Preiswerter Wohnraum ist Mangelware

NRW verliert jedes Jahr über 10.000 Sozialwohnungen

Düsseldorf - Der Bestand an Sozialwohnungen ist in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen fünf Jahren um über 50.000 geschrumpft. Wie das Bauministerium der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mitteilte, gab es in NRW im vergangenen Jahr nur noch knapp 477.000 Sozialwohnungen.

Im Vergleich zum Höchststand, 1979, ist das weniger als ein Drittel von einst über 1,6 Millionen Sozialwohnungen. Der Deutsche Mieterbund fordert eine Kehrtwende in der Förderpolitik. Künftig sollten statt einzelner Projekte Unternehmen gefördert werden, die ihre Immobilien unbefristet als Sozialwohnungen anbieten, schlug die Landesgeschäftsführerin des Mieterbunds NRW, Silke Gottschalk, vor. 

Allein in NRW fallen jährlich über 10.000 Wohnungen aus der Bindung als Sozialwohnung. Die Armutsexpertin vom Caritasverband Köln, Michaela Hofmann, betonte, wie wichtig preiswerte Mieten für die Armutsbekämpfung seien. Nach dem Sozialbericht des Landes gebe ein Haushalt im Schnitt über 27 Prozent für Miete aus. Bei geringeren Einkommen steige dieser Anteil enorm an. 

Daher sei es unverzichtbar, weiter daran zu arbeiten, Mieten so gering wie möglich zu halten, sagte Hofmann, die auch Mitglied der nationalen Armutskonferenz ist. Mit attraktiven Förderkonditionen will NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) den Schwund im Bestand stoppen und rund 50.000 neue Sozialwohnungen bis 2020 fördern. Die vor einem Jahr gestartete Wohnungsbau-Offensive wirke, bilanzierte Groschek. "Beim sozialen Wohnungsbau haben wir mit den Verbesserungen im vergangenen Jahr den Durchbruch geschafft", sagte er. 

Zentraler Baustein ist ein neues Förderprogramm mit hohen Tilgungsnachlässen - in teuren Lagen bis zu 25 Prozent. Das Ministerium rechnet damit, dass die kürzlich um 300 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro aufgestockten Mittel für den sozialen Wohnungsbau in diesem Jahr sehr gut ausgeschöpft werden. Auch Wohnungswirtschaft und Mieterbund bestätigen das. "Die Landesregierung hat das Problem erkannt - es ist etwas passiert", lobt der Verbandsdirektor der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen (VdW), Alexander Rychter. 

Eine offene Flanke blieben aber hohe Baukosten auf Grund bürokratischer Überregulierung - durch steigende Auflagen etwa für Energieverbrauch, Barrierefreiheit und Autostellplätze. Dies müsse bei der anstehenden Novellierung der Landesbauordnung bedacht werden, mahnte Rychter. In dieselbe Kerbe schlägt auch die CDU-Opposition. Die neue Landesbauordnung sehe keine Vereinfachung der Rechtsvorschriften vor, kritisierte der Experte der Landtagsfraktion, Wilhelm Hausmann. Auch beim dringend benötigten Bürokratieabbau für schnellere Genehmigungsverfahren herrsche Fehlanzeige. Insgesamt fehlen nach Modellberechnungen in NRW bis 2020 rund 400.000 neue Wohnungen. Davon müssten mindestens 300.000 in Mehrgeschoss-Bauten errichtet werden - nicht zuletzt, weil sich die zusätzliche Nachfrage durch Flüchtlinge nicht mit Einfamilienhäusern decken lasse, argumentiert das Bauministerium. 

Der zusätzliche Bedarf an preiswertem Wohnraum allein durch Flüchtlinge wird in NRW auf rund 120.000 Wohnungen geschätzt. Der höchste Bedarf besteht weiterhin in den Großstädten entlang der Rheinschiene - Düsseldorf, Köln und Bonn - sowie in den Universitätsstädten Bielefeld, Münster, Dortmund, Essen und Aachen. 

Zudem gibt es Auswirkungen auf das jeweilige Umland. Der geringste Bedarf besteht in ländlichen Räumen, wo es manchmal sogar schon dauerhaften Leerstand gibt - etwa in Südwestfalen, im Hochsauerland und Siegerland sowie in einigen Bereichen des nördlichen Ruhrgebiets. Eine konkrete Zahl der aktuell Wohnungssuchenden, die nicht versorgt werden können, hat weder das Bauministerium noch der Mieterbund. Für das vergangene Jahr meldeten die Behörden dem Ministerium aber rund 95.000 wohnungssuchende Haushalte mit Wohnberechtigungsschein für eine Sozialwohnung. Im selben Jahr wurden knapp 42.000 Sozialwohnungen belegt. - dpa

Quelle: wa.de

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