Merkel würdigt Bürgerrechtler

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Angela Merkel hat die Rolle der Bürgerrechtler beim Mauerfall gewürdigt.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Rolle der DDR-Bürgerrechtler und der Kirchen beim Fall der Mauer am 9. November 1989 gewürdigt.

Die Bürgerrechtler hätten “durch ihr mutiges Eintreten für Freiheit und Demokratie ganz wesentlich dazu beigetragen..., dass die Maueröffnung möglich wurde“, sagte Merkel am Samstag in ihrer Video-Botschaft im Internet. Die CDU-Vorsitzende hob auch die Rolle der Kirchen hervor. “Die Kirchen haben einen Schutz gegeben in der ehemaligen DDR, um Meinungsfreiheit leben zu können, und sie waren mutige Begleiter in der Phase der Montagsdemonstrationen und Friedensgebete.“ An diesem Montag (9. November) feiert Deutschland den Fall der Mauer vor 20 Jahren mit einem Fest der Freiheit in Berlin.

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Die Staats- oder Regierungschefs aller EU-Mitgliedsstaaten, US- Außenministerin Hillary Clinton und der russische Präsident Dmitri Medwedew werden zu den Feierlichkeiten in der deutschen Hauptstadt erwartet. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hob die Bedeutung der Hauptstadt als “Ort der Freiheit“ hervor: Die Stadt sei zur ersten Adresse für all jene geworden, die den “Traum der Freiheit“ leben wollten. Am Abend des Gedenktages werden am Brandenburger Tor neben Merkel die Repräsentanten der vier ehemaligen Alliierten sprechen. Die Staatsgäste werden gemeinsam durch das Wahrzeichen der deutschen Hauptstadt schreiten, das einst Symbol der Teilung war. Hunderttausende Besucher werden erwartet.

Erinnerung an die Progromnacht

Am 9. November erinnert Deutschland aber auch an die Pogromnacht von 1938 und die Verfolgung tausender jüdischer Bürger durch die Nationalsozialisten. Merkel will am Montag mit Vertretern von Bürgerrechtlern und Kirchen sowie Zeitzeugen, die am Abend des 9. November 1989 über die Brücke der Bornholmer Straße in den Westteil Berlins drängten, diesen Weg noch einmal gehen. An diesem Übergang zwischen den Stadtteilen Prenzlauer Berg (Ost) und Wedding (West) war die Mauer zuerst durchlässig geworden und auch Merkel selbst hatte den Übergang damals benutzt. “Der 9. November 1989 ist der glücklichste Tag der jüngeren deutschen Geschichte“, sagt sie jetzt.

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Die Kanzlerin sprach sich mit Nachdruck gegen einen Schlussstrich unter die DDR-Geschichte aus. “Einen Schlussstrich ziehen zu wollen heißt, etwas verdrängen zu wollen“, sagte sie der “Leipziger Volkszeitung“ (Samstag). “Erstens funktioniert das nie, und zweitens bin ich der Überzeugung, dass wir die Erinnerung an das Geschehene wach halten müssen, um die Zukunft zu gestalten“, sagte Merkel. “Das sind wir außerdem den vielen Opfern des SED-Regimes und auch kommenden Generationen schuldig“, betonte Merkel. “Denn wie wollen wir ihnen erklären, wie kostbar die Freiheit ist, wenn wir Erfahrungen mit der Unfreiheit verschweigen.“

Platzeck ruft zur Versöhnung auf

Zuvor hatte der mit den Stimmen von SPD und Linkspartei am Freitag wiedergewählte Ministerpräsident von Brandenburg, Matthias Platzeck (SPD), zur Versöhnung aufgerufen. Er regte an, in die Zukunft zu schauen. Im Verhältnis zur Linkspartei als Nachfolgeorganisation der SED gehe es “immer auch um die Last der Geschichte“, schrieb er im “Spiegel“. “Diese Macht der Vergangenheit ist gut erklärlich, aber sie tut Ostdeutschland nicht gut, und sie tut der politischen Kultur in unserer seit 1990 vereinigten Republik nicht gut.“ Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erwartet in zehn Jahren annähernd gleiche Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland.

“2019 werden die ostdeutschen Länder dann annähernd auf dem gleichen wirtschaftlichen Niveau sein wie der Durchschnitt der westdeutschen Länder“, sagte der für den Aufbau Ost zuständige Minister der “Bild am Sonntag“. Im Schatten zahlreicher Gedenkveranstaltungen zum Fall der Mauer wird auch an die Pogrome der Nationalsozialisten gegen die jüdische Bevölkerung vor 71 Jahren erinnert. So wollen unter anderem tausende Berliner Schüler in einem Schweigemarsch zum Mahnmal “Gleis 17“ am Bahnhof Grunewald ziehen, von wo mehr als 50 000 Juden in die nationalsozialistischen Vernichtungslager transportiert wurden. Die Pogromnacht war Auftakt der völligen Entrechtung der Juden in Deutschland.

dpa

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