Nach Anschlägen in Paris

Angst vor dem herrenlosen Koffer - "Fälle halten sich in Grenzen"

+

Essen - Die Terroranschläge von Paris haben viele verunsichert. In Nordrhein-Westfalen halten sich die Fälle, in denen "verdächtige Gegenstände" gefunden wurden, aber "in Grenzen", wie Jan Schabacker, Pressesprecher des Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD NRW) auf WA-Anfrage erklärte.

Das LZPD NRW führe zwar keine statistische Erfassung solcher Fälle durch, allerdings sei der Einsatz nahe der Universität Dortmund am vergangenen Freitag, bei dem ein 41-jähriger, vermutlich psychisch kranker Mann mit einer Bombe gedroht hatte, der einzige Einsatz in dieser Größenordnung. Fälle, die eine Sperrung eines Bahnhofs zufolge hätten, fallen laut Schabacker in die Zuständigkeit der Bundespolizei.

Die will in diesem Zusammenhang aber keine genauen Zahlen nennen. Wie Michaela Heine, Pressesprecherin der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin auf Anfrage erklärte, seien die Menschen bei diesem Thema "sensibilisiert". Bürger sollten generell darauf achten "Gepäckstücke nicht stehen zu lassen".  

Mehrere Bahnhöfe in NRW evakuiert

Eine verdächtige Tasche hatten Reisende zuletzt am Samstagabend am Bahnhof in Schwerte gefunden. Dort ragte ein Kabel aus der am Geländer festgeketteten Tasche, sodass die Polizei nicht nur den gesamten Bahnhof räumen ließ, sondern auch Sprengstoffspürhunde zum Einsatz kamen. In Lüdenscheid und Werdohl waren die Bahnhöfe am Montagabend evakuiert worden, nachdem die Polizei eine anonyme Bombendrohung erhalten hatte. Ebenfalls wegen einer Bombendrohung wurde in der letzten Woche die RB25 von Meinerzhagen nach Köln durchsucht. Schülerinnen hatten die Polizei alarmiert nachdem ein Unbekannter diese aufforderte, nicht in den Zug zu steigen, weil dort eine Bombe liege.

Rüdiger Holecek, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen bestätigt, dass "die Polizei nun mehr zu tun hat". Früher seien Bürger an einer Tasche vorbeigelaufen. "Heute werden auffällige Gegenstände schneller gemeldet", sagt Holecek. "Uns sind aber drei Fehlalarme lieber als einer, der nicht registriert wird."

Die potenzielle Terrorgefahr ist derzeit für viele Menschen das Gesprächsthema schlechthin - ob in kleiner Runde zu Hause oder am Glühweinstand auf den jetzt beginnenden Weihnachtsmärkten. Vor allem in größeren Städten scheint die Gesellschaft nervöser zu werden. 

Häufung von Fehlalarmen in Berlin

Allein die Berliner Polizei verzeichnete in der Woche nach Paris innerhalb von zehn Tagen 60 Hinweise auf verdächtige Gegenstände oder Personen. Erst am Wochenende hatte ein Auto mit belgischem Kennzeichen die Angst vor geflüchteten Terroristen geweckt - das Fahrzeug stellte sich später als ungefährlich heraus. Auch im Südwesten Deutschlands hatte ein belgisches Auto - mit arabischen Schriftzügen auf einem Sticker - in Lauffen bei Heilbronn fälschlicherweise Verdacht erregt.

"Die intensive Medienberichterstattung hat viele Menschen verunsichert. Sie wissen nun nicht mehr genau, wie sie sich schützen sollen", erläutert Notfall-Psychologe Gerd Reimann. Das erhöhte Stresslevel führe dazu, schneller den Notruf zu wählen, um sich dadurch in vermeintliche Sicherheit zu wiegen. - mcb/dpa

Quelle: wa.de

Kommentare