CSU-Klausur in Kreuth

Vielen Dank für die sanfte Watschn

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„Keine Krise einreden lassen“: Ein erleichterter Horst Seehofer in Kreuth.

Kreuth - Mit einem blauen Auge kommt die CSU in der neuen Umfrage davon. Parteichef Horst Seehofer verbietet zwar Freudensprünge wegen des 41-Prozent-Werts, erklärt aber die CSU-Krise forsch zum Märchen.

Erfahrene Masochisten wissen: Am schönsten ist es, wenn der Schmerz nachlässt. Deshalb laufen einige in der CSU jetzt mit leichtem Grinsen über die langen Kreuther Flure. 41 Prozent in der neuen Umfrage mögen ein hundsmiserabler Wert sein, aber sind doch ein paar Punkte über den schlimmsten Befürchtungen. „Ein sachgerechter Warnschuss für die Zukunft“, sagt Ex-Generalsekretär Thomas Goppel. Also in etwa: Danke für diese sanfte Watschn.

40 minus einem dicken X, das war die große Angst, die wie ein dunkler Schatten über den 92 kasernierten Abgeordneten hing. Die Landesbank-Schlagzeilen der letzten Wochen waren geeignet, das Vertrauen der Bürger kräftig zu schwächen. Eine Umfrage irgendwo in den Dreißigern hätte auf der Klausur eingeschlagen wie eine Bombe, Folgen schwer kalkulierbar. Vor drei Jahren wurde ja im stillen Wildbad schon wegen der Nähe zu 50 minus X geputscht.

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Den ganzen Tag über bemüht sich die Parteiführung deshalb um Seelenmassage. Er sehe eine „Jetzt erst recht“-Stimmung in der Truppe, erzählt CSU-Chef Horst Seehofer. Zweifler hören vorBekanntgabe der Zahlen spöttisch: „Glaubt ihr, ich liege danach am Boden?“ Er hat nicht vor, sein 30. Kreuth robbend zu verlassen. Eindringlich rät er: „Wir dürfen uns keine Krise einreden lassen. Das ist keine Krise der CSU.“ Insbesondere Umweltminister Markus Söder hatte da ganz anders geklungen und (zu Seehofers großer Verärgerung) sogar vor einer „existenziellen Krise“ der Partei und einem Abstieg zum CDU-Landesverband gewarnt.

Zumindest die Landtagsfraktion mag sich erkennbar nicht auf Krisenstimmung einlassen. Demonstrativ einig geben sich die Abgeordneten in Kreuth, meiden jede Personaldiskussion über den mäßig erfolgreichen Fraktionschef Georg Schmid. Bis 2 Uhr früh ist am Vortag Schafkopf gespielt worden. „So einen entspannten Abend“ habe er schon lange nicht mehr erlebt, lobhudelt Seehofer. Die Fraktion sei hoch motiviert, „die Pumpfunktion der Herzkammer ist einwandfrei“. Morgens setzen sich sogar Schmid und der als sein Nachfolger gehandelte Söder, alles andere als enge Freunde, einträchtig nebeneinander an den Frühstückstisch.

Mit der 41 im Rücken ist die Partei akute Personaldiskussionen los, auch das wabernde Gerücht, die Opposition könne ein Volksbegehren für Neuwahlen starten. „Ich sehe keinen Ankerpunkt für eine Alternativkoalition“, sagt Seehofer. „Man kann damit gut leben“, erklärt Generalsekretär Alexander Dobrindt zu den Daten. „Realistisch, keine Euphorie, aber Ansporn“, sagt Sozialministerin Christine Haderthauer.

Neben dem eigenen Ergebnis erleichtert die Christsozialen die Entzauberung der Freien Wähler. Deren Absturz auf sechs Prozent wird freudig registriert. „Die haben prophezeit, sie reißen uns den Hintern auf“, sagt der Seehofer-Vertraute Alfred Sauter, „und jetzt brauchen die ein Sitzkissen“.

Seehofer will die Abgeordneten heute am letzten Tag des Klausurreigens in einer programmatischen Rede nach vorne blicken lassen. Kernbotschaft: Vor der Partei liegen drei wahlfreie Jahre, die müssen genutzt werden, um inhaltliche Positionen zu überarbeiten und die eigene Struktur zu verbessern. „Arbeiten, arbeiten, arbeiten“, gilt als Leitmotiv.

Und denen in der CSU, die auf höhere Posten schielen, vor allem auf seine, lässt er noch in Kreuth eine deutliche Botschaft zukommen: „Die sollen sich alle noch einige Jahre gedulden. Ich sage: einige Jahre!“

von Christian Deutschländer

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