20.000 Quadratmeter Regenwald bedroht

Flammenhölle Amazonas: Bolsonaro stellt Bedingungen für Hilfsangebot - „Macron sollte...“

+
Ist auf Macron nicht sonderlich gut zu sprechen: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro. 

Der Regenwald im Amazonas brennt. Brasilien lehnt bislang Soforthilfen ab. Die NASA hat mit einem Spezialsatelliten die Kohlenmonoxid-Konzentration gemessen und schlägt Alarm.

  • In Brasilien und weiteren Teilen Südamerikas wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren
  • Fast 73.000 Brände wurden mittlerweile registriert
  • Brasiliens Präsident Bolsonaro macht Naturschützer für Brände verantwortlich

Update vom 28. August, 8.23 Uhr: Die Brände des Regenwaldes im Amazonasgebiet könnten für uns noch deutlich schlimmere Konsequenzen haben, als viele dachten. Es droht ein nicht aufzuhaltender Teufelskreis

Brände im Amazons: Bolsonaro stellt Bedingungen für Annahme der von den G7-Staaten angebotenen Hilfe

15.09 Uhr: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat für die Annahme der von den G7-Staaten angebotenen Hilfe für die Bekämpfung der verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet Bedingungen gestellt. „Zunächst sollte Macron die Beleidigungen gegen mich zurücknehmen“, sagte der Staatschef am Dienstag beim Verlassen seiner Residenz. „Er hat mich einen Lügner genannt. Und dann hat er nach meinen Informationen die Souveränität des Amazonasgebiets in Frage gestellt.“

„Um mit Frankreich, das die besten Absichten hat, zu sprechen oder irgendwas anzunehmen, muss er diese Äußerungen zurücknehmen“, sagte Bolsonaro. Zuvor hatte sein Präsidialamtschef Onyx Lorenzoni nach der Interpretation eines Blogs im Nachrichtenportal G1 nahegelegt, dass Brasilien die Hilfe nicht annehmen wolle. Das Geld sei möglicherweise besser in Europa angelegt, sagte Lorenzoni demnach. 

Bolsonaro soll im Anschluss an die Streitigkeiten die Frau des französischen Präsidenten, Brigitte Macron, beleidigt haben. Daraufhinholte die Tochter der First Lady zu einem Gegenschlag aus - und stieß auf internationales Medienecho. 

Brände im Amazonas: NASA zeigt, wie sich giftiges Gas über Südamerika ausbreitet

13.52 Uhr: Es sind alarmierende Bilder, die die NASA jetzt veröffentlicht hat: Per Satellit hat die US-Weltraumorganisation die Kohlenmonoxid-Konzentration in der Luft über Brasilien und den angrenzenden Staaten gemessen. Wie kaum anders zu erwarten war, steigt diese im Messzeitraum zwischen dem 8. und 20. August stark an. 

Die rote Färbung zeigt die Kohlenmonoxid-Emissionen, die durch dei Waldbrände entstehen.

Kohenmonoxid kann große Entfernungen zurücklegen und etwa einen Monat lang in der Atmosphäre verbleiben. In der Höhe, in der von der NASA gemessen wurde, hat das Gas allerdings wenig Einfluss auf die Luft, die wir atmen. Aber: Starke Winde können es jedoch nach unten befördern, wo es die Luftqualität erheblich beeinträchtigen kann. Kohlenmonoxid spielt sowohl bei der Luftverschmutzung als auch beim Klimawandel eine Rolle, so die US-Weltraumagentur.

Eine Animation der Kohlenmonoxid-Konzentration in der Luft können Sie hier sehen.

10.49 Uhr: Es ist ein Foto, das die Welt bewegt: Ein Ameisenbär mit verbranntem Fell steht auf seinen Hinterbeinen und breitet die Arme aus. Es sieht aus, als würde der erblindete Ameisenbär um Hilfe flehen, aber sich noch einmal mit letzter Kraft gegen die Zerstörung des Regenwaldes im Amazonasgebiet auflehnen. Seine Geste erinnert zudem an die riesige Christus-Statue in Rio de Janeiro (Brasilien). 

Araquém Alcântara, einer der berühmtesten Naturfotografen Brasiliens hat diese Aufnahme gemacht. Das Foto des erblindeten Ameisenbären ist zum Symbol für die Zerstörung des Regenwaldes am Amazonas geworden. In einem FAZ-Gastbeitrag schreibt Araquém Alcântara: „Am 19. August, dem Weltfotografietag, habe ich das Foto des Ameisenbären veröffentlicht. Er war verbrannt, blind, erschöpft. Doch als er mich spürte, richtete er sich auf, um sich zu verteidigen.“

Der Naturfotograf ist erschüttert von den Feuern im Amazonas. Er beschreibt sich in seinem Beitrag als „Augenzeuge dieses Verbrechens gegen die Menschlichkeit“. Jedes Jahr wiederhole sich dort ein grauenhaftes Schauspiel. Der Ameisenbär ist für ihn ein Sinnbild, das für den Amazonas steht und diesen mit letzter Kraft zu verteidigen versucht. 

Wann Alcântara das Foto mit dem Ameisenbären tatsächlich aufgenommen hat, ist bislang unklar. Die Bild berichtet, dass das Foto bereits über Instagram am 20. August 2016, also vor drei Jahren, gepostet wurde. Am 3. Dezember 2017 sowie am 11. März 2018 habe der Naturfotograf das identische Foto erneut gepostet. Damit wäre es kein aktuelles Bild der Feuerkatastrophe 2019. 

Flammenhölle Amazonas: Brasilien lehnt Hilfe ab - jetzt hat Verona Pooth einen dramatischen Appell

10.04 Uhr: Auch Bolivien hat es jetzt getroffen. Nach dem arg betroffenem Brasilien brennt es nun auch im Heimatland von Werbe-Sternchen Verona Pooth.

Und die spricht nun: „Es ist eine Welt-Katastrophe, an der wir alle mit schuld sind. Es ist grausam, unnötig und traurig“, sagte Pooth der Bild-Zeitung. „Ich finde, dass ich mir Gedanken machen muss, wie es weitergeht. Jeder Einzelne muss das tun. Wir müssen was daran ändern. Wir sehen doch in welcher Not die Menschen, die Tiere, die Region und auch wir alle sind. Wir dürfen davor nicht die Augen verschließen.“

Ein dramatischer Appell aus gutem Grund. Nicht zuletzt, weil die schwersten Waldbrände seit Jahren toben.

Pooth macht sich besonders Sorgen um ein „SOS Kinderdorf“ im bolivischen El Alto, das sie seit Jahren betreut. „Meine ersten Gedanken waren, ob es den Kindern dort hoffentlich gut geht. Ich habe mich informiert – die Dörfer sind nicht betroffen“, sagt sie erleichtert.

Nicht viele kennen Verona Pooth so ernsthaft. Doch sie appelliert: „Man muss mehr machen, als nicht mehr nur aus Plastik-Strohhalmen zu trinken.“

Update vom 27. August, 7.30 Uhr: Im Amazonas-Regenwald in Brasilien wüten schwere Waldbrände. Die internationale Staatengemeinschaft reagierte und stellte beim G7-Gipfel in Biarritz Soforthilfen in Höhe von 20 Millionen Dollar zur Verfügung, um den betroffenen Staaten zu helfen. Doch die brasilianische Regierung lehnt die Hilfen in Millionenhöhe ab. Die Ablehnung der Soforthilfe bestätigte das brasilianische Präsidentenbüro der Nachrichtenagentur AFP, wie Bild berichtet. So habe Onyx Lorenzoni, der Kabinettschef von Präsident Jair Bolsonaro erklärt, dass die 20 Millionen Dollar eher dazu verwendet werden sollten, die Wälder in Europa wieder aufzuforsten. Auch ein bayerischer Klimaschutz-Kollege von Greta Thunberg hält die Amazonas-Soforthilfe des G7 für einen „Witz“.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte sich dafür eingesetzt, dass die Brände im Amazons auch Thema beim G7-Gipfel sind. Das hatte bereits zu Spannungen zwischen dem brasilianischen Staatschef Bolsonaro und Macron geführt. Wie Bild weiter berichtet, legt auch Lorenzoni nun nach. „Macron schafft es nicht mal, einen vorhersehbaren Brand in einer Kirche zu verhindern, die Teil des Welterbes ist, und er will uns Lektionen für unser Land erteilen?“, sagte der Kabinettschef demnach. Eine Anspielung auf das Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame im April.

Video: Der Amazonas brennt - doch Brasilien lehnt Millionenhilfen ab

Amazonas: Bauernverband bestreitet koordinierte Brandrodungen von Regenwald in Brasilien

Nach Berichten über einen „Tag des Feuers“ im brasilianischen Bundesstaat Pará hat der örtliche Bauernverband eine koordinierte Brandrodung in der Region abgestritten. „Wenn es so etwas gegeben hat, war es ein Einzelfall. Wir wissen nichts von einer orchestrierten Aktion“, sagte der Präsident des Verbands in Novo Progresso, Agamenon da Silva Menezes, am Montag der amtlichen Nachrichtenagentur Agência Brasil. „Niemand will Brände, die außer Kontrolle geraten könnten. Das schadet allen.“

Zuvor hatte die Zeitschrift „Globo Rural“ berichtet, dass sich in der Region zuletzt über 70 Personen in einer Whatsapp-Gruppe dazu verabredet hatten, große Flächen entlang der Landstraße BR-163 in Brand zu stecken. Ziel der koordinierten Aktion sei gewesen, den rechten Präsidenten Jair Bolsonaro bei seinem Plan zu unterstützen, die Umweltkontrollen zu lockern, hieß es in dem Bericht.

Die Staatsanwaltschaft und die Bundespolizei leiteten Ermittlungen ein. Justizminister Sérgio Moro drohte den Brandstiftern mit harten Strafen. In Brasilien wüten derzeit die heftigsten Waldbrände seit Jahren. Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Landwirte dazu ermutigt fühlen, den Wald in Brand zu stecken, um neue Weideflächen zu schaffen.

Amazonas: Regenwald-Brände

São Paolo/Biarritz - Die Waldbrände im Amazonas wüten weiterhin. Nun reagierte die internationale Politik erstmals: Die G7-Chefs stellten in Biarritz eine Soforthilfe von 20 Millionen Dollar in Aussicht, die den betroffenen Staaten im Amazonasbecken "so schnell wie möglich" zugutekommen soll - allen voran Brasilien. 

Gut die Hälfte der Mittel kommt von Großbritannien. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte vorerst keinen Betrag. Auf UN-Ebene soll ein Plan zur Wiederaufforstung erarbeitet werden.

In den Tagen zuvor war es zu einer heftigen Fehde zwischen Brasiliens Staatspräsident Jair Bolsonaro und Frankreichs Staatsoberhaupt Emanuel Macron gekommen.  

Immer mehr Rodungen im Amazonas führen offenbar unter anderem zu den Waldbränden.

Für Brasiliens Präsident steht der Auslöser für die verheerenden Brände bereits fest. Er beschuldigt Umweltschutz-Organisationen, die Brände selbst gelegt zu haben. Wie die brasilianische Tageszeitung Folha de São Paulo berichtet, werfe Bolsonaro den Organisationen vor, die Brände für Aufmerksamkeit und aus Rache gelegt zu haben. 

„Es könnte eine kriminelle Aktion dieser NGOler sein, um Aufmerksamkeit gegen mich zu lenken und gegen die brasilianische Regierung. Das ist der Krieg, dem wir uns gegenübersehen“, zitiert die Tagesschau den Präsidenten unter Berufung auf die brasilianische Presse. 

Amazonas-Feuer: Rund 20.000 Quadratkilometer Regenwald droht die Vernichtung

Wie bild.de berichtet, könnten das Jahr 2019 für Brasilien zum verheerendsten Jahr in Sachen Waldverlust werden. So wird die Zahl von 2005 erreicht, wie der WWF erklärt. Damals verschwanden 20.000 Quadratkilometer Wald. Das ist größer als die Fläche von Rheinland-Pfalz und fast so groß wie Hessen oder Sachsen-Anhalt. Nur 2004 war die Zahl höher, damals fielen 27.800 Quadratkilometer Bränden und Rodung zum Opfer. 2014 waren es „lediglich“ 5000 Quadratkilometer.

Macron hatte sich dafür eingesetzt, dass die G7 über die Naturkatastrophe in Südamerika sprachen. Der ultrarechte brasilianische Staatschef Bolsonaro hatte sich jegliche Einmischung aus dem Ausland verbeten. Er warf Macron "kolonialistische Denkweisen" vor. Bolsonaro meldete sich unter anderem im Kurzbotschaftendienst Twitter zu Wort. „Wir können nicht akzeptieren, dass ein Präsident, Macron, unangemessene und ungerechtfertigte Attacken gegen das Amazonas-Gebiet fährt“, schrieb der Präsident. Macron behandle die Region wie eine Kolonie, wiederholte Bolsonaro einen Vorwurf vom Donnerstag. Die Souveränität eines Landes zu respektieren sei in einer „zivilisierten Welt“ aber das Mindeste.

Außer Bolsonaro gingen auch andere brasilianische Regierungsmitglieder zu üblen persönlichen Angriffen auf Macron über. Auf Twitter ging Bildungsminister Abraham Weintraub Macron scharf an. Dieser sei bei den Waldbränden nicht „auf der Höhe“. „Er ist nur ein opportunistischer Dummkopf, der die Unterstützung der französischen Agrarlobby sucht.“

Macron hatte wegen der Umweltpolitik Bolsonaros eine Blockade des Freihandelsabkommens mit dem südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur angekündigt. Bereits am Freitag hatte der Sohn des brasilianischen Staatschefs, Eduardo Bolsonaro, bei Twitter ein Video der „Gelbwesten“-Proteste in Frankreich mit dem Kommentar geteilt: „Macron ist ein Idiot.“

Die Brände des Regenwaldes im Amazonasgebiet könnten noch deutlich schlimmere Konsequenzen haben, als viele dachten. Es droht ein nicht aufzuhaltender Teufelskreis. Ein Foto eines ölverschmierten Jungen geht derzeit um die Welt. Wer steckt hinter der entsetzlichen Umweltkatastrophe in Brasilien?

fs/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare