Darf sich Merkel über Bin-Laden-Tötung freuen?

Berlin - Kanzlerin Merkel setzt auf Schadensbegrenzung: Nach ihrer öffentlichen Freude über den Tod von Terrorchef Bin Laden lässt sie Verständnis für ihre Kritiker durchscheinen. Doch entschuldigen will sie sich nicht. Die Union drücken auch andere Probleme.

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Minutenlang hatte Angela Merkel den Amerikanern und speziell Präsident Barack Obama zu dem “wichtigen Schlag gegen den internationalen Terrorismus“ gratuliert. Nach dem Tod Osama bin Ladens sei klar, dass dieser “Kopf des Terrors“ keine weiteren Anschläge mehr in Auftrag geben könne. “Und das ist einfach und schlicht eine gute Nachricht.“ Dann, wie meist bei den Statements der Regierungschefin vor dem blassblauen Bundesadler im Kanzleramt, kamen die Reporter kurz zur Wort. Um 14.35 Uhr, bei der dritten und letzten Wortmeldung (Merkel gelassen: “Noch eine Frage, würde ich sagen“), nahm das Malheur seinen Lauf.

Erkennbar irritiert, mit leicht zusammengekniffenen Augen und den Kopf nach vorne gebeugt, folgt die Kanzlerin dem Fragesteller. Der will nach der Bemerkung, dass es sich bei der Erschießung Bin Ladens offenkundig um eine gezielte Tötung handele, von der Kanzlerin wissen, ob auch deutsche Sicherheitskräfte in der Lage sein sollten, “auf diese Weise gegen Terrorhäupter vorzugehen“. Über den dann folgenden Merkelschen Satz wird seit Tagen heftig diskutiert: “Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“ Unmöglich, hallt es der Kanzlerin aus den Kirchen entgegen. “Als Christin kann ich nur sagen, dass es kein Grund zum Feiern ist, wenn jemand gezielt getötet wird“, kritisiert etwa Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt von den Grünen, die auch Präses der Synode der Evangelischen Kirche ist.

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Und auch aus den eigenen Reihen kommt Kritik. Der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Siegfried Kauder - Bruder von Fraktionschef Volker Kauder (beide CDU) - fährt schweres verbales Geschütz auf: “Ich hätte es so nicht formuliert. Das sind Rachegedanken, die man nicht hegen sollte. Das ist Mittelalter.“ Dabei dürfte sich die Kanzlerin, die sonst immer großen Wert auf bis zum Ende durchdachte Wortwahl legt, selbst am meisten über den außergewöhnlichen Ausrutscher ärgern. “Das war sicherlich nicht die allerglücklichste Formulierung“, geben auch ihr Wohlgesonnene in der Union zu. Von einer kleinen “Wortfindungsschwierigkeit“ wird gesprochen und eingeräumt, es hätte sicher korrektere und passendere Formulierungen gegeben.

Alles in allem wird in der Union nicht damit gerechnet, dass die Aufregung lange anhält. “Die Menschen haben schon verstanden, was Merkel meinte“, heißt es in der Unionsfraktion. Bei der Fraktionssitzung am kommenden Dienstag dürften die Kanzlerinnen-Worte nur noch am Rande eine Rolle spielen, glauben sie dort. Den Abgeordneten dürften doch eher aktuelle Sachthemen auf den Nägeln brennen: die offenen Fragen beim neuen Atomkurs von Schwarz-Gelb beispielsweise, das ungeklärte Führungsdesaster der FDP - oder die Umfragewerte für die Grünen, die nach dem neuesten Forsa-Wahltrend nur noch bedrohliche drei Punkte hinter der Union liegen.

dpa

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