Stammzelltherapie an Kindern: Ärztin wegen Tötung vor Gericht

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Düsseldorf - Sie soll an einer Düsseldorfer Privatklinik Kinder mit einer umstrittenen Stammzelltherapie behandelt haben: Deshalb muss sich eine Aachener Neurochirurgin von Dienstag an in Düsseldorf wegen fahrlässiger Tötung vor dem Landgericht verantworten.

Die Klinik soll weltweit Patienten für die Stammzellbehandlung angeworben haben. Für einen zweijährigen Jungen, so die Staatsanwaltschaft, sei die Behandlung aber tödlich gewesen.

Laut Anklage hatte die 59-Jährige körpereigene Stammzellen aus dem Beckenkamm entnommen und diese ins Hirnwasser gespritzt. Nach dem Eingriff traten Hirnblutungen auf. Das Kind wurde in eine Krefelder Klinik gebracht und starb dort trotz intensivmedizinischer Behandlung.

Laut Staatsanwaltschaft hat die Angeklagte gewusst, dass Experten ihre Therapie als wirkungslos eingestuft hatten. Dennoch habe sie die umstrittene Methode praktiziert. Deswegen habe sie auch gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen. Außerdem habe sie die rumänischen Eltern des Jungen nicht ordnungsgemäß über die erheblichen Risiken des Eingriffs aufgeklärt. Deswegen sei deren Einwilligung in die Behandlung unwirksam gewesen.

Monate vor der tödlichen Behandlung hatte es bei zwei von der Angeklagten ähnlich behandelten Kindern bereits schwere Komplikationen gegeben. Ein Neunjähriger aus Aserbaidschan konnte im April 2010 an der Düsseldorfer Uni-Klinik gerettet werden. Ebenso gelang dies der Heidelberger Uni-Klinik im Juni 2010 im Fall eines Zweijährigen. Wegen dieser Fälle wirft der Staatsanwalt der Ärztin fahrlässige Körperverletzung vor.

Die Angeklagte hatte laut Ermittlern erklärt, sie sei weiterhin von der heilenden Wirkung der Therapie mit Stammzellen überzeugt und habe die Eltern des verstorbenen Jungen ordnungsgemäß aufgeklärt.

Der Privatklinik war Ende April 2011 von der Kölner Bezirksregierung und dem NRW-Gesundheitsministerium die Stammzelltherapie untersagt worden. Die Klinik ist inzwischen geschlossen und die Betreiberfirma pleite.

Von der Eröffnung im Jahr 2007 bis zu diesem Zeitpunkt sollen in der Privatklinik rund 3500 Patienten behandelt worden sein. Die Therapie mit körpereigenen Stammzellen kostete zwischen 7.500 und 26.000 Euro. Die Ermittlungen gegen zwei weitere Ärzte und den Klinikgeschäftsführer sind zum Teil verjährt und wurden entweder gegen Geldauflagen oder wegen geringer Schuld eingestellt. - dpa

Quelle: wa.de

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