Zivilkammer des Landgerichts Arnsberg verhandelt zwei Klagen am 22.9.

"Gläubigern schweren Schaden zugefügt:" Millionen-Klage gegen Dr. Karin Kettler

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Auf die frühere Firmenchefin Dr. Karin Kettler und das Unternehmen mit Sitz in Ense und Werken in Werl kommen Millionen-Klagen zu.

Werl/Ense - Ein Rechtsanwalt verklagt Dr. Karin Kettler auf Schadensersatz in Höhe von 11,6 Millionen Euro, weil sie Gläubigern bei der Insolvenz eines Tochterunternehmens schweren Schaden zugefügt haben soll. In einer zweiten Klage droht auch dem Unternehmen Ungemach.

Obwohl ein Tochterunternehmen der Heinz Kettler GmbH & Co. KG zu diesem Zeitpunkt zahlungsunfähig gewesen sei, soll die damalige Geschäftsführerin Dr. Karin Kettler Zahlungen in Höhe von 11,6 Millionen Euro geleistet und damit den Gläubigern schweren Schaden zugefügt haben. Ferner soll jenes Unternehmen etwa 2 Millionen Euro, die eigentlich in die Insolvenzmasse gehört hätten, noch an die Firma Kettler in Ense überwiesen haben. 

Diese schweren Vorwürfe erhebt der Heidelberger Rechtsanwalt Christopher Seagon; der Jurist hat die Tochter von Firmengründer Heinz Kettler auf Zahlung von 11,6 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Ferner verlangt er, die 2 Millionen-Euro-Forderung der Insolvenzmasse des vor wenigen Wochen zu Ende gegangenen Insolvenzverfahrens nachträglich hinzuzufügen. 

Eine Zivilkammer des Landgerichts Arnsberg wird beide Klagen am 22. September verhandeln. Das hat der stellvertretende Pressesprecher des Gerichts, Dr. Johannes Kamp, auf Anzeiger-Anfrage bestätigt. 

Beide Fälle reichen zurück ins Jahr 2010. Die Firma MWH Metallwerk Helmstadt GmbH im badischen Helmstadt-Bargen meldet im September jenes Jahres Insolvenz beim Amtsgericht an. Die Tochterfirma der Kettler-Gruppe soll diesen Schritt zu spät gegangen sein, sagt Seagon, damals Insolvenzverwalter. Und weil Karin Kettler die Verantwortung für die Zahlung des zweistelligen Millionenbetrages getragen habe, sei sie eben auch verantwortlich für den Schaden, der die Gläubiger getroffen habe. 

Mithin, so die Forderung des Anwalts, müsse sie entsprechenden Schadenersatz zahlen. Kettler werde als seinerzeit verantwortliche Geschäftsführerin verklagt, persönliche Bereicherung werde der Unternehmerin nicht vorgeworfen, bestätigt der Gerichtssprecher. Dr. Karin Kettler war nach dem Tod ihres Vaters Heinz Alleinerbin der Firmengruppe geworden, die im Laufe der vergangenen Jahre wiederholt in schwere See geriet. 

Gerade erst war ein Insolvenzverfahren in Eigenregie beendet worden. Aus der Heinz Kettler GmbH &. Co. KG wurde mit Wirkung vom 1. April die Kettler GmbH. Karin Kettler hat sich in diesem Zusammenhang aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Die Erbin hatte mit Geld aus dem Privatvermögen –nicht zum ersten Mal – mitgeholfen, den zwischenzeitlich ernsthaft befürchteten (Aus-)Verkauf an Investoren zu vermeiden. Versuche, eine Stellungnahme von Karin Kettler zum aktuellen Fall zu erhalten, erweisen sich einmal mehr als aussichtslos. Die Unternehmerin war und ist für den Anzeiger nicht zu sprechen. Ein Versuch der Kontaktaufnahme gestern Mittag scheiterte mit der Begründung, Kettler habe keine E-Mail-Adresse mehr im Unternehmen; ihre persönlichen Daten dürften auf Anordnung der langjährigen Firmenchefin nicht mitgeteilt werden. 

Zweite Klage gegen den Sachverwalter

Nicht minder delikat ist die zweite Klage des Heidelberger Rechtsanwalts. Beklagter ist der Sachverwalter im aktuellen Insolvenzverfahren, Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger. Der, so der Vorwurf, soll sich geweigert haben, die vorliegende Forderung in Höhe von rund 2 Millionen Euro der Insolvenzmasse hinzuzufügen. Dass er dies hätte tun müsse, weil die Zahlung „insolvenz-anfechtbar“ gewesen sei, behauptet der damalige Insolvenzverwalter. 

Weil es in beiden Fällen ums sehr ähnliche Thema geht, werden die Verfahren am 22. September um 11.30 Uhr gemeinsam verhandelt. Angesichts der Komplexität ist mit einem längeren Verfahren zu rechnen.

Quelle: wa.de

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