Brauchtum in NRW

Unesco macht Schützenwesen und Sternsinger zum Kulturerbe

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Symbolbild

Bonn - Die Unesco schützt nicht nur Bauwerke wie den Kölner Dom oder die Hamburger Speicherstadt. Auch immaterielles Kulturgut wie Bräuche und Traditionen soll bewahrt werden. Jetzt sind sieben neue Einträge in Deutschland dazugekommen - darunter das Schützenwesen.

Das Sternsingen, das Schützenwesen und das Kneippen stehen künftig auf der Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes. Weitere Neueinträge auf der Liste sind das Choralsingen, die Volkstanzbewegung, die manuelle Glasfertigung und das ehrsame Narrengericht in Grosselfingen, ein jahrhundertealtes Fastnachtsspiel in Baden-Württemberg. Das teilte die UN-Kulturorganisation am Freitag in Bonn mit.

Die sieben Vorschläge waren am Donnerstag von der Kultusministerkonferenz (KMK) und von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bestätigt worden und wurden damit in das bundesweite Verzeichnis aufgenommen. Der Eintrag bedeutet, dass die jeweiligen Traditionen besonders gefördert, geschützt und dokumentiert werden sollen - ähnlich wie die materiellen Kulturerbestätten wie der Kölner Dom oder die zuletzt dazugekommene Hamburger Speicherstadt.

Aktuell 34 Formen des immateriellen Kulturerbes eingetragen

Aktuell sind 34 Formen des immateriellen Kulturerbes im bundesweiten Verzeichnis eingetragen. Erstmals wurden zudem auch Beispiele guter Praxis ausgezeichnet: Die manufakturelle Schmuckgestaltung und die Bewahrung und Förderung von Kultur, Vielfalt und Qualität regionaler Spezialitäten in Oberfranken wurden in das deutsche Register guter Praxisbeispiele aufgenommen.

"Unser kulturelles Erbe manifestiert sich nicht nur in Monumenten", sagte Christoph Wulf, Vorsitzender des Expertenkommitees zum Immateriellen Kulturerbe. "Es ist Ausdruck unserer sich ständig weiterentwickelnden Identität." Um auf die internationale Unesco-Liste des immateriellen Kulturguts zu kommen, ist die Aufnahme in ein nationales Verzeichnis Voraussetzung.

Staatsministerin Grütters sagte, sie freue sich besonders, dass für nächstes Jahr Orgelbau und Orgelmusik als neue deutsche Nominierung für die internationale Liste eingereicht würden: "Denn der Nominierungsvorschlag verkörpert zwei wesentliche Komponenten des immateriellen Kulturerbes: Tradition und Innovation", sagte Grütters. Über Orgelbau und Orgelmusik wird 2017 beraten.

Bereits im nächsten Jahr entscheidet die Unesco über die erste deutsche Nominierung. Dabei handelt es sich um die wesentlich in Deutschland mitentwickelte Idee der Genossenschaften. Unesco-Sprecherin Katja Römer betonte, die internationale Liste sei anders gelagert, da sie einen repräsentativen Charakter habe. Als Ranking oder "Best of" sei sie ausadrücklich nicht gedacht.

Das immaterielle Kulturerbe der Unesco

Die Welterbekonvention der Unesco ist das wichtigste Instrument der Völkergemeinschaft zum Schutz des weltweiten Kultur- und Naturerbes. 2006 trat auch ein Abkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes in Kraft. Dabei geht es um Tanz, Theater und Musik, aber auch um Handwerk, Traditionen und Bräuche aus allen Weltreligionen - darunter die Heilig-Blut-Prozession in Brügge, der argentinische Tango, die Mittelmeerküche, die Peking-Oper oder die deutsche Brotkultur. 163 Staaten sind dem Übereinkommen bis heute beigetreten, Deutschland im Juli 2013. Die meisten Einträge hat China (38), gefolgt von Japan (22) und Südkorea (18). - dpa

Quelle: wa.de

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