Mit Brecheisen zum Tatort

War Tötungsdelikt in Ostwennemar Affekthandlung oder eiskalt geplant?

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Der Tatort in Hamm-Ostwennemar.

Hamm - Regelmäßig besuchte er seinen Großvater, unterhielt in seiner Familie den wohl intensivsten Kontakt zu dem 84-jährigen Ex-Schulleiter, der nach der Pensionierung seiner Heimatstadt Soest den Rücken zugekehrt und in Ostwennemar heimisch geworden war. Regelmäßig soll dem 25-Jährigen bei diesen Besuchen vorgehalten worden sein, dass er sich endlich auf den Hosenboden setzen müsse, dass er Gefahr liefe, sein Leben angesichts des abgebrochenen Studiums zu verpfuschen. Letzteres scheint nun bittere Wirklichkeit geworden zu sein.

Wegen Mordverdachts sitzt der Enkel seit Sonntagmittag im Gefängnis und hat gestanden, seinen Großvater mit einem Brecheisen erschlagen zu haben. Er sei die ewigen Vorhaltungen und das Gemecker leid gewesen. Das ist die Version, die der 25-jährige Beschuldigte den Ermittlern als Motiv für seinen kapitalen Ausraster präsentierte. 

Über lange Zeit hinweg habe sich in ihm die Wut angestaut, die sich am vergangenen Montag – es war der Rosenmontag – in mehreren wuchtigen Schlägen mit der Brechstange entlud. Für die Polizei war der 25-jährige Junggeselle bis dahin ein unbeschriebenes Blatt, in seinem Umfeld wird er als unauffällig und ruhiger Typ beschrieben. 

Er lebte im Haus seiner Eltern, wo auch die vom Großvater getrennt lebende Oma beheimatet ist. Ob es tatsächlich eine Affekthandlung war oder ob sich der Enkel nicht schon mit Tötungsabsichten trug, als er sich am Montag in sein Auto setzte, um ins knapp 40 Kilometer entfernte Hamm zu fahren, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben. 

Immerhin hatte der 25-Jährige das Brecheisen mit zum Tatort gebracht. Der Polizei erzählte er, dass er es kurz zuvor in einem Baumarkt gekauft habe, um damit Reparaturen am Gartenteich des Elternhauses durchzuführen. 

Der Opa habe ihn aufgefordert, das 40 Zentimeter lange Eisen mit nach Ostwennemar zu bringen, um ihm gegebenenfalls einen dazu passenden Hammer auszuleihen. 

Zwischen 12 und 14 Uhr kam es nach Stand der Dinge in der Erdgeschosswohnung des Zweifamilienhauses zu der tödlichen Auseinandersetzung. Tatort war das Wohnzimmer. 

Der 25-Jährige soll den Leichnam anschließend ins Badezimmer gezerrt und zunächst versucht haben, die Blutspuren zu beseitigen. Davon rückte er aber wieder ab. Auch wurde nicht versucht, eine falsche Fährte zu legen, indem beispielsweise ein Einbruch oder Raubüberfall vorgetäuscht wurden. 

Wieder zurück in Soest, soll der gescheiterte Psychologie-Student Suizidgedanken gehegt haben. Parallel soll er mit sich gerungen haben, sich bei der Polizei zu stellen. Am Telefon erzählte er Mitte der Woche hingegen den besorgten Nachbarn, dass der Großvater verreist sei. 

Als der junge Mann am Sonntag festgenommen wurde, fanden die Ermittler in seiner Wohnung Müllsäcke, in denen sich blutige Kleider und ein Badvorleger befanden. Zeit genug wäre vorhanden gewesen, diese Beweisstücke zu beseitigen. Vielleicht war er einfach nur froh, dass der Spuk nun ein Ende hatte.

Quelle: wa.de

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