Stress im Schweinestall für NRW-Agrarfunktionär

Johannes Röring sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt

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Der Bundestagsabgeordnete Johannes Röring (CDU), Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) und Sprecher für den Bereich der Schweinehaltung im Deutschen Bauernverband, steht auf seinem Hof in Vreden zwischen Mastschweinen.

Vreden - Die Vorwürfe gegen den westfälischen Bauernpräsidenten und CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Röring aus Vreden wiegen schwer. Auf seinem Hof im Kreis Borken soll es schwere Verstöße gegen den Tierschutz gegeben haben. Das wollen Röring, seine Familie und der Hoftierarzt nicht auf sich sitzen lassen – und gewähren einen Einblick in ihre Schweinemast.

„14 Tage müssen die noch“, sagt Johannes Röring und verpasst dem Mastschwein zu seinen Füßen einen Klaps auf den Körperteil, der in nicht allzu ferner Zukunft zum westfälischen Schinken wird. 

An seiner zweiten Hand hat ein anderes Schwein Gefallen gefunden, knabbert am Mittelfinger – bis es Röring zu bunt wird. Ein Stupser auf die Nase, und das 100 Kilogramm schwere Borstenvieh lässt von ihm ab.

Bilder im Politmagazin "Panorama" ausgestrahlt

Zwei Wochen und knapp 15 Kilogramm Körpergewicht trennen die Tiere vom Schlachthof. Angeschlagen oder krank wirkt keines. Natürlich. Der Stall macht einen sauberen Eindruck. Logo. 

Tierschützer: Schwere Verstöße in Schweineställen von Funktionären

Hier wollen die Tierschützer von Animal Rights Watch (Ariwa) im vergangenen Jahr massive Verstöße gegen den Tierschutz ausgemacht haben. Die Bilder, die das ARD-Politmagazin „Panorama“ ausstrahlte, zeigen einen abgebissenen Schwanz, einen toten Artgenossen im Stall und Entzündungen des Afters bei mehreren Schweinen. 

Aufgenommen von Tierschutzaktivisten vor mehr als einem Jahr. Zugespielt wurden die Bilder den Rörings etwa eine Woche vor der geplanten Ausstrahlung mit der Bitte um Stellungnahme. „Eine reelle Chance, die Dinge gerade zu rücken, haben wir aber nie bekommen. Die Regie stand fest“, sagt Röring, der den Hof gemeinsam mit Sohn Christian führt. 

Eidesstattliche Erklärung des Hoftierarztes

Beide sind mächtig sauer. Gehen in die Offensive. Dass ihm nachgesagt wird, dass er sich nicht richtig um seine Tiere kümmere, „das lasse ich nicht zu“, sagt der Junior. „Ich bin absolut überzeugt von dem, was ich hier mache.“ 

Das ist auch der Hoftierarzt Dr. Jörg Tenhündfeld. Er hat eine eidesstattlichen Erklärung abgegeben, dass er zu keinem Zeitpunkt tierschutzwidrige Zustände auf dem Hof festgestellt hat und dass kranke Tiere rechtzeitig von gesunden getrennt und behandelt wurden. „Das ist in unserem Familienbetrieb im Interesse unserer Tiere so gehandhabt worden“, sagt Johannes Röring. 

Dennoch: Die Bilder der verletzten Tiere sind im Stall der Rörings entstanden. Das bestreitet niemand. Tenhündfeld versucht am Freitag, sie zu erklären, „denn wir haben hier nichts zu verbergen“. Die Aufnahmen seien zu einer Zeit entstanden, als es in dem Stall eine „Episode von Atemwegserkrankungen“ gegeben habe. 

Mastdarmvorfälle sollen des Rätsels Lösung sein

Eine Folge starken Hustens könne sein, dass der Mastdarm aus der Afteröffnung trete – sich zunächst zwar immer wieder zurück ziehe, sich dadurch aber entzünden könne und irgendwann dauerhaft heraushänge. Man spreche dann von einem Mastdarmvorfall. Die Ausstülpung könne vom Artgenossen als Nahrung aufgefasst werden. „Das ist Instinktverhalten des Schweins“, sagt der Tierarzt. 

Stressfaktoren – wie etwa eine Krankheit – könnten auch Kannibalismus auslösen. „Das ist evolutionär bedingt“, so Tenhündfeld. Damit sei der abgebissene Schwanz zu erklären. 

Und der tote Artgenosse im Stall? Nach Ansicht des Tiermediziners spricht einiges dafür, dass er dorthin geschafft wurde. Das Tier sei mindestens zwölf bis 24 Stunden tot gewesen, das könne man erkennen. 

ARD-Bericht hat ein juristisches Nachspiel

„Wenn es so lange dort gelegen hätte, wäre der Kadaver sicher nicht mehr so intakt“, meint Tenhündfeld. Die anderen Schweine hätten sich längst darüber her gemacht. Auch das „Liegeverhalten ist ungewöhnlich“. 

Sicher ist, dass der „Panorama“-Bericht ein juristisches Nachspiel hat. Johannes Röring hat beim Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung auf Unterlassung der weiteren Verbreitung des Sendematerials beantragt. 

Die Tatsache, dass jemand unbefugt auf seinen Hof eindringt, macht ihn zusätzlich wütend. „Was haben diese Leute hier zu suchen?“ Dass es bei dem Beitrag und der Aktion von Ariwa „nicht ums Tierwohl ging“, ist für ihn klar. 

Das Filmmaterial sei mehr als ein Jahr alt. „Die Aktivisten müssen sich deshalb fragen lassen, weshalb sie nicht das Veterinäramt informiert, sondern ein Jahr gewartet haben, bis sie in der Panorama-Redaktion einen Journalisten gefunden haben, der das Material skandalisiert weiterverbreitet.“ 

Röring sieht den Beitrag eher in einer Reihe mit vielen weiteren Aktionen, die zum Ziel hätten, Landwirte in Misskredit zu bringen. Momentan werde eben auf vielen Kanälen gegen Landwirte geschossen.

Quelle: wa.de

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