"Fange nie an aufzuhören!"

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Seinen 85. Geburtstag feier Joachim Fuchsberger fernab vom Trubel und Glückwunschreigen.

München - Joachim "Blacky" Fuchsberger wird am 11. März 85 Jahre alt. Doch der Schauspieler und Entertainer denkt nicht daran, sich vollkommen aus dem Showbusiness zurückzuziehen

Nein, er wird nicht da sein, an seinem Ehrentag. Joachim Blacky Fuchsberger wird sich dem Trubel und dem Glückwunschreigen zu seinem 85. Geburtstag entziehen. Mit unbekannten Ziel verreist. Nicht, dass ihn der Rummel noch verfolgt... „Es ist doch alles schon gesagt und geschrieben. Vielfach. Es gibt nichts Neues“, entschuldigt Gundel Fuchsberger (81) die Verweigerungshaltung – auch gegenüber Interview­anfragen. Eine schwere Erkältung schränkt den Redefluss zusätzlich ein.

Gundel Fuchsberger passt auf – auf ihren Mann. Seit bald 60 Jahren. Sie ist Blackys ­„Regierung“, seine Liebe, sein Ein und Alles – seit ihr einziger Sohn Thommy tot ist. Ihr, nur ihrem Willen, beugt er sich und sagt, er sei „ein stolzer Pantoffelheld“. Und wenn sie zu Bett gehen, halten sie Händchen bis zum Einschlafen. Seit bald 60 Jahren. In guten wie in schlechten Tagen.

Der schwerste Schicksalschlag traf ihn 2010

Ja, es gab viel gute ­Tage in Blackys Leben, auch einige schlechte – aber auch einen, der ­alles Denken in die Zukunft zunichte machte. Dieser unglückselige 14. Oktober 2010, als sein Sohn Thommy (†53) in Unterzucker fiel, in Kulmbach in einen Bach stürzte und ertrank. Und wenn es bei diesem Schicksalsschlag überhaupt noch ein Fünkchen Trost geben kann, dann ist es dies: Nach 20 Jahren der Funkstille haben die beiden Enkel Julien ­Maximilian (23) und Jenny (26) aus der vierjährigen Ehe mit der ­Stewardess Silvia in Thommys letztem Lebensjahr noch den Weg von Frankfurt zu ihrem Papa und zu den Großeltern in Grünwald zurückgefunden. So wurden die beiden Enkel für Oma und Opa nach Thommys Tod ein Stück neuer Zukunft, an der man sich festhalten konnte, ein Grund weiterzumachen, auch wenn Blacky Fuchsberger über seinen Sohn sagt: „Bis an das Ende meiner Tage werde ich ihn nie loslassen. Er ist immer da.“

Und doch: Über all der Trauer haben Gundel und Blacky Fuchsberger auch wieder ein bisschen Freude im Leben gefunden: Der legendäre Entertainer macht sogar wieder Witze! Statt Interviews zu geben und das immer Gleiche zu sagen, veröffentlichte er zum Geburtstag ein Gedicht – eine augenzwinkernde Antwort auf die Frage „Wie geht es Ihnen?“ Denn mit 85 – so schreibt Fuchs­berger, „da macht sich mit Verlaub, das lange Leben so langsam aus dem Staub“. Und trotzdem steht am Ende der Verse: „Ich kann – ihr werdet lachen – im Alter noch unheimlich viel Blödsinn machen. Drum, haut auf die Pauken und lasst die Korken knallen, wir alten Rabauken zeigen es allen.“

Mit Worten spielen – darin war und ist Blacky Fuchsberger seit jeher Meister. Nicht nur als Showmaster in "Auf los geht’s los", als Talkmaster in "Heut’ abend", als eloquenter Kommissar in den Edgar Wallace-Filmen, sondern auch als Schlagertexter – und zwar einer der Besten! Er schrieb für Harald Juhnke, Gilbert Becaud oder Udo Jürgens, mit dem er u.a. den Millionenseller "Was ich dir sagen will" landete. Ja, Fuchsberger stand lange auf der Sonnenseite des Lebens. Bis heute ist er ein Bild von einem schönen Mann. Und er konnte seinen Traum von seiner Wahlheimat Australien in Sydney und Tasmanien leben und daraus sogar eine höchst erfolgreiche Sendereihe schöpfen: Terra Australis.

Er schwor sich selbst "Unabhängigkeit"

Und als Fuchsberger mit einem Bau- und Immobilienunternehmen hoch verschuldet baden ging, rettete ihn der Reklamevertrag für 4711 vor dem Ruin. Für das Kölnisch Wasser reiste er schließlich als Held um die Welt. Denn was der gebürtige Stuttgarter nie mehr sein wollte: fremdbestimmt. Wie damals, als er mit 14 in den Krieg musste – als Flakhelfer, man könnte auch sagen, Kanonenfutter. Er sah Kameraden grausam sterben und Städte in Schutt und Asche fallen. Jeden Befehl empfand Blacky als Vergewaltigung. So schwor er sich für den Rest seines Lebens „Unabhängigkeit“. Doch auch diese Schattenseite seines Lebens barg ein wenig Glück: Regisseur Paul May entdeckte Fuchsberger als Schauspieler!

Er sollte seine Kriegserfahrung möglichst echt in den 08/15-Filmen darstellen – so bekam er die wichtige Hauptrolle des Gefreiten Asch, und die machte ihn als Schauspieler berühmt. Am Ende seines Schauspielerlebens landete Fuchsberger vor zehn Jahren noch einmal einen ganz großen Wurf – in dem ­Theaterstück Der Priestermacher. 170 Mal begeisterte er zusammen mit Schauspieler Ralf Bauer sein Publikum, und der Co-Star wurde ihm sogar zum „Seelenverwandten“. Selbst als Bauer aus dem kongenialen Team ausgestiegen war, begeisterte Fuchsberger noch 61 Mal mit Pascal Breuer in der Komödie im Bayerischen Hof seine treuen Fans – das waren Sternstunden en suite!

Verstehen, Vertrauen, Verzeihen und Verzichten

Ja, Fuchsberger ist mit vielen Talenten gesegnet – und aus allen hat er etwas gemacht! Als erster deutscher Botschafter des Kinderhilfswerks Unicef hat er sich auch für die Ärmsten der Welt eingesetzt. Stets seine Frau Gundel an der Hand, die ihre eigene Karriere als Schauspielerin aufgegeben hatte, um ganz für ihren Mann und den Sohn da sein zu können. „Sie hat mir geholfen, ein Leben lang die richtigen Entscheidungen zu treffen“, wird Joachim Fuchsberger nicht müde, auch die Rolle seiner Frau als Gefährtin und Managerin zu würdigen.

Fuchsbergers Rezept für diese unsterbliche Liebe: Verstehen, Vertrauen, Verzeihen und Verzichten. Und sein Lebensmotto: Fange nie an, aufzuhören. Das ist ihm auch mit 85 Jahren noch Maxime. So schreibt er gerade wieder an einem neuen Buch und hofft darauf, dass er noch in einem weiteren Wixxer-Film mitspielen kann. Denn kein Schicksal kann seinen Sportsgeist bezwingen. Er sagt: „Auf der Zielgeraden ist man gefordert, noch mal das Allerletzte aus sich herauszuholen!“

Ulrike Schmidt

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