
Hochsauerland, 07.02.2010 01:30 Uhr
Die Landwirte klagen über die Zunahme von Schäden, die durch Wildschweine verursacht werden. Am morgigen Montag um 19.30 Uhr soll im Speisesaal der Schützenhalle Velmede öffentlich darüber diskutiert werden.
Sowohl Vertreter des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, der Kreisjägerschaft als auch Vertreter der Forstwirte werden sich gemeinsam auf dem Podium der Diskussion stellen.
Offizielle Zahlen über die Wildschweinpopulation gibt es nicht, das gestaltet sich auch als durchaus schwierig, da Wildschweine große Strecken zurücklegen und sich nicht nur in einem einzigen Jagdrevier aufhalten. Auch von der Anzahl der verursachten Schäden lässt sich nicht unbedingt ein Rückschluss auf die Population der Wildschweine schließen, hier spielt auch das den Tieren zur Verfügung stehende Nahrungsangebot im Wald eine Rolle.
Bekannt ist allerdings die Anzahl der von Jägern erlegten Tiere. "Die lag im vergangenen Jahr bei 5300 Stück und im Vorjahr bei 2000 bis 3000 Stück", sagt Bernholz, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, und sieht darin ein Indiz für das Anwachsen der Population. Zumal es in diesem Jahr sehr viele Buchecker und Eicheln gibt — die Hauptnahrung des Schwarzwildes. In solchen Jahren wächst erfahrungsgemäß die Population.
Für die Forstwirte ist das Schwarzwild ein durchaus nützlicher Faktor. Durch das ständige Wühlen im Boden lockern sie diesen auf und verteilen die Samen der Pflanzen. Zum Leidwesen von Theo Wenniges tun sie dies allerdings auch auf seinem Acker. Das verursache, meint er, nicht nur Schäden an den Pflanzen: "Bis zu ein Quadratmeter groß sind die Löcher und bei der Ernte nicht direkt zu sehen. Geraten die Erntemaschinen dort hinein, kann es zu Schäden und größerem Verschleiß an den Maschinen kommen", berichtet Wenniges, der nicht nur Landwirt, sondern auch Forstwirt und Jäger ist.
Selbst wenn eine stärkere Bejagung notwendig sei, so lasse sich dies nicht unbedingt auch leicht umsetzen. "Das Jagen ist für die Jäger ein Hobby und geschieht in der Freizeit", so der Vorsitzende der Kreisjägerschaft. Er rechnet vor: "Um ein einziges Schwein zu töten, sitzt man im Schnitt 60 bis 70 Stunden auf dem Hochsitz."
Es gibt also viel zu diskutieren in Velmede über das Spannungsfeld zwischen Landwirten, Forstwirten und Jägern in Sachen Wildschweine. Ein paar Tipps für die Landwirte gibt es bereits jetzt in Form eines Flyers, der von den Verbänden der Waldbauern und Jäger gemeinsam herausgebracht worden ist.
Unmut über diese Veranstaltung zeigt Heinz Bökamp von der Arbeitsgemeinschaft Natur, Umwelt Kultur. Er ist als Erster Vorsitzender sauer darüber, nicht zur Podiumsdiskussion eingeladen worden zu sein. Die Arbeitsgemeinschaft setzt sich unter anderem dafür ein, das eingeführte Fütterungsverbot des Wildes wieder abzuschaffen. Ein Punkt, der bei der Diskussion in Velmede außen vor bleiben soll, das habe er in einem Telefonat erfahren.
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