Missbrauchsfall-Prozess

„Ich habe erst nur die Füße gesehen...“ so fand eine Polizistin den vermissten Marvin im Schrank     

Beginn Missbrauchsprozess
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Marvin war über zwei Jahre verschwunden. Dann wurde der vermisste Junge bei einer Polizei-Razzia zufällig in einer Wohnung entdeckt (Archivfoto).

Über zwei Jahre fehlte von Marvin jede Spur. Dann wurde der Junge bei einem Mann aus Recklinghausen gefunden. Im Prozess kommen jetzt Details ans Licht. 

  • Über zwei Jahre lang fehlte von dem vermissten Marvin aus Duisburg jede Spur. 
  • Im Dezember 2019 wurde der Junge (damals 15 Jahre alt) zufällig in einem Schrank entdeckt. 
  • In Bochum hat Anfang Juni der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. 

Missbrauchsfall Marvin: Polizistin schildert Schrank-Szene vor Gericht

Update vom 7. Juni 2020: Die Vorwürfe gegen den Tatverdächtigen sind schwer. Ein Mann aus Recklinghausen soll Marvin zweieinhalb Jahre lang bei sich versteckt und in 475 Fällen sexuell missbraucht haben. Zum Prozessauftakt am Freitag (5. Juni) in Bochum erklärte der Angeklagte, dass er sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern werde.

Eine Polizistin schilderte dem Gericht, wie sie den Jungen zufällig bei einer Polizei-Razzia entdeckte. 

Ich habe erst nur die Füße gesehen und mich richtig erschrocken“, sagte eine Polizistin den Bochumer Richtern am Freitag. Der inzwischen 16-Jährige kauerte in einem Schrank.

Der Junge habe nur ein T-Shirt und eine kurze Hose angehabt. Am Handgelenk trug er zwei silberne Armbänder, die er sich verschämt abgestreift habe. An einem war ein Anhänger mit der Aufschrift „Ich liebe Dich“. Ein Geschenk des Angeklagten, soll der 16-Jährige dazu gesagt haben.

„Er war abweisend, fast schon bockig“, so die Polizistin im Prozess am Bochumer Landgericht. „Im ersten Moment hatte ich das Gefühl, dass er überhaupt nicht begeistert war, dass wir ihn gefunden haben.“ Später, im Streifenwagen, sei er dann entspannter gewesen.

Wie die Bild (hinter Bezahlschranke) berichtet, durchsuchte die Kripobeamtin gerade das Schlafzimmer und öffnete die untere Kleiderschrank-Tür. Auf die Frage, wer er sei, wollte der Junge erst nicht antworten. Dann habe er angegeben, er heiße Marvin. 

Weil der Angeklagte im Prozess keine Aussage machen will, muss Marvin in den nächsten Prozesstagen selbst aussagen. Die Vernehmung des 16-Jährigen soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Wie es ihm heute geht? „Er hat einen ganz langen und schwierigen Weg vor sich“, sagte seine Anwältin Marie Lingnau vor Prozessbeginn. Und auf die Frage, warum er nicht aus der Wohnung des Angeklagten geflohen sei: „Man darf nicht vergessen, dass er erst 13 war, als er in die Fänge eines Mannes geriet, der sehr manipulativ ist.“

Missbrauchsfall Marvin: Der Angeklagte schweigt im Prozess.

Marvin (15) bei „Aktenzeichen XY“: Moderator Rudi Cerne mit unfassbaren Details - Ermittlungen gegen Polizei 

Update vom 16. Januar 2020: Über zwei Jahre lang fehlte jede Spur von dem heute 15-jährigen Marvin. Bereits kurz nachdem der Teenager in einem Schrank in einer Wohnung in Recklinghausen entdeckt wurde, sickerte durch: Die Polizei hatte offenbar bereits viel eher Hinweise auf den Verbleib des Kindes erhalten. 

Nun hat die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen gegen Beamte der Duisburger Polizei eingeleitet. Hintergrund ist ein Hinweis nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ auf den Aufenthaltsort des Jungen - der jedoch „ohne weitere Ermittlungen zu den Akten genommen“ wurde, wie es in einem vertraulichen Bericht an den Innenausschuss des Landtags heißt, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. 

Laut dem Bericht des NRW-Innenministers hatte am 24. Juli 2019 eine „Aktenzeichen XY“-Zuschauerin einen Hinweis auf den Aufenthaltsort des Jugendlichen gegeben. Da sie das nur aus zweiter Hand wusste, rief die Polizei bei dem Mann an, der ursprünglich der Frau davon erzählt hatte. Dieser nannte demnach auch den Namen des tatsächlich bereits wegen des Besitzes von Kinderpornografie vorbestraften Mannes aus Recklinghausen.

Das Ergebnis des Telefonats kam laut Bericht allerdings ohne weitere Ermittlungen zu den Akten. Es sei auch nichts im Computer abgespeichert worden. Erst fünf Monate später wurde der Jugendliche durch einen Zufall entdeckt.

Gegen den Verdächtigen, bei dem der Junge mehr als zwei Jahre lebte, wird laut dem vertraulichen Papier inzwischen auch wegen Vergewaltigung und des Herstellens jugendpornografischer Schriften ermittelt.

Update vom 15. Januar 2020: Was ist dem 15-jährigen Marvin zugestoßen? Noch immer herrscht Unklarheit darüber. In der aktuellen „Aktenzeichen XY“-Ausgabe erklärte Moderator Rudi Cerne den Kriminalfall für gelöst. Das ZDF hatte erst im Sommer 2019 mit einem Filmbeitrag nach dem Teenager gesucht. 

Wie Cerne dann weiter erklärt, befinde sich der dringend tatverdächtige 44-Jährige weiter in Untersuchungshaft. Marvin selbst werde seit seinem Auffinden ärztlich betreut. Mittlerweile sei davon auszugehen, dass der 15-Jährige die komplette Zeit seines Verschwindens bei dem Mann in der Wohnung gelebt haben muss. 

Um die Identität eines toten Mannes klären zu können, wollte die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ eigentlich das Bild einer Leiche zeigen. Nun wurde die Ausstrahlung vermutlich verschoben.

Vermisster Marvin (15): Nachbar berichtet von befremdlicher Begegnung 

Update vom 30. Dezember 2019, 11.34 Uhr: Noch immer herrscht Unklarheit über das Schicksal des 15-jährigen Marvin. Obwohl sich die Polizei bislang mit Informationen bedeckt hält, äußerte die Mutter des Teenagers bereits vor Tagen einen schlimmen Verdacht. 

Im Gespräch mit RTL berichtete nun ein Nachbar des Festgenommenen weitere schreckliche Details. Wie Murat C. erklärt, seien in der Vergangenheit oft Jugendliche bei dem 44-Jährigen gewesen. "Der hatte so junge Freunde gehabt", erklärt der Nachbar. Zuvor sei der 44-Jährige bereits aus seinem Job als Fußballtrainer rausgeflogen. 

Murat C. bestätigt weiter, dass es aus der Wohnung des Festgenommenen oft bestialisch gestunken habe, der 44-Jährige oft betrunken gewesen sei und dann anschließend die Nachbarn aggressiv angepöbelt habe. Kurz bevor das Kind dann von Ermittlern durch Zufall in der Wohnung entdeckt wurde, sei Murat C., der Bruder des Hausbesitzers, gemeinsam mit einem Sachverständigen wegen eines Wasserschadens in der Wohnung gewesen. Dabei sei ihm der verwahrloste Zustand der Wohnung aufgefallen, ein 15-Jähriger jedoch nicht. 

"Ich habe drei Kinder. Man fühlt sich schon scheiße", zeigt sich der Nachbar nach seinem Besuch in der Wohnung schockiert. 

+++ Aktueller Vermisstenfall aus Bayern: Franco Rader aus Bad Tölz wird verzweifelt von seiner Schwester mit Foto gesucht (Merkur.de*). Er ist am Montag spurlos verschwunden. Die Polizei nimmt Hinweise entgegen.

Vermisster Marvin (15) in Schrank entdeckt: Mutter mit Verdacht - Zustand schockiert 

Ursprungsmeldung vom 28. Dezember 2019: Duisburg - Was ist Marvin nur zugestoßen? Diese Frage stellen sich nicht nur Ermittler nach dem tragischen Fund in einer Wohnung in Recklinghausen. Auch die Mutter des heute 15-Jährigen versucht eine Erklärung auf das Verschwinden ihres Sohnes zu finden. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost berichtet Manuela B. nun über das erste Treffen mit ihrem Kind. Dabei äußert die Mutter einen kaum auszuhaltenden Verdacht

Vermisster Marvin in Schrank entdeckt - Mutter berichtet Details von erstem Treffen 

Mit diesem Fund hatten die Beamten bei einer Wohnungsdurchsuchung am 20. Dezember nicht gerechnet. Während Ermittler die Wohnung wegen Verdacht auf Besitz von Kinderpornografie durchsuchen, wurde der 15-jährige Marvin in einem Schrank versteckt gefunden. Kurz darauf ist klar, dass es sich bei dem Teenager um den seit Sommer 2017 vermissten Jungen handelt. 

Noch während der heute 15-Jährige in ein Krankenhaus eingeliefert wird, wird auch Marvins Mutter über den Fund informiert. Als Manuela B. ihren Sohn kurz darauf zum ersten Mal sehen darf, fällt ihr der Teenager in die Arme. Wie die Mutter des Vermissten gegenüber der Berliner Morgenpost erklärt, sei Marvin in derselben Kleidung entdeckt worden, in der der damals 13-Jährige verschwunden war. 

Vermisster Marvin: Mutter äußert schrecklichen Verdacht 

„Ich habe mir zweieinhalb Jahre dieses Gefühl vorgestellt, wie es sein wird, wenn ich Marvin jemals wiedersehe. Aber was ich gesehen habe, erinnerte mich an den Spruch, dass jemand ein gebrochener Mann ist“, erklärt Manuela B. Demnach sei Marvin zwar mittlerweile fast zwei Köpfe größer als seine Mutter, doch der 15-Jährige sei in einem „schlechten Zustand“. So sei Marvin ungepflegt gewesen, habe beispielsweise lange Fingernägel gehabt. Außerdem sei der Kopf des Teenagers stark geschwollen. 

Ein Umstand, der Manuela B. Schreckliches vermuten lässt. Wie Marvins Mutter gegenüber dem Blatt erklärt, habe sie mittlerweile den Verdacht, dass dem 15-Jährigen in der Wohnung Substanzen verabreicht worden sein könnten. Ergebnisse einer im Krankenhaus durchgeführten Untersuchung sind noch nicht bekannt. Manuela B. vermute ebenfalls, dass Marvin aufgrund des sogenannten „Stockholm-Syndroms“ in der Wohnung geblieben sein könnte. Dabei fühle sich das Opfer dem Täter verbunden. 

Vermisster Marvin: Polizei veröffentlicht erschreckende Information 

Für die Polizei hat Manuela B. nur lobende Worte übrig. Vor allem die Sachbearbeiterin habe über die gesamte Zeit Kontakt gehalten und „mich wirklich gut aufgebaut“. Trotzdem prüft die Polizei nun, ob Marvin bereits viel eher aus der Wohnung befreit hätte werden können. Wie Ermittler nur wenige Tage nach der Entdeckung nämlich zugeben, lag ein Hinweis auf die betreffende Wohnung offenbar bereits im Sommer vor. 

In der neuen Folge der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ wird ein Fall aus München wieder thematisiert. Dabei wurde ein Mann Opfer einer brutalen Attacke in einem Münchner Park. Bei einem Polizeieinsatz in Bad Schussenried (Kreis Biberach) ist ein Mensch getötet worden. Noch ist vieles unklar.

Diese spektakulären Kriminalfälle wurden durch „Aktenzeichen XY“ bereits gelöst.

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