"Von Kuzorra bis Özil" - Ausstellung in der Bochumer "Zeche Hannover"

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Stellten die Ausstellung rund um Fußball und Migration im Ruhrgebiet vor: David Skrabania (von links), Filmer Daniel Huhn, Museumsdirektor Dirk Zache, Stefan Metzger, Fußballer Hiannick Kamba und Ausstellungskurator Dietmar Osses.

Bochum - Auf den ersten Blick trennen sie Welten: Ernst Kuzorra und Mesut Özil. Der eine geboren 1905, Bergmann. Der andere Jahrgang 1988, Kind der Facebook-Ära. Doch beide sind Kinder von Einwanderefamilien, Idole des Fußballs, in Gelsenkirchen geboren, und „echte Söhne des Ruhrgebietes“.

So beschreibt es Dietmar Osses, Leiter des LWL-Industriemuseums „Zeche Hannover“ in Bochum. Das Museum zeigt ab Samstag eine Ausstellung über die integrative Kraft des Fußballs im Pott.

Zwei Jahren haben Museumsleiter Osses und seine Mannschaft an der Ausstellung gearbeitet, Exponate zusammengetragen und Videos erstellt. Ganz bewusst wird der Fokus dabei auch auf den Amateurbereich gelegt. „Der Fußballplatz ist wie ein Brennglas der Gesellschaft“, sagt Sozialwissenschaftler Stefan Metzger.

Gerade für das Ruhrgebiet sei dies seit mehr als hundert Jahren eine bestimmende Größe. „In der Region geht es immer um Industrie und Fußball“, so Osses. Hier zeigten sich positive wie negative gesellschaftliche Entwicklungen. Der Fußballplatz sei daher immer auch ein „Lernplatz für die Gesellschaft“, sagte Metzger. „Hier erleben Menschen Anerkennung und Solidarität ebenso wie Ausgrenzung und Gewalt.“

Vom Kongo nach Gelsenkirchen

Genau dieses Spannungsverhältnis verkörpert auch Hiannick Kamba (29). Der Sohn kongolesischer Eltern floh vor 20 Jahren nach Deutschland, spielte später bei den Amateuren von Schalke. Seine Geschichte ist Teil der Ausstellung und steht als Beispiel für viele Jugendliche mit Migrationshintergrund, die Halt im Sport fanden, ohne es auf die Titelseiten geschafft zu haben. „Die Gesellschaft braucht den Fußball für die Integration“, betont er.

Für viele Flüchtlinge sei der Verein und der Sport ein erster Orientierungspunkt in der neuen Heimat. Er habe auf und neben dem Platz nicht immer nur schönes erlebt, sagt Kamba. „Rassismus ist leider fast normal.“ Dennoch sei der Sport, das gemeinsame Streben nach Erfolg und das füreinander einstehen, unverzichtbar. „Die positiven Erfahrungen überwiegen“, ist er überzeugt.

Fragen der Gegenwart

An vielen Beispielen zeigt die Ausstellung die Entwicklung der Migration und ihre Bedeutung für das Ruhrgebiet und seine Fußballvereine. Von der polnisch geprägte Einwanderung vor über hundert Jahren über die Zuzüge von Gastarbeitern aus Südeuropa und der Türkei transportieren Osses und seine Mitarbeiter die Frage der Integration bis in die Gegenwart. Rund 150 Exponate beleuchten dabei das Wirken der Sportler, die Entwicklung der Vereine und die Veränderungen innerhalb der Gesellschaft.

Darunter unter anderem auch das Trikot von Mesut Özil von seinem ersten Bundesliga-Spiel für den FC Schalke 04. Aber auch Fußballstiefel aus den 1920er Jahren sowie verschiedenen Pokale, die Ruhrgebiets-Vereine errangen. In der Ausstellung, sie bis zum 1. November 2015 läuft, solle „das positive im Zentrum stehen“, so Dirk Zache, Direktor der LWL-Industriemuseen, ohne das Negative auszuklammern.

Quelle: wa.de

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