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Entspannung am Niederrhein - Deiche halten stand

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Die Lage im Hochwassergebiet am Niederrhein, wie hier in Isselburg, hat sich in der Nacht zum Freitag ein wenig entspannt.

Isselburg [Update 13.50 Uhr] - Leichte Entspannung im Hochwassergebiet am Niederrhein: Bis zum Freitagnachmittag sind neue Wassermassen ausgeblieben. Doch dass die Gefahr trotz gesunkener Pegel nicht gebannt ist, zeigt ein kleiner Dammbruch - und ein banger Blick auf die Wetterkarte.

Gesunkene Pegelstände an der Issel lassen die Menschen im Hochwassergebiet am Niederrhein vorerst durchschnaufen. Für Entwarnung sei es aber noch zu früh, melden Landesumweltamt und Meteorologen. Aufgeweichte Deiche, vollgesogene Böden und drohende durchziehende Gewitter sind weiterhin ein Risiko. 

Der Regen hatte den Wasserstand des kleinen Flüsschens Issel deutlich steigen lassen. In der Nacht zum Freitag sank er am Pegel Dämmerwald von mehr als 2,00 Meter auf nur noch 77 Zentimeter, normalerweise ist das Wasser dort nur knapp 20 Zentimeter hoch. Hunderte Helfer waren dort im Einsatz, 68 000 Sandsäcke wurden verbaut, weitere 35 000 lagen als Reserve bereit. Böschungen wurden auf Schwachstellen untersucht, Pegelstände kontrolliert. Am Morgen hatten Katastrophenschützer und Feuerwehr im Hochwassergebiet durchschnaufen können: Hamminkeln (Kreis Wesel) und das benachbarte, schon zum Münsterland zählende Isselburg blieben von den befürchteten Fluten verschont. 

Die Nacht zu Freitag hatte keine weiteren Wassermassen mehr gebracht. "Die Nacht war relativ entspannt, wir hatten die Lage gut im Griff", sagte Konrad Decker, der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Hamminkeln. Der Deich, der das sonst unscheinbare Flüsschen im Zaum halten soll, sei an zwei Stellen kontrolliert geöffnet worden, damit Wasser abfließen konnte. An anderer Stelle jedoch, brach sich das Wasser am Freitag selbst Bahn durch den völlig aufgeweichten Damm und schoss auf einen Acker. Der Durchbruch stelle jedoch keine Gefahr für Leib und Leben dar, weil er in unbewohntem Gebiet an der Stadtgrenze passiert war. 

Neue Gewitter am Freitagnachmittag

Feuerwehr und Isselverband waren unterwegs, um die Stelle zu verfüllen. Mit bangem Blick auf die Wetterprognosen wollte am Freitagmittag niemand Entwarnung geben: Der Deutsche Wetterdienst hat ab Freitagnachmittag neue Niederschläge mit Gewitterpotenzial angekündigt - auch für das Wochenende. Das Landesumweltamt (LANUV) nannte die Lage an der Issel am Freitagmorgen weiter angespannt: "Die Böden sind gesättigt, da dringt nichts mehr ein. Was an Regen runterkommt, fließt direkt in die Flüsse", sagte LANUV-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia. "Wir sind vorbereitet", sagte Frank Brändel vom Krisenstab des Kreises Wesel. 

Sandsäcke liegen in Isselburg (Nordrhein-Westfalen) auf einem Deich. Der Wasserpegel der Issel ist in der Nacht weiter gesunken. Die starken Regenfälle hatten zum starken Anstieg des Flusses und zu zahlreichen Überschwemmungen geführt.

190 Einsatzkräfte seien weiterhin im Einsatz, um den Deich zu sichern. Der Damm ist aufgeweicht und vollgesogen. "Das ist ein Risiko", sagte Brändel. Die sinkenden Pegelstände ließen aber flussabwärts das Örtchen Isselburg am Freitag aufatmen. "Wir sind guter Dinge, dass die angekündigten Niederschläge an uns vorbeiziehen, werden die Entwicklung aber weiter genau beobachten", sagte Isselburgs Bürgermeister Rudolf Geukes. Mehr als 50 Feuerwehrleute seien weiterhin im Einsatz und kontrollierten, ob die Dämme hielten. Für die historische Altstadt von Xanten hat die Feuerwehr zumindest vorläufig Entwarnung gegeben. Im Stadtgebiet hatte lange Zeit das Wasser gestanden. 

Damit auch weiterer Regen verkraftbar sei, war nach Auskunft der Feuerwehr das Technische Hilfswerk am Freitag damit beschäftigt, das voll- und schließlich übergelaufene Entwässerungssystem der Stadt leer zu pumpen. "Das sind pro Stunde über eine Million Liter Wasser. Nur so können wir verhindern, dass bei neuem Regen wieder Straßen und Keller volllaufen", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Menschen sind am Niederrhein durch die Unwetter bislang nicht zu Schaden gekommen.

 

Quelle: wa.de

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