"Im Tal des Todes" auf dem Spielplan

Winnetou trotzt dem Regen: Karl-May-Festspiele in Elspe eröffnet

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In der Rolle des Winnetou ist Jean-Marc Birkholz zu sehen, als Old Shatterhand kämpft Kai Noll für das Gute. 

Elspe - Auch strömender Regen konnte Winnetou nichts anhaben: Im sauerländischen Elspe hat am Samstag die diesjährige Inszenierung der Karl-May-Festspiele ihre Premiere erlebt. Auf dem Programm steht in diesem Sommer "Im Tal des Todes".

Höhepunkt des Stücks auf der 100 Meter breiten Freilichtbühne ist ein Vulkanausbruch. Um das Schauspiel des explodierenden Vulkans so realistisch wie möglich in Szene zu setzen, kommen reichlich Pyro-, Licht- und Tontechnik zum Einsatz. Daneben sind es die mehr als 60 Darsteller und Stuntmen mit 40 Pferden, die der Freilichtbühne Wild-West-Leben einhauchen.

In der Rolle des Winnetou ist Jean-Marc Birkholz zu sehen, unter anderem bekannt aus "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Als Old Shatterhand kämpft Kai Noll ("Unter uns") für das Gute. 

Das "Elspe Festival" lockt jedes Jahr 200.000 Besucher an. Am Abend werden auch die Karl-May-Spiele im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg eröffnet. Dort wird dieses Jahr "Der Schatz im Silbersee" gespielt.

Die Leute kommen für das Live-Erlebnis, wie Elspe-Geschäftsführer Jochen Bludau (74) meint. "Im Kino weiß man: Das ist Trick. Aber bei uns ist es echt." Man riecht den Pulverdampf und spürt die Hitze der Explosionen, bekommt Dreck von den vorbeipreschenden Pferden ins Gesicht. Und bei entsprechender Witterung sieht der Zuschauer, wie Winnetou in zwei Stunden komplett eingeweicht wird. Bei der Premiere am Samstag konnte man das wieder miterleben und sich davon überzeugen, wie ergiebig ein sauerländischer Landregen ist.

Die Zuschauer stellen sich darauf ein. Sie bringen Regenjacken, Sitzkissen und Kühltasche mit. Viele Eltern, die jetzt mit ihren Kindern kommen, kennen Elspe schon aus den 70er oder 80er Jahren, als Pierre Brice der Bühne zu bundesweiter Bekanntheit verhalf. Sie können sich noch daran erinnern, wie der Kinoheld ihrer Kindheit im cremefarbenen Fransenanzug den Hügel der Naturbühne herunterritt, während dazu die Winnetou-Melodie von Martin Böttcher erklang. Und noch heute haben sie seinen französischen Akzent im Ohr: "Isch 'abe gesprochen". Unnachahmlich, unvergesslich.

Die Internetseite des "Elspe Festivals"

Pierre Brice ist letztes Jahr gestorben. Der derzeitige Winnetou in Elspe heißt Jean-Marc Birkholz (42) und auch er kämpft jetzt in Lederkluft für das Gute, und das Publikum feiert ihn dafür. Immer wieder muss er nach dem Ende der Premierenvorstellung am Samstag über die 100 Meter breite Bühne galoppieren. Die Darsteller der Banditen werden traditionell ausgebuht - auch das ist ein Hinweis darauf, dass die Zuschauer die Vorführung nicht in erster Linie als Theater erleben. Im Zeitalter der virtuellen Realität geht von einer Welt, die man riechen und fühlen kann, große Überzeugungskraft aus.

Im kommenden Winter will RTL eine dreiteilige Neuverfilmung des Winnetou-Stoffs ins Fernsehen bringen - mit "Tatort"-Kommissar Wotan Wilke Möhring (49) als Old Shatterhand. Möhring, der im Ruhrgebiet aufwuchs, hat als Kind in Elspe selbst um ein Autogramm von Pierre Brice angestanden.

Wenn die Filme ein Erfolg werden, wäre das mit Sicherheit Rückenwind für Karl May. Der Karl-May-Experte und Buchautor Michael Petzel sagt: "Einige, die schon den Trailer gesehen haben, meinen: Dieser neue Winnetou hat Mythos-Potenzial."

Elspe-Chef Bludau ist sich da nicht so sicher: "Wär schön, wenn's was würde - aber ich weiß nicht, ob RTL begriffen hat, worum es da eigentlich geht. Das reine Darbieten einer filmischen Darstellung reicht nicht aus, um etwas neu erfolgreich zu machen. Was Bad Segeberg und wir bieten, ist live." Mit anderen Worten: Bludau befürchtet, dass RTL strukturell im Nachteil sein könnte. Der Fernseh-Winnetou kann nicht nass werden. - dpa

Quelle: wa.de

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