"Tarifpause"

So will Karstadt Millionen an Gehältern sparen

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Eine Karstadt-Filiale (Archivbild)

Essen - Die Geschäfte laufen nicht gut bei Karstadt. Nach dem Abbau von rund 2000 Stellen meldet der Konzern jetzt für zwei Jahren einen Tarifausstieg an. Verdi reagiert mit massiver Kritik und Drohungen.

Der Warenhauskonzern Karstadt will mit einer zweijährigen „Tarifpause“ Millionen an den Gehältern der Mitarbeiter sparen. Das Unternehmen habe für die Zeit bis 2015 bei den Arbeitgeberverbänden eine Mitgliedschaft ohne Tarifbindung angemeldet, teilte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz am Montag in Essen mit. Künftige Tariferhöhungen haben damit für Karstadt keine Wirkung. In der aktuellen Tarifrunde fordert die Gewerkschaft Verdi für den Einzelhandel etwa in NRW 6,5 Prozent mehr Geld. Karstadt spare durch den Schritt in zwei Jahren geschätzte 36 Millionen Euro, hieß es aus Unternehmenskreisen.

Die Gewerkschaft kritisierte den Tarifausstieg scharf als „Skandal“ und „Fehlentscheidung“. Die Mitarbeiter hätten seit 2004 etwa über Lohnverzicht bereits mehr als 650 Millionen Euro in ihr Unternehmen investiert, der Eigner und Milliardär Nicolas Berggruen dagegen so gut wie nichts, erklärte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Berggruen hatte das Unternehmen 2010 aus der Insolvenz übernommen.

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Der kriselnde Warenhauskonzern hatte für Montag Betriebsräte aller Standorte in der Essener Zentrale zusammengerufen. Die Kette leidet nach nicht bestätigten Medienberichten unter deutlichen Umsatzeinbußen. Karstadt-Chef Andrew Jennings hatte die Probleme Ende März mit der komplexen Sanierung erklärt, die kurzfristig auch negative Effekte bringen könne.

Karstadt gehe in der gegenwärtigen Tarifrunde einen „eigenen, pragmatischen Weg“, erklärte Arbeitsdirektor Weitz. Ziel sei die vollständige Gesundung des Unternehmens. Bis 2015 wolle das Management wieder zur Tarifbindung zurückkehren. Der Schritt bringe keine Verschlechterung. Alle Sonderzuwendungen und das Urlaubsgeld seien sicher. Es gehe nur um künftige Gehaltsentwicklungen. „Wir gehen nicht unter den Status Quo“, betonte ein Unternehmenssprecher. Außerdem garantiere das Unternehmen konzernweit einen Mindestlohn von 8,50 Euro.

Zahlreiche neue Marken einzuführen und zugleich 2000 Arbeitsplätze zulasten des Services abzubauen, sei bereits das falsche Signal an die Kunden gewesen, kritisierte Verdi. Die Beschäftigten würden die Unternehmensführung jetzt „eindringlich erinnern“, dass sie nicht an berechtigten Arbeitnehmeransprüchen rütteln dürften. Was damit konkret gemeint ist, ließ die Gewerkschaft vorerst offen.

dpa

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