
Oberdresselndorf, 12.02.2012 01:30 Uhr
"Mir war wichtig, vor meinem Studium einen Einblick in die Arbeit zu bekommen", so Ann-Kristin Berg. Die Oberdresselndorferin ist eine von zwei jungen Frauen, die ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Behindertenwohnheim Haus Klotzbach in Neunkirchen ableisten. Bundesweit sind aktuell etwa 27.000 Frauen und Männer im BFD, 35.000 Stellen werden jährlich vom Bund gefördert.
Das Interesse an dieser freiwilligen Arbeit ist größer als erwartet. Viele soziale Einrichtungen hatten die Befürchtung, die Stellen, die mit dem Ende des Zivildienstes durch die Abschaffung der Wehrpflicht vakant wurden, nicht auffangen zu können.
Aber die Resonanz ist gut. "Das mag daran liegen, dass man praktische Erfahrungen sammeln kann, die Voraussetzung für Studium oder Beruf sind", heißt es seitens der Gemeindeverwaltung. Der Aspekt, etwas Sinnvolles zu tun, andere Menschen zu unterstützen und ihnen zu helfen wiege sicher genauso schwer. Da es keinerlei Altersbeschränkungen gibt, nutzen vielfach auch ältere Menschen die Möglichkeit, sich in Kindergärten, Krankenhäusern oder Altenpflegeheimen zu engagieren. Die Möglichkeiten, Gutes zu tun, sind vielfältig.
Ann-Kristin Berg kümmert sich seit dem 1. September vorigen Jahres um geistig und körperlich behinderte Menschen im Haus Klotzbach. Hier werden derzeit 32 Bewohner in vier verschiedenen Wohngruppen betreut. Der geteilte Schichtdienst war für sie ebenso wenig ein KO-Kriterium wie der Dienst am Wochenende: Die 20-Jährige investiert viel Liebe und Herzblut - und bekommt ein großes Maß Vertrauen zurück. Ihre Tätigkeit hat sie bestärkt, das Studium der Heilpädagogik zu absolvieren. Dass sie anschließend weiter mit Menschen arbeiten möchte, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind, steht für sie außer Frage.
Diese Erfahrung hat Christina Ziebold-Jung, Leiterin der Einrichtung, schon häufig gemacht. Die Arbeit mit behinderten Menschen ist nicht nur Beruf, sie ist Berufung. Und sie scheint einen nicht mehr loszulassen: Viele der Zivildienstleistenden oder derjenigen, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Haus Klotzbach abgeleistet haben, arbeiten heute in sozialen Einrichtungen.
Auch Jennifer Flade strebt diesen Weg an. Die Dermbacherin möchte im Sommer eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin am Berufskolleg AHS beginnen. Mit dem Taschengeld der Einrichtung kommt die 16-Jährige über die Runden. Maßgeblich ist für sie, "dass die Arbeit Spaß macht". Und dazu trägt, neben der intensiven Arbeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, die gute Integration ins Team bei, die die beiden "Bufdis" loben.
Eingestellt wurden die beiden jungen Frauen über die Diakonie Südwestfalen, die Trägerin der Einrichtung ist. Von ihr - wie auch von den anderen Anbietern - werden Einführungsveranstaltungen und verschiedene kostenlose Seminare organisiert, die auf den - regulär zwölfmonatigen - freiwilligen Dienst vorbereiten und ihn ergänzen sollen.
Interessierte finden im Internet unter http://www.bundesfreiwilligendienst.de eine Platzbörse und viele Hintergrundinformationen.
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