Ramsauer: TV-Zoff mit Lufthansa-Sprecher

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Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (Mitte) greift in der ARD-Sendung "Brennpunkt" den Lufthansa-Sprecher Klaus Walther (links) an. Rechts Moderator Alois Theisen.

Berlin - Äußerst scharf hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Brennpunkt" Lufthansa-Sprecher Klaus Walther attackiert. Protokoll des Wortgefechts:

Wie berichtet, hatten am Wochenende verschiedene Fluggesellschaften - darunter auch die Lufthansa - das Flugverbot wegen der Aschewolke kritisiert. “Durch das Flugverbot, das ausschließlich auf Computerberechnungen beruht, entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe“, hatte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther am Sonntag der Nachrichtenagentur AP gesagt. “Darum fordern wir für die Zukunft, dass vor einem Flugverbot verlässliche Messungen vorliegen müssen.“ 

Am Sonntagabend gerieten Walther und Bundesverkehrsminister Ramsauer dann in der ARD-Sendung "Brennunkt" massiv aneinander. Im Studio kritisierte Walther abermals, es habe keine Messung stattgefunden, "ob denn tatsächlich sich eine Wolke über Deutschland befinde und über Kontinentaleuropa." Die Behörden hätten immer nur auf ein Computermodell in England Bezug genommen, um das Flugverbot zu begründen.

Das wollte der aus München zugeschaltete Ramsauer so nicht stehen lassen: "Für mich als deutschen Verkehrsminister ist gewiss nicht maßgeblich, was der Sprecher eines deutschen Unternehmens sagt. Noch dazu, wenn es sich um offensichtliche Fehlinformationen handelt." Ramsauer weiter: "Es stimmt schlicht und einfach nicht, dass wir keine eigenen Messungen gemacht hätten, dass niemand Messungen gemacht hätte."

Er habe natürlich auch Verständnis für die Klagen von Luftverkehrsunternehmen über Umsatz einbußen, betonte der Minister. "Aber ich halte es für völlig unmöglich - um nicht zu sagen zynisch - wenn man irgendein Risiko für Leib und Leben von Passagieren dem gegenüberstellt. Eine solche Aufrechnung ist mit mir als deutschem Verkehrsminister garantiert nicht zu machen."

Darauf wiederum wollte Lufthansa-Sprecher Walther so nicht stehen lassen: "Herr Minister, die Sicherheit garantiert bei uns den Umsatz. Sicherheit ist Voraussetzung, dass wir überhaupt fliegen können. Sicherheit hat bei uns oberste Priorität. Und da sollte man nicht mit den Ängsten der Bürger spielen."

Ramsauers patziger Konter an die Adresse des Lufthansa-Sprechers: "Ich unterhalte mich normalerweise mit dem Chef, mit Herrn Mayrhuber (Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber; Anm. d. Red.). Aber ich lasse mich von dieser Seite natürlich auch in keiner Weise unter Druck setzen. Die deutsche Bevölkerung und die Passagiere haben einen Anspruch darauf, dass ihr deutscher Verkehrsminister für Sicherheit sorgt und sich nicht von Luftfahrtunternehmen unter Druck setzen lässt. Darauf kann sich Deutschland verlassen."

Am Montag legte Bundesverkehrsminister Ramsauer nach: Er wies abermals Kritik der Luftfahrtgesellschaften am derzeit geltenden Flugverbot zurück. Er sagte am Montag im Deutschlandfunk, die Gesellschaften hätten seit jeher gewusst, wie die internationalen Regeln bei Vulkanausbrüchen lauten. “Deswegen ist es schon etwas absonderlich, dass sie jetzt aufwachen, uns sagen, das sei alles nicht richtig.“ Ramsauer wies Schadenersatzforderungen zurück: “Ich wehre mich gegen jeden Ruf an den Staat.“

Ramsauer: "Sicherheit an erster Stelle"

Der Minister verteidigte die Verlängerung des Flugverbots wegen des Vulkanausbruchs auf Island. “Für mich steht Sicherheit an erster Stelle. Es wäre beinahe zynisch und mit mir politisch nicht machbar, Umsatzeinbrüche gegenzurechnen mit irgendeinem nicht vertretbaren Risiko für Leib und Leben von Passagieren.“ Ramsauer wies auch Kritik an der Datenerhebung zur Vulkanasche in der Luft zurück. Das Flugverbot gehe nicht etwa auf eine einzige britische Computersimulation zurück, wie berichtet wurde. So habe man in Deutschland mit Lasergeräten die Asche in der Luft nachgewiesen. Seit Tagen stünden die zuständigen europäischen Behörden miteinander in Kontakt, alle drei Stunden gebe es Telefonkonferenzen.

Die deutschen Flughäfen bleiben bis mindestens Montag um 20.00 Uhr geschlossen. Das hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) angesichts der Vulkanasche aus Island am Montagmorgen entschieden, wie eine Sprecherin in Langen bei Frankfurt mitteilte.

fro/dpa

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