Nachrichtenarchiv, Juli 2010
Ein unmoralisches Angebot
Eine begeisternde Aufführung erlebten die Schüler im PZ in Meggen.

Ein unmoralisches Angebot

VermischtesLennestadt

Zum Schuljahresende spielte der Literaturkurs des Gymnasiums der Stadt Lennestadt mit der Inszenierung "Der Besuch der alten Dame" gegen den Werteverfall unserer Gesellschaft an - oder vielleicht doch nicht?

"In dieser Zeit ein Schriftsteller sein zu wollen, heißt mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. Meine Damen und Herren, das tue ich leidenschaftlich gern, und ich bin der Meinung, dass Wände gerade dazu erfunden sind." Vier Jahre nach der Veröffentlichung dieses Statements in einem kleinen Text mit dem Titel "Fingerübungen zur Gegenwart" kam Friedrich Dürrenmatts populärstes Theaterstück "Der Besuch der alten Dame" in Zürich zur Uraufführung.

Auch 54 Jahre später hat das Bühnenspiel Dürrenmatts nichts an seiner Präsenz eingebüßt, was der GymSL-Literaturkurs des Jahres 2010 eindrucksvoll bewies. Auf der Bühne im Pädagogischen Zentrum der Anne-Frank-Hauptschule in Meggen erzählten die Akteure die Geschichte der reichen Claire Zachanassian (Rieke Klünker), die in ihre Heimatstadt reist und den Daheimgebliebenen ein unmoralisches Angebot macht: 500 Millionen für die verschuldete Stadt und 500 Millionen gleichmäßig verteilt für alle Bürger. Der Haken: Ihr einstiger Geliebter Alfred Ill (Sebastian Sonntag) möge bitte ermordet werden. Sie will Gerechtigkeit und sie will sie sich kaufen: "Die Welt machte mich zu einer Hure, nun mache ich sie zu einem Bordell."

"Der Besuch der alten Dame" ist ein amüsantes sowie ein nachdenkliches Rachestück, welches den maroden Werteverfall in unserer Gesellschaft thematisiert.

Der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 rund um die Lehrer Martin Busch und Kerstin Muckenhaupt übte das Stück über ein ganzes Schuljahr hindurch ein und interpretierte es teilweise neu. So verlagerten sie beispielsweise den Schauplatz ihres Theaterstücks nach Meggen oder erwähnten verschiedene Pädagogen des Städtischen Gymnasiums immer wieder in lustigen, kleinen Episoden.

Die Bewohner des Schauspiels sind halb Witz-, halb Trauerfiguren. Man schaut ihnen gern beim allmählichen Zerfall ihrer Moral sowie bei der heiter, "gelb-beschuhten" Einwilligung in den Ill-Mord zu.

Zum fünfjährigen Bestehen des Literaturkurses erarbeiteten Herr Busch und Frau Muckenhaupt einen turbulenten und verschwitzten Abend unter dem aufgeheizten Dach des Pädagogischen Zentrums, an welchem vor allem die beachtlichen schauspielerischen Leistungen der Schüler überzeugten. Die Akteure Maria Heite, Serpil Abdul, Britta Erhart, Julia Wilms, Alexander Heimes, Nina Kleffmann, Sabrina Keseberg, Patrick Brzezina, Julia Sprez, Marwin Feldhaus, Henrik Trudewind, Arzu Tekinaslan, Frederike Panknin, Corinna Fischer, Beata Gopon, Kai Müller, Frederike Panknin, Catharina Schmerbeck, Esra Yazlak sowie die Hauptakteure Rieke Klünker, Sebastian Sonntag und Tabea Dallwitz lieferten souverän eindringliche und belustigende Szenen ab, welche die Zuschauer trotz unerträglicher Hitze an ihre Sitzplätze fesselten. Ein Besuch der Vorstellung war ohne jeden Zweifel lohnenswert.

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