Ralf Stiftel

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Das Ruhrmuseum zeigt die Ausstellung „Die Emscher – Bildgeschichten eines Flusses“

Das Ruhrmuseum zeigt die Ausstellung „Die Emscher – Bildgeschichten eines Flusses“

Essen – Schnurgerade läuft die Emscher in die Ferne. Ihre steilen Ufer sind grasbewachsen, große Strommasten säumen ihre rechte Seite. Der Wasserspiegel ist nur von einigen Wirbeln gebrochen, die Masten reflektieren darin zu einem gleichförmigen Rhythmus. Man sieht in der Ferne eine Eisenbrücke, einen Kran, eine Kirche.
Das Ruhrmuseum zeigt die Ausstellung „Die Emscher – Bildgeschichten eines Flusses“
Sandra Wissmann inszeniert Thomas Pigors Operette „Drei Männer im Schnee“ nach Erich Kästner in Gelsenkirchen

Sandra Wissmann inszeniert Thomas Pigors Operette „Drei Männer im Schnee“ nach Erich Kästner in Gelsenkirchen

Gelsenkirchen – In der Silvester-Polonaise durch das Grand Hotel Bruckbeuren tanzen ein paar uniformierte SA-Männer mit. Aber „des san ka Nazis, des san doch Österreicher“, beschwichtigt man sich. Dann rauschen sie ins Jahr 1933, die Feierbiester taumeln immer schlimmer. Im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier gibt das eine große Revueszene und eine ekstatische Chornummer über den „32. Dezember“, wenn um Mitternacht das neue Jahr da, aber der Tag noch nicht zu Ende ist.
Sandra Wissmann inszeniert Thomas Pigors Operette „Drei Männer im Schnee“ nach Erich Kästner in Gelsenkirchen
Der Hartware Medienkunstverein Dortmund zeigt Arbeiten der britischen Künstlerin Fiona Banner

Der Hartware Medienkunstverein Dortmund zeigt Arbeiten der britischen Künstlerin Fiona Banner

Dortmund – Wenn man den Vorhang am Eingang des Hartware Medienkunstvereins im Dortmunder U durchschreitet, empfängt einen dröhnender Orgelklang. Man wendet sich zur Leinwand, wo sich eine seltsame Szene in einer Küstenlandschaft abspielt. Zwei stahlgraue Wesen scheinen aus dem Schlaf zu erwachen, richten sich auf, werden lebhafter, gehen aufeinander zu, wenden sich wieder ab. Langsam erkennt man die Konturen von Kampfjets, nachgebaut aus Plastik, aufblasbar wie Schwimmtiere oder Luftmatratzen.
Der Hartware Medienkunstverein Dortmund zeigt Arbeiten der britischen Künstlerin Fiona Banner
Die Kunstsammlung NRW zeigt das Werk von Reinhard Mucha

Die Kunstsammlung NRW zeigt das Werk von Reinhard Mucha

Düsseldorf – Die raumfüllenden Installationen von Reinhard Mucha erschließen sich nicht immer auf den ersten Blick. „Das Deutschlandgerät“ zum Beispiel erschlägt die Wahrnehmung mit dem dumpfen Dröhnen aus Subwoofern, mit einem visuellen Arrangement, das eher an einen altmodischen Computerraum, eine Schaltanlage denken lässt als an eine Skulptur. Dabei ist in dieser Arbeit, die der Künstler 1990 für den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig konzipierte, bis in den Titel jedes Detail durchdacht. Ein Deutschlandgerät gab es wirklich, es diente dazu, verunglückte Züge wieder aufzugleisen. Mucha spielte nach dem Mauerfall mit den Beiklängen des Wortes, mit Nationalismus und seiner Ironisierung.
Die Kunstsammlung NRW zeigt das Werk von Reinhard Mucha
Jessica Weisskirchen inszeniert Büchners „Woyzeck“ bildstark am Theater Dortmund

Jessica Weisskirchen inszeniert Büchners „Woyzeck“ bildstark am Theater Dortmund

Dortmund – Gebeugt geht Woyzeck. Ihn drückt ein Rucksack, wie ein Parasit an seinem Rücken. Vielleicht ist dieses Geschöpf es auch, das mit ihm spricht. Den Wahn von Georg Büchners berühmter Figur vergegenwärtigt Raphael Westermeier am Schauspiel Dortmund, dass man ihn körperlich fühlt. Alle wollen etwas von dem Mann. Als geschundene Kreatur schleppt er sich durch das Leben, traktiert vom Hauptmann mit Exerzierübungen und vom Doktor, der ihn als Versuchsobjekt für Ernährungsexperimente nimmt.
Jessica Weisskirchen inszeniert Büchners „Woyzeck“ bildstark am Theater Dortmund
Ausstellung „Barbarossa – Das Vermächtnis von Cappenberg“

Ausstellung „Barbarossa – Das Vermächtnis von Cappenberg“

Cappenberg – Die Gravur in der sogenannten Taufschale Friedrichs I. Barbarossa zeigt schon den Säugling in einer Herrscherpose. Obwohl sein Taufpate Graf Otto von Cappenberg, der ihn hält (links), und der taufende Bischof ihn überragen, beherrscht der spätere deutsche Kaiser die Darstellung. Das Taufbecken wirkt wie ein Thron. Die Zeremonie nimmt die spätere Königssalbung vorweg.
Ausstellung „Barbarossa – Das Vermächtnis von Cappenberg“
Johan Simons übersetzt in Bochum das Drama „Alkestis“ ins Menschliche

Johan Simons übersetzt in Bochum das Drama „Alkestis“ ins Menschliche

Bochum – Dieser Admetos kostet die letzten Minuten mit seiner Alkestis in einem ganz irdischen, körperlichen Sinn aus. Immerzu umarmt und küsst er sie, hebt sie an, dass sie ihre Beine um ihn schließt. Und während die Amme von Trauer spricht und von der edlen Größe, dass Alkestis bereit ist, anstelle ihres Gatten zu sterben, eilt das Abschiedspaar zum Wohnwagen für eine weitere letzte Runde Sex.
Johan Simons übersetzt in Bochum das Drama „Alkestis“ ins Menschliche
Die Essener Ausstellung „Image Capital“ zeigt Fotografie als Technologie

Die Essener Ausstellung „Image Capital“ zeigt Fotografie als Technologie

Essen – Um 1960 stand die Aperture Card für die Zukunft der Speichertechnik. Auf einer Lochkarte wurden Daten gespeichert, ein eingearbeitetes Negativ verwahrte zusätzliche Informationen, zum Beispiel einen Konstruktionsplan. Kompakter konnte man damals Daten nicht aufbewahren. Fotografie nahm eine Schlüsselrolle ein. Ein Werbeslogan der Firma Kodak brachte es auf den Punkt: „Wenn Sie kein fotografisches Gedächtnis haben, besorgen Sie sich eins.“ In einem Zeitschriftenartikel von 1945 über ein Projekt des Ingenieurs Vannevar Bush bekommt man einen Eindruck davon. Eine Kamera an einem Stirnband sollte festhalten, was der Mensch sieht. Nichts vergessen, eine technische Erweiterung des Denkvermögens.
Die Essener Ausstellung „Image Capital“ zeigt Fotografie als Technologie
Der Kunstpalast Düsseldorf zeigt „Christo und Jeanne-Claude – Paris New York Grenzenlos“

Der Kunstpalast Düsseldorf zeigt „Christo und Jeanne-Claude – Paris New York Grenzenlos“

Düsseldorf – Der Wind spielt in safrangelb leuchtenden Stoffbahnen. Das hat Christo ebenso eingefangen wie das winterliche Gegenlicht, das seine Schatten in den New Yorker Central Park wirft. Bis in kleinste Nuancen nimmt seine große Zeichnung vorweg, was er ein Jahr später verwirklichen wird. Da errichtete er die 7503 Tore tatsächlich, und in den 16 Tagen der Installation kamen vier Millionen Besucher.
Der Kunstpalast Düsseldorf zeigt „Christo und Jeanne-Claude – Paris New York Grenzenlos“
Der Kunstverein Villa Wessel in Iserlohn zeigt eine Ausstellung seiner Preisträgerin Berlinde de Bruyckere

Der Kunstverein Villa Wessel in Iserlohn zeigt eine Ausstellung seiner Preisträgerin Berlinde de Bruyckere

Iserlohn – Das Fohlen liegt auf einem Podest wie auf einem Altar. Schlaff hängen die Läufe in der Luft, ohne jede Körperspannung. Der Kopf ruht unter den Vorderbeinen in einer Schutzgeste, die an ein schlafendes Kind erinnert. Die ganze Verletzlichkeit des Körpers wird hier offenbar, unterstrichen noch durch den schäbigen, löchrigen Stoff, auf den das Tier gebettet wurde. Das ganze Arrangement spricht von Vergänglichkeit und Schmerz.
Der Kunstverein Villa Wessel in Iserlohn zeigt eine Ausstellung seiner Preisträgerin Berlinde de Bruyckere
Die Photographische Sammlung in Köln zeigt „Urbanes Leben, Architektur, Industrie“

Die Photographische Sammlung in Köln zeigt „Urbanes Leben, Architektur, Industrie“

Köln – Es gibt wahrlich glanzvollere Orte als die portugiesische Insel Culatra. Joachim Brohm zeigt in seiner Aufnahme „Garten“ ein eher schäbiges als idyllisches Durcheinander. Die südlichen Pflanzen werden verdeckt von einer Schubkarre, einem Bootsmotor, Bauschutt, Sperrmüll. Dies ist kein Arkadien, sondern banaler Alltag, obwohl auch hier der Himmel alles herrlich blau überwölbt.
Die Photographische Sammlung in Köln zeigt „Urbanes Leben, Architektur, Industrie“
Karsten Dahlem inszeniert „Das Fest“ am Grillo-Theater Essen

Karsten Dahlem inszeniert „Das Fest“ am Grillo-Theater Essen

Essen – Dummerweise wählt Helge Klingenfeldt-Hansen die „Wahrheitsrede“, die Christian zu seinem 60. Geburtstag vorbereitet hat. Damit stört der Sohn die aufgekratzte Feierstimmung. Er bezichtigt seinen Vater, ihn und seine Schwester Linda vergewaltigt zu haben, als sie noch Kinder waren. Ein kurzer Moment, dann schüttelt die Familie die Anschuldigung ab und lässt weiter die Gläser kreisen. Der Kampf in dem Stück „Das Fest“ hat gerade erst begonnen.
Karsten Dahlem inszeniert „Das Fest“ am Grillo-Theater Essen
Julian Rosefeldts Video-Installation „Euphoria“ bei der Ruhrtriennale

Julian Rosefeldts Video-Installation „Euphoria“ bei der Ruhrtriennale

Essen – Gerade noch haben die Menschen in den Hallen der Bank über die verbindende Kraft des Geldes nachgedacht. Plötzlich werden die Aktionen absurd. Hinter dem Schalter wirft eine Angestellte Banknote um Banknote vor die verdutzte Kundin. Daneben zieht ein Mann aus einer Kreditkarte immer neue Geldscheine wie ein Spielkartenmagier. Das Kapital überwuchert als Papierflut den Schalterraum. Die Menschen reagieren überraschend, erheben sich, ein Mann überspringt den Schalterkomplex, ein Paar bewegt sich zum aufkommenden Rhythmus. Was banales Finanzgeschäft war, schlägt um in eine bizarre Musicalchoreografie mit dem Wechselgesang über den Geruch des Geldes: „Money doesn‘t stink, money stinks!“
Julian Rosefeldts Video-Installation „Euphoria“ bei der Ruhrtriennale
Barbara Frey inszeniert Schnitzlers „Das weite Land“ bei der Ruhrtriennale

Barbara Frey inszeniert Schnitzlers „Das weite Land“ bei der Ruhrtriennale

Bochum – Vorn hängt Genia Hofreiter apathisch in ihrem Sessel. Hinter schwarzer Gaze schreitet ein Trauerzug. Damit kein Zweifel bleibt, dass die Leute vom Friedhof kommen, erläutert eine Stimme aus dem Off, welche Käfer und Maden nach welcher Zeit an einem Leichnam nachweisbar sind. Und schon bricht das Pathos der Situation.
Barbara Frey inszeniert Schnitzlers „Das weite Land“ bei der Ruhrtriennale
Das Museum Folkwang in Essen zeigt eine große Expressionismus-Schau

Das Museum Folkwang in Essen zeigt eine große Expressionismus-Schau

Essen – Alles scheint selbstverständlich beim „Sitzenden Akt auf orangem Tuch“. Als ob die Frau nur nackt unterwegs sei, präsentiert sie sich, ohne klassische Pose, neben einem profanen Kohleofen. Schon das ist frech. Aber wie Ernst Ludwig Kirchner hier mit Farbe umgeht, die Konturen auflöst, den Strich vom Motiv befreit, das sorgte 1909 vollends für Verstörung. Man vergisst heute schnell, dass der Expressionismus zu seiner Zeit „Sturm und Drang“ war, wie der Sammler und Museumsgründer Karl Ernst Osthaus es formulierte.
Das Museum Folkwang in Essen zeigt eine große Expressionismus-Schau
Ausstellung zur Satirezeitschrift Simplicissimus im Kollwitz-Museum Köln

Ausstellung zur Satirezeitschrift Simplicissimus im Kollwitz-Museum Köln

Köln – Die rote Bulldogge haben sie übernommen. Der Zeichner Thomas Theodor Heine hatte 1896 das Wappentier der Satirezeitschrift Simplicissimus entworfen, das seine Kette zerrissen hatte und dem Betrachter die blanken Zähne entgegenfletscht. Die Originalversion dieses wütenden, unkontrollierbaren Straßenköters montiert Hanns Erich Köhler 1954 in seine Zeichnung „Contra!“ vor eine Reihe erschrockener, ertappter Vertreter des Bundesbürgertums. Ein Ruhestörer.
Ausstellung zur Satirezeitschrift Simplicissimus im Kollwitz-Museum Köln
Der Skulpturenpark Waldfrieden zeigt Monumentales von Anish Kapoor

Der Skulpturenpark Waldfrieden zeigt Monumentales von Anish Kapoor

Wuppertal – Ein gewaltiger Würfel steht auf der Lichtung im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal. 7,32 Meter Kantenlänge, die Seiten abwechselnd rot und schwarz. Eingelassen in die Flächen sind tiefe Öffnungen. Von ihnen durchziehen Schläuche das Objekt, wie Adern oder Gehörgänge. Man kann das Kunstwerk betreten und blickt im rötlichen Dämmerlicht auf die Schläuche, durch die Tageslicht fällt. Der wuchtige Brocken verliert seine Masse, wird zum verletzlichen Körper. Oder auch zu einer beiläufigen Architektur.
Der Skulpturenpark Waldfrieden zeigt Monumentales von Anish Kapoor