Vor Gericht

Tochter bestreitet tödliche Schläge gegen bettlägerige Mutter

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Bochum - Nach dem qualvollen Tod einer bettlägerigen Seniorin aus Herne muss sich deren Tochter jetzt vor Gericht verantworten. Die Angeklagte soll ihrer 86-jährigen Mutter im Juni 2015 so fest ins Gesicht geschlagen haben, dass sie in Folge einer Hirnblutung verstorben ist.

Zum Prozessauftakt vor dem Bochumer Schwurgericht hat die Angeklagte die Vorwürfe bestritten. 

"Ich habe meiner Mutter zwar ins Gesicht geklatscht", sagte die 59-Jährige den Richtern. "Aber nur, weil sie nicht mehr ansprechbar war." Das sei aber nicht brutal gewesen. Sie habe einfach nur sehen wollen, ob ihre Mutter noch reagiere. Das sei jedoch nicht der Fall gewesen. 

Die Angeklagte - eine Krankenschwester - hatte sich seit viereinhalb Jahren um ihre durch einen Schlaganfall halbseitig gelähmte Mutter gekümmert. Das sei nicht immer einfach gewesen, gab die 59-Jährige im Prozess zu. "Es gab natürlich Momente, in denen ich laut geworden bin", sagte sie den Richtern. Misshandelt habe sie ihre Mutter aber nie. 

Dass sie der 86-Jährigen am frühen Morgen des 25. Juni 2015 mehrfach mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen habe, sei einfach eine Art Reflex gewesen. Sie wisse natürlich, dass das falsch sei. "Aber danach war mir klar, dass meine Mutter im Sterben liegt." 

Einen Notarzt hatte die Angeklagte nicht gerufen, da ihre Mutter den Wunsch gehabt habe, zu Hause zu sterben. "Ich habe gedacht, dass muss jetzt so ablaufen, wie sie es immer gewollt hat." 

Dass die 86-Jährige später doch noch ins Krankenhaus gekommen ist, war Zufall. Die Angeklagte hatte sich morgens bei ihrer Arbeit abgemeldet und dabei am Telefon offenbar einen so verwirrten Eindruck hinterlassen, dass ihre Kollegen aus Sorge einen Krankenwagen geschickt haben. Dabei entdeckte der Notarzt die bewusstlose Seniorin. 

Die 86-Jährige starb noch am selben Tag im Krankenhaus. 

Die Ärzte hatten zahlreiche blaue Flecken im Bereich der Stirn, der Augen, der Nase und des Halses der Rentnerin festgestellt. Außerdem soll sich durch die Schläge der Tochter in der linken Stirnhälfte ein lebensgefährliches Hämatom gebildet haben, das letztendlich zum Tod geführt habe. 

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge. Mit einem Urteil ist voraussichtlich Ende September zu rechnen. - dpa

Quelle: wa.de

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