Streit um Alpincenter Bottrop

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Bottrop - Berge zum Rodeln und Skifahren sind im Ruhrgebiet Mangelware. Die Skihalle in Bottrop hingegen lockt mit bis zu 24 Prozent Gefälle und einer 640 Meter langen Piste. Vor 15 Jahren wurde das Alpincenter auf einer Abraumhalde der Zeche Prosper angelegt. Doch die Halde mit ihrem natürlichen Gefälle wird nun zum Problem.

Der Hang ist ins Rutschen geraten. Noch ein paar wenige Zentimeter, und die Skihalle stünde wegen statischer Probleme vor dem Aus. Die Betreiber wollen die Halde deshalb stabilisieren - doch Anwohner laufen Sturm und fürchten um die Umwelt und ihre Gesundheit.

Das Problem ist nicht neu. Schon 2011 waren die Stützpfeiler der Skihalle nach alarmierenden Messungen verstärkt worden. Ohne Erfolg, wie weitere Messungen zwischen 2014 und 2015 zeigten. Letzte Rettung soll nun die Aufschüttung sein. Schon bald sollen Lastwagen 400 000 Kubikmeter eines Abraumgemisches bringen und damit ein weiteres Abrutschen der Halde verhindern. Das sei nun einmal die einzige Möglichkeit, die Skihalle zu retten, sagt David Ingenfeld vom Alpincenter. Doch dieser Plan ist alles andere als unumstritten.

Oben von der Skihalle kann man in unmittelbarer Nachbarschaft die Häuserreihen der Siedlung im Johannestal am Fuße der Halde sehen. Dort wohnen viele Mitglieder der Bürgerinitiative, die die geplante Aufschüttung heftig kritisiert. Hauptanstoßpunkt für den Protest ist der geplante Einsatz verglaster Schlacke aus der Kupferverarbeitung. Das sogenannte Eisensilikatgranulat soll vermischt mit Hausmüllverbrennungsasche die Halde retten.

Ein Naherholungsgebiet werde so in eine "Deponie" verwandelt, kritisieren die Bürger. Die Wohngebiete in unmittelbarer Nähe würden gefährdet. "Mit gutem Bodenmaterial wären wir einverstanden", sagt Beatrix Kowert von der Bürgerinitiative. "Aber plötzlich geht die Verwaltung zusammen mit dem Alpincenter hin und ändert einfach die Bedingungen."

Ein Sprecher der Stadt Bottrop bestätigt: "In der Genehmigung für die Aufschüttung stand ursprünglich ein anderes Material." Doch dann seien die Pläne geändert, das Material sei ausgetauscht worden. "Das Landesumweltministerium hat gesagt, dass das Material für diesen Fall verwendet werden darf", betonte der Stadtsprecher. Auch die Bodenschutzbehörde der Bezirksregierung Münster stimmte den Maßnahmen unter Auflagen zu. Die Kommune habe dann keinen Einfluss mehr gehabt.

"Mit dem ursprünglich angedachten Material können die statischen Ansprüche an die Anschüttung nicht erreicht werden", erklärt Ingenfeld. Das Gemisch sei nicht homogen genug gewesen. Er verteidigt die Entscheidung und hält die Kritik der Bürgerinitiative für ungerechtfertigt. Man setze "das deutschlandweit bevorzugte Material zur Errichtung von Lärmschutzwällen" ein. Zum Schutz vor Verkehrslärm werde das Material teilweise "unmittelbar an Wohngebieten" eingesetzt.

Weil das Material behandelt sei, bestehe auch keine Gefahr, dass Schwermetalle ins Grundwasser gelangten. "Nach Auffassung von Gutachtern ist die Anschüttung die einzige Option, die Bewegungen der Halde aufhalten zu können", betont Ingenfeld.

Beatrix Kowert ist skeptisch. "Wir stellen uns die Frage nach der Verhältnismäßigkeit." In jedem Fall müssten sich die Bürger vom Johannestal während der Aufschüttung drei Jahre lang auf "massivsten Dreck und Lärmbelästigung" einstellen. Für die Bürgerinitiative ist klar: Notfalls will sie vor Gericht ziehen.

Quelle: wa.de

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