Nachrichtenarchiv, März 2012
"Die Moskitos haben zugeschlagen"
Lehrer und Lehrerin der Schule schmissen sich in Schale, Hans-Joachim Pfeiffer wurde in eine Capulana gewickelt.

"Die Moskitos haben zugeschlagen"

VermischtesLennestadt

Hans-Joachim Pfeiffer war auf einer Hilfsaktion für den Verein "Förderer der Partnerschaft der Anne-Frank-Schule mit Schulen in Mosambik" unterwegs. Mittlerweile ist Hans-Joachim Pfeiffer wieder nach Lennestadt zurückgekehrt. Hier Teil drei seines exklusiven Reiseberichts:

"Heute ist der große Festtag in Inkomati. Die neue Schule mit zwei Klassenräumen, einer für den Kindergarten, der andere für die Erwachsenen des Dorfes ist fertig.

Auf dem Grundstück der Schule gibt es jetzt eine Pumpe, die klares und sauberes Wasser fördert.

Für Mosambik keine Selbstverständlichkeit. 85 Meter tief musste man Bohren, um sauberes Wasser zu finden. Das Schulgelände wird begrenzt durch eine 1,20 m hohe Mauer, um die zahlreichen Ziegen abzuhalten, die die Schulveranda bisher massiv verschmutzten. Vor allem, aber wegen der zahlreichen hochgiftigen Kobras, die das Leben der Kinder gefährdeten. Als wir uns auf dem für normale PKWs unbefahrbaren Feldweg der Schule nähern, ist der große Dorfplatz schon mit Menschen gefüllt. Am frühen Morgen haben sie eine Kuh und etwa 50 Hühner geschlachtet. Pater Vicente hat am Vortag schon einen großen Sack Reis besorgt, und eine große Menge Getränkepulver, um damit mehr als 100 Liter Saft herzustellen. Etwa 20 Frauen sitzen im Schatten der Bäume und bereiten in zahlreichen großen Töpfen auf offenem Feuer das Festessen vor. Die Kinder und Erwachsenen sind festlich gekleidet, die Kinder in den neuen T-Shirts und Mützen aus Lennestadt und die Frauen in bunten Capulanas, die um die Hüften geschlungen werden.

Die junge, hübsche Lehrerin in ihrem langen schwarzen Kleid sieht aus wie die Königin der Nacht und der Lehrer, in dunklem Anzug und rotem Schlips, ist der bestangezogene Mann des Dorfes.

Die Kinder begrüßen uns mit einem Lied und dann haben die Frauen ihren großen Auftritt: In einer langen Reihe tanzen sie singend auf uns zu, umarmen jeden von uns und küssen uns. Dann kleiden uns die Frauen mit einer Capulana ein. Bei meinen beiden Begleiterinnen, Lina und Filomena aus Hamburg, sieht das auch richtig schick aus. Ich fühle mich eher etwas unwohl in dieser Frauenkleidung, aber ablegen darf ich sie nicht.

Nach weiteren Tänzen, Liedern und Theaterstücken ist es so weit: Das Essen ist fertig. In Schüsseln und Töpfen werden Reis, Rind- und Hühnerfleisch, Matapa - ein typisches mosambikanisches Gemüse - und diverse Salate angeboten. Es schmeckt ausgezeichnet. Aber ein besonderes Erlebnis für mich ist der Anblick in dem großen Hauptraum. Hier sitzen etwa 100 Kinder, ganz kleine und größere, vor ihren Tellern, hoch gefüllt mit Reis und Fleisch, was für sie sehr ungewöhnlich ist. Es herrscht eine feierliche Stille, jeder ist ganz mit seinem Essen beschäftigt. Es ist schwierig aufzubrechen, denn alle wollen, dass wir noch bleiben. Unter der Plane der Ladefläche nehmen wir eine halbe Kuh mit und geben sie im Internat der Sekundarschule von Ressano Garcia ab. Das wird den Speiseplan der 55 Kinder in den nächsten Tagen erheblich erweitern. Aber auch in Inkomati geht das Fest weiter. Das restliche Fleisch der halben Kuh muss gegessen werden, denn ein Kühl- oder Gefrierschrank gibt es nicht.

Deshalb plant Pater Vicente auf dem Dach der Schule und der beiden kleinen Lehrerhäuschen, je eine Solarpaneele zu errichten. Der größte Teil des Projekts Inkomati ist erfolgreich abgeschlossen und von uns finanziert. Neben der Solaranlage brauchen die Lehrerin und der Lehrer eine Dusche und eine einfache Kochgelegenheit in einer Schilfhütte neben ihrem Haus. Bisher mussten sie bei einem Nachbarn duschen. Außerdem hat Pater Vicente neben dem Kindergarten einen Spielplatz mit geeigneten Spielgeräten vorgesehen. All diese Kleinprojekte werden noch einmal ca. 10.000 Euro kosten. Allen Spendern, die mithelfen wollen, können wir versichern, dass jeder Euro von Pater Vicente verantwortungsvoll für diese Projekte eingesetzt wird. Durch unsere Kooperation mit ihm können wir zwar nicht die Probleme Mosambiks lösen, aber dass heute in dem extreme armen Dorf Inkomati ca. 100 Kinder in den Kindergarten oder in die Schule gehen können und damit eine Perspektive für ihre weitere Zukunft haben, das verdanken sie vielen Menschen in Lennestadt, dem Ruhrtalgymnasium in Schwerte und der Gesamtschule in Baunatal, die unser Projekt Inkomati ebenfalls unterstützen. Dafür herzlichen Dank!

Bereits in Maputo zum Abflug bereit, erreicht uns noch eine Hiobsbotschaft:

Die Moskitos haben in Inkomati zugeschlagen. Etwa 50 Prozent der Kinder und die Lehrerin sind an Malaria erkrankt. Wir kaufen noch schnell Medikamente gegen die Malaria und hoffen, dass sie wirken."

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Lehrer und Lehrerin der Schule schmissen sich in Schale, Hans-Joachim Pfeiffer wurde in eine Capulana gewickelt.
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Pure Lebensfreude trotz bitterer Armut: Die Frauen des Dorfes Inkomati tanzten beim großen Fest.

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