis außerordentlich.

Quelle: wa.de

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