
Siegerland, 14.09.2008 01:30 Uhr
Das "Bracelet", ein Armband, ist für Pokerspieler so etwas wie der WM-Pokal für Fußballer. Das größte, was man in diesem Sport erreichen kann. Zwei Siegerländer sind einen mächtigen Schritt weiter. Sie spielen am kommenden Wochenende bei der "World Series of Poker Europe" in London. Der steinige Weg dorthin begann beim heimischen Pokerclub "Angry Dice e.V.".
Einer der beiden Glücklichen, Christian Werner, ist dort sogar Vorsitzender. Im Vereinsheim "Dice Box" in Siegen-Bürbach wird Woche für Woche gepokert. Viele dutzende Spieler pilgern immer mittwochs ab 18 Uhr in den Brüderweg, um ihrem Hobby nachzugehen. Der Erfolg des aufstrebenden Vereins (rund 170 Mitglieder nach nur zwei Jahren Bestehen) sprach sich herum bis ins deutsche "Pokermekka" nach Berlin. Der Präsident des dortigen "Five Diamond Pokerclubs" kam im Juli in die Krönchenstadt. Andreas Schönrock begutachtete die Organisation der "Dice Box", spielte einige Turniere mit. Und stellte dem Siegener Verein anschließend fünf so genannte "Wildcards" für ein großes Turnier am 5. und 6. September in Berlin bereit.
Dieses wurde vom Internet-Pokerraum "Betfair" gesponsort. Mehr als 300 Pokerspieler aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz spielten dort um insgesamt 9 Tickets und Reisen zur World Series in London.
Die fünf Siegener Starter wurden unter 50 Spielern vereinsintern ermittelt. Neben Christian Werner schafften es Franco Formiglio, Slawek Wozniczka, Metin Mutluel und Thomas Graßhoff bis nach Berlin.
Dort lieferten die heimischen Zocker dann eine tolle Vorstellung ab. Während es für Formiglio und Mutluel an Tag eins nicht so gut lief und sie ausschieden, qualifizierten sich die drei restlichen für das Finale am Sonntag. Und auch dort machten sie Furore: Wozniczka schied erst auf dem 17. Platz aus — Graßhoff und Werner nahmen sogar am "Final Table" der letzten 9 Spieler Platz und hatten damit das London-Ticket in der Tasche. Der Vereinsvorsitzende belegte am Ende gar den zweiten Platz.
Keine Frage: Mit dieser Vorstellung hat sich der "Angry Dice e.V." endgültig in die Spitze der deutschen Szene gepokert. Denn neben sämtlichen Fachmagazinen werden auch einige TV-Stationen vom Turnier in Berlin berichten. Ein Kamerateam begleitet die beiden Siegener auch am Wochenende in der britischen Hauptstadt.
"Für uns als Verein eine tolle Sache", sagt Werner. "Wir haben richtig Aufsehen erregt. Siegen hatten viele Spieler in Berlin als Ort noch nie wahrgenommen. Jetzt kennen sie uns glaube ich ganz gut..." Was rechnen sich die beiden für die World Series aus? "Dabei zu sein ist ja schon der Wahnsinn. Man muss abwarten, wie es in diesem mit Profis bestückten Feld läuft. Verstecken wollen wir uns jedenfalls nicht", meint Graßhoff. Und, wer weiß, vielleicht wartet auf einen der beiden am Ende gar das begehrte "Bracelet"...
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