Tempelverein Hamm will Anerkennung als Religionsgemeinschaft

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[Update, 14.55 Uhr] Münster - Der Trägerverein des größten hinduistischen Tempels in Deutschland streitet vor Gericht um die Anerkennung als Religionsgemeinschaft mit den gleichen Privilegien wie Kirchen. Am Freitag hat das Oberverwaltungsgericht Münster noch keine Entscheidung getroffen. Die Richter vertagen die weitere Verhandlung.

Unter anderem soll der Verein zusätzliche Unterlagen zu seinen Finanzen und Entscheidungsstrukturen nachreichen. In der mündlichen Verhandlung ließen die Richter zuvor durchblicken, dass der Trägerverein des Hindu-Tempels im westfälischen Hamm die Voraussetzungen für den Status als Körperschaft öffentlichen Rechts grundsätzlich erfülle. So bestehe kein Zweifel daran, dass die Mitglieder rechtstreu seien und dass ihre Gemeinschaft Bestand haben werde.

Der Trägerverein des Tempels in Hamm gilt als einer der wichtigsten Repräsentanten des Hinduismus in Europa. Um die gleichen Rechte wie die großen Volkskirchen zu bekommen, hatte er einen Antrag auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts gestellt. Das Land NRW lehnte dies mit der Begründung ab, der Verein habe zu wenig Mitglieder, um dauerhaft bestehen zu können. 

Dagegen klagte der Verein mit seinen inzwischen mehr als 5.000 Mitgliedern zunächst erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht Arnsberg. Dies entschied 2013, der Tempel sei ein wichtiger Pilgerort und es sei zu erwarten, dass er das auch bleibe. Zudem seien die Mitglieder in die Gemeinschaft einer Weltreligion eingebunden. 

Sri Kamadchi Ampal Tempel in Hamm

Die Münsteraner Richter müssen eine seit 2014 veränderte Rechtslage, die vor allem Genehmigungsformalitäten betrifft, neu bewerten, wie ein Sprecher sagte.

Stichtwort: Hindus in Hamm 

Die 180.000-Einwohner-Stadt Hamm ist eines der größten Zentren für Hindus in Europa. Es leben zwar nur einige Hundert Hindus in der Stadt; der Sri Kamadchi Ampal Tempel, der größte Hindu-Tempel Europas, zieht aber alljährlich rund 20.000 Gläubige zur Prozession nach Hamm. Der Tempelverein selbst hat nach eigenen Angaben in Deutschland 5.145 Mitglieder und weitere 1.000 in angrenzenden Ländern. Wer sich zu den Gottheiten des Tempels hingezogen fühlt, reist von weither an. 

In Deutschland leben Schätzungen zufolge 100.000 Hindus. Viele sind Tamilen, die seit den achtziger Jahren aus politischen Gründen Sri Lanka verließen.  

Quelle: wa.de

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