Obama nimmt Friedensnobelpreis entgegen

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US-Präsident Barack Obama mit seinem Friedensnobelpreis.

Oslo - US-Präsident Barack Obama hat in Oslo den Friedensnobelpreis entgegengenommen. Dabei zeigte er sich vor der Verleihung durchaus selbstkritisch.

Er habe keinen Zweifel, dass es Würdigere als ihn auf der Welt für diesen Preis gebe, sagte Obama. Andererseits müssten die Menschen auch die “harte Wahrheit“ akzeptieren, dass die Gewalt nicht ausgelöscht werden könne und dass Länder manchmal Krieg führen müssten, um ihre Bürger vor feindlichen Regimen oder terroristische Gruppen zu schützen, sagte Obama in seiner Rede nach der Preisverleihung.

Obama sagte zuvor in Oslo, es gehe ihm nicht darum, einen Popularitätswettbewerb zu gewinnen, auch nicht einen so angesehenen Preis wie den Friedensnobelpreis. Wenn er Erfolg habe, dann werde auch die Kritik nachlassen. Obama reagierte mit seinen Bemerkungen auf die Kritik, dass er als Präsident noch nichts geleistet habe, was die Verleihung des Friedensnobelpreises rechtfertigen könne.

Bei seiner Entscheidung für Obama wies das norwegische Nobelpreiskomitee auf Obamas Vision einer Welt ohne Atomwaffen und auf dessen Bemühungen um die Stärkung der internationalen Diplomatie hin. Das Preisgeld von zehn Millionen Kronen (959.000 Euro) will Obama einer Wohltätigkeitsorganisation spenden, eine Entscheidung dazu steht aber noch aus.

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Die norwegische Friedensbewegung hat zu einer Protestdemonstration gegen Obama aufgerufen, zu der etwa 5.000 Teilnehmer erwartet wurden. Die Veranstalter haben überall in Oslo Plakate aufgehängt, die Obamas Motto “Change“ (Wandel) mit einem Fragezeichen versehen. In seiner Rede bei der Preisvergabe wollte Obama nach Angaben des Weißen Hauses erklären, warum er trotz seiner Bemühungen um Frieden 30.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan schickt.

Vor der Nobelpreiszeremonie am frühen Nachmittag standen Treffen mit Ministerpräsident Jens Stoltenberg und König Harald V. auf dem Programm.

Nicht die gleiche Kategorie wie Mutter Teresa

Bis zuletzt arbeitete Obama an seiner Rede zur Entgegennahme der Auszeichnung. Er wollte darin auf sein Konzept von amerikanischer Führungsstärke ebenso eingehen wie auf die Verantwortung anderer Staaten zur Förderung des Friedens, wie aus Regierungskreisen verlautete.

Obama hat offenbar selbst zwiespältige Gefühle angesichts der Preisverleihung. “Er versteht und akzeptiert, dass er nicht in die gleiche Kategorie wie Mandela und Mutter Teresa gehört“, sagte Regierungssprecher Robert Gibbs mit Blick auf die Liste der bisherigen Preisträger.

Obama im Nobel-Institut

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Obama traf am Donnerstag in Oslo ein, um den diesjährigen Friedensnobelpreis entgegenzunehmen. Seine Vorgänger hätten “den Stimmlosen eine Stimme“ gegeben, erklärte er bei seiner Ankunft in Norwegen, wo er als erstes das Nobel-Institut besuchte. Dort tritt jedes Jahr das Nobel-Komiteezusammen, um über die Preisvergabe zu entscheiden. Obama schrieb einen längeren Eintrag in das Gästebuch des Instituts, was seine Frau Michelle zu der Bemerkung veranlasste: “Schreibst Du ein Buch hier?“ Und als Nobel-Sekretär Geir Lundestad sie bat, sich auch einzutragen, versprach Michelle Obama: “Meiner wird nicht so lang werden.“ Obama erklärte, er habe bei dem Eintrag die Bilder der anderen Friedensnobelpreisträger im Blick gehabt, besonders das von Martin Luther King.

Der 1964 an den schwarzen Bürgerrechtler vergebene Preis habe für dessen Sache eine “elektrisierende Wirkung“ gehabt und sein Ansehen in der ganzen Welt erhöht. In Stockholm werden am (heutigen) Donnerstag, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie, Wirtschaft und Literatur übergeben. Den Literaturnobelpreis nimmt die deutsche Schriftstellerin Herta Müller entgegen.

AP

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