0:196 ist das aktuelle Torverhältnis der SpVgg

Das ist die schlechteste Fußballmannschaft Deutschlands

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Auf Initiative von Torhüterin Antonia Mumme (vorn) wurde die Frauenmannschaft der SpVgg Dolberg gegründet.

Dolberg - Die schlechteste Fußballmannschaft Deutschlands kommt aus Dolberg. Ein Torverhältnis von 0:196 lautet die bittere Bilanz der aktuellen Saison für die Damenmannschaft der dortigen Spielvereinigung (SpVgg).

„Im Erwachsenenbereich hat die Frauenmannschaft der SpVgg Dolberg in der Tat aktuell die bundesweit schwächste Bilanz“, erklärt auch der DFB auf Nachfrage unserer Zeitung. Doch die 17 Mädels rund um Trainer Volker Erlemeier lassen sich vom unterirdischen Torverhältnis, das den letzten Tabellenplatz in der untersten Spielklasse bedeutet, nicht die Stimmung verhageln: Mit jeder Menge Spaß, Enthusiasmus und vor allem Zusammenhalt sind sie bei der Sache. Also könnte die bisherige Bilanz der „verrückten Hühner“, wie sie von Trainer Erlemeier liebevoll genannt werden, zwar besser, aber definitiv auch wesentlich schlechter aussehen – da ist sich die Mannschaft einig.

Ergebnisse wie 0:35 keine Seltenheit

„Jede Herrenmannschaft hätte spätestens nach der zweiten Niederlage mit mehr als 30 Gegentoren schon gar nicht mehr auf dem Rasen gestanden“, sagt der Trainer. Und solche Ergebnisse sind bei den Dolberger Damen keine Seltenheit: 0:35 zu Hause gegen Blau-Weiß Sünninghausen oder 33:0 auswärts beim TuS Wadersloh. Zum Vergleich: Der FC Bayern München blickt auf insgesamt 1906 Gegentore zurück, in 51 Jahren Bundesliga-Beteiligung. Runtergerechnet sind das gut 37 Gegentore in der Saison, pro Spieltag eine Quote von 1,09.

Die beiden Söhne einer Spielerin sind bei jedem Spiel dabei – quasi die Maskottchen des Teams.

Doch zuletzt gab es für die Dolberger Damen gegen den TuS Ennigerloh „nur“ ein 0:19. Ein Aufwärtstrend ist also definitiv erkennbar – und vielleicht klingelt's ja bald auch im gegnerischen Kasten. „Wenn wir das erste Tor schießen, dann steigt in Dolberg eine riesige Party“, ist sich Mannschaftsführerin und Torhüterin Antonia Mumme sicher. Die 22-Jährige war eines der Gründungsmitglieder des noch jungen Teams. Und vielleicht passiert es ja beim nächsten Ligaspiel, am 8. November, beim Tabellen-Vorletzten Germania Stromberg. Die waren mit einer Tordifferenz von nur -26 zwar bislang erfolgreicher als die Dolberger Damen, doch sei die Zeit bald reif für die ersten Erfolge.

Die Frauenmannschaft der SpVgg Dolberg

Im Juni wurde die aktuelle Damenmannschaft des Dolberger Vereins gegründet, durch öffentliche Facebook-Gruppen (Facebook-Account nötig zum Öffnen) haben sich die insgesamt 17 Hobby-Fußballerinnen gefunden. „Der Verein hatte bis vor zirka vier Jahren schon einmal eine Damenmannschaft“, erklärt Mumme. Die habe sich dann aber aufgelöst. Und das, da sind sich die Spielerinnen sicher, dürfe ihrer Mannschaft nicht noch einmal passieren.

Wichtigstes Ziel ist ein Team zu bleiben

„Denn das wichtigste Ziel, wichtiger noch als das erste Tor zu schießen, ist, dass wir ein Team bleiben“, erklärt Simone Grünewald. Die 27-jährige Ersatz-Torhüterin und Abwehrspielerin läuft derzeit auf Krücken. „Und ja, das ist beim Fußballspielen passiert“, schmunzelt sie. „Vermutlich eine Verletzung am Innenband oder am Meniskus, das steht aber noch nicht ganz fest.“ Und auch die übrigen Amateur-Fußballerinnen nehmen ihr Hobby ziemlich ernst: Blaue Augen, Muskelfaserrisse, geprellte Rippen... Die Liste der Verletzungen ist lang. Es könne ihnen also niemand vorwerfen, sie würden nur aus Jux und Tollerei spielen oder nicht genügend Einsatz zeigen.

„Der Ball ist euer Prellbock“, ermutigt auch Trainer Volker Erlemeier die Mädels allzu oft beim Training. „Es sind Schülerinnen, Mamis und Berufstätige unter ihnen“, erklärt er, „und die wollen einfach mal abschalten und sich ab und zu auch abreagieren.“ Für ihn sei von Beginn an klar gewesen, dass er die Mädels trainieren würde. Als Antonia Mumme, seine erste Torhüterin, den Wunsch äußerte, erneut eine Damenmannschaft gründen zu wollen, habe er also nicht lang gezögert. „Obwohl es schwierig ist, Frauen zu trainieren. Man muss nicht nur Trainer, sondern gewissermaßen auch bester Freund sein“, so Erlemeier, der selbst aktiv in der Altherrenmannschaft der SpVgg Dolberg spielt.

Platz für Neulinge gibt es immer

Doch der Enthusiasmus seiner Mannschaft überzeuge ihn jedes Mal aufs Neue. „Die haben da gerade haushoch verloren und feiern trotzdem was das Zeug hält“, solche Sprüche kennen er und seine Mannschaft nur allzu gut – und tatsächlich drängt sich dem Beobachter unweigerlich die Frage auf: „Wie geht das?“ „Ganz einfach“, erklärt Torhüterin Mumme, „wir sind eine tolle Mannschaft.“ Und ob sie nun 0:1, 0:10 oder 0:30 verlieren würden, spiele letztlich keine Rolle. „Viel wichtiger ist, dass wir geschlossen als Mannschaft vom Platz gehen.“

Dieser starke Zusammenhalt bleibt auch den restlichen Vereinsmitgliedern nicht verborgen. Von allen Mannschaften erhalten die Damen mentale Unterstützung, nicht nur an Heimspieltagen. „Auch zu Auswärtsspielen packen wir alle ein, die in die Autos passen“, erzählen sie. Platz für Neulinge habe das Team aber trotzdem immer.

„Interessierte sind jederzeit gern zum Training eingeladen“, sagt der Trainer. Das findet montags und mittwochs, jeweils in der Zeit von 19 bis 21 Uhr, auf dem Sportplatz an der Heessener Straße in Dolberg statt. „Und natürlich können auch absolute Anfänger mit uns trainieren.“ Vielen musste der Trainer beim allerersten Training vor gut drei Monaten schließlich auch erst einmal erklären, was ein Ball ist. „Von den 17 Spielerinnen haben nämlich nur fünf überhaupt vorher schon mal Fußball gespielt“, erklärt Torhüterin Mumme.

Zwar sollten sich potenzielle Mitspielerinnen unbedingt abschminken, auf dem Fußballplatz sonderlich erfolgreich zu sein – doch das ist, wie man am Beispiel der Damenmannschaft der SpVgg Dolberg unschwer erkennen kann, auch nicht immer das Wichtigste.

Quelle: wa.de

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